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Trotz EU-Verbot: Rüben-Bauern beantragen erneut Einsatz von extrem schädlichen Pestizid

© CC0 / Couleur / PixabayRüben (Symbolbild)
Rüben (Symbolbild) - SNA, 1920, 02.11.2021
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Das Pestizid Thiamethoxam gilt auch in kleinsten Dosen als extrem toxisch. Deswegen hat es die EU eigentlich verboten. Julia Klöckners Landwirtschaftsministerium hatte das Neonicotinoid per Sonder-Genehmigung trotzdem erlaubt. Ein Zuckerverband beantragt nun erneut die Zulassung bei der noch amtierenden Agrarministerin.
Ein Insektizid mit dem Wirkstoff Thiamethoxam will der Verband Süddeutscher Zuckerrübenanbauer einsetzen – zum Schutz gegen eine Blattlaus, die durch Saugen die Pflanzen mit verschiedenen Vergilbungsviren infiziert. Beim Läusebefall verfärben sich die Blätter der Pflanzen gelblich, die Photosynthese stockt, und die Rübe verkümmert. Das könne die Ernte erheblich schmälern. Der Tageszeitung (Taz) gegenüber sagte eine Sprecherin des Verbands Wirtschaftliche Vereinigung Zucker:

„Wir haben das wieder beantragt, weil es immer noch keine Alternative gibt“

Einsatz ist „ist völlig unverantwortlich“

Dem Agrarministerin Julia Klöckner unterstellten Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) liegt demnach ein Antrag auf Notfallzulassung für ein Mittel aus der Gruppe der Neonicotinoide vor.
Thiamethoxam und sein Abbauprodukt Clothianidin – beides Neonicotinoide – hatte sich in Teilen Frankens unkontrolliert ausgebreitet, nachdem mit dem Stoff ummantelte Zuckerrübensamen ausgesät worden waren. Beide Substanzen sind auch in geringsten Mengen extrem toxisch für Bienen und alle anderen bestäubende Insekten. Deswegen hat die EU 2018 verboten, Thiamethoxam und Clothianidin im Freiland auszubringen. Wie der Neurobiologe und Zoologe Randolf Menzel im SNA-Interview erklärte, wirken die Mittel bereits im Bereich von zehn Nanogramm pro Gramm tödlich für Insekten – noch geringere Konzentrationen wirken schädigend. Die bestäubenden Insekten können dann beispielsweise nicht mehr nach Hause zurückkehren, ihre soziale Kommunikation durchführen oder nicht mehr lernen. All das sei mittlerweile sehr gut belegt. Menzel fordert deswegen:

„Ein im Prinzip verbotenes Mittel darf als Notmaßnahme nur mit ausdrücklichem Nachweis eingesetzt werden, dass eine solche Schädigung tatsächlich vorliegt. Die Behandlung muss lokal und streng kontrolliert durchgeführt werden. In einer solchen Situation kann also in Ausnahmefällen – das war hier natürlich nicht der Fall – so eine Notmaßnahme eingeleitet werden. Aber sie flächenmäßig unkontrolliert, vorbeugend einzusetzen – das ist völlig unverantwortlich.“

Keine Notfallgenehmigungen unter neuer Bundesregierung?

Doch das BVL erteilte bisher mehrere Notfallzulassungen. Die EU-Pestizidverordnung erlaubt solche Ausnahmen, wenn sich eine „Gefahr“ nicht anders abwehren lässt.
Agrarministerin Julia Klöckner - SNA, 1920, 13.10.2021
Klöckner missachtet EU-Verbot – Toxisches Pflanzschutzmittel schädigt Bienen, Fische und Vögel
„Ich werde mich bei den Koalitionsverhandlungen dafür einsetzen, dass es keine Notfallgenehmigungen mehr für Neonicotinoide in Deutschland gibt, nach den Ergebnissen aus Bayern erst recht nicht“, sagte der agrarpolitische Sprecher der Grünen im Europaparlament, Martin Häusling, der Taz. Häusling nimmt auch an den Gesprächen zwischen SPD, Grünen und FDP über die neue Bundesregierung teil.
Dass der Zuckerrübenanbau auch ohne den Einsatz von Neonicotinoiden und ähnlich wirkenden chemisch-synthetischen Insektiziden möglich ist, zeigen, laut dem Umweltinstitut München, Öko-Landwirte: Sie würden zu ackerbaulichen und vorbeugenden Maßnahmen greifen. Zum Beispiel der Förderung von gleichmäßigen und geschlossenen Beständen, einer raschen Jugendentwicklung, der Beachtung einer räumlichen Entfernung zu anderen Wirtspflanzen, der Bekämpfung von Beikraut-Wirtspflanzen auf dem Rübenschlag, und der Förderung der zahlreichen natürlichen Fressfeinde der Grünen Pfirsichblattlaus.
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