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Kohleausstieg hängt von Gas als Brückentechnolgie ab - Schröder

© SNA / Ilja Pitalew / Zur BilddatenbankGerhard Schröder
Gerhard Schröder - SNA, 1920, 02.11.2021
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Der frühere Bundeskanzler Gerhard Schröder hat angesichts der Überlegungen zu einem früheren Kohleausstieg die Bedeutung von Gas als Brückentechnologie hervorgehoben. Wie er in seinem Podcast „Die Agenda“ sagte, ist das Erdgas von den fossilen Energieträgern als Brückentechnologie umweltpolitisch die Beste.
„Ob man den Kohleausstieg wirklich vorziehen kann, das wird auch davon abhängen: Wie weit ist man mit den erneuerbaren Energien, und vor allen Dingen, wie weit ist man mit Gas als einer Brückentechnologie, die von den fossilen Energieträgern sicher die umweltpolitisch beste ist“, sagte Schröder in der neuen Ausgabe seines Podcasts „Die Agenda“, die am Donnerstag veröffentlicht wurde.
„Es liegt wirklich im deutschen Interesse, genügend Gas zur Verfügung zu haben“, betonte Schröder. In keinem Fall werde man eine bezahlbare Energieversorgung für Industrie und Verbraucher hinkriegen, wenn man Gas nicht als Übergangstechnologie nutze.
Kritik äußerte Schröder an den Grünen und ihrer Parteivorsitzenden Annalena Baerbock, die dafür plädiert hatte, Nord Stream 2 vorerst keine Betriebserlaubnis zu erteilen. „Wir haben zu Recht darauf bestanden: Alle Genehmigungen sind in Ordnung, und sie müssen nach Recht und Gesetz behandelt werden und dürfen nicht einer politischen Intervention zum Opfer fallen“, sagte Schröder.
Er äußerte sich besorgt über die Auswirkungen steigender Energiepreise. „Das, was mich umtreibt, ist natürlich das Problem vieler, die vom Land in die Stadt pendeln müssen, weil der öffentliche Nahverkehr bringt sie nicht pünktlich zum Arbeitsplatz. Für die ganz normalen Familien mit ganz normalem Verdienst ist das schon ein Problem.“ Man müsse bei der Klimapolitik auch die Menschen mitnehmen. „Und wenn die Belastungen eine Belastungsgrenze für ganz normale Verdiener überschreiten, dann werden die populistischen Strömungen anheim fallen“, warnte Schröder.
Anlandestation der Gaspipeline Nord Stream 2 in Lubmin, Norddeutschland (Archiv) - SNA, 1920, 29.10.2021
OMV-Chef: Zweiter Strang von Nord Stream 2 bis Jahresende mit Gas befüllt
Der SPD-Politiker war von 1998 bis 2005 Bundeskanzler. Unter anderem ist Schröder Präsident des Verwaltungsrats beim Betreiber des Erdgaspipeline-Projekts Nord Stream 2, das Gas von Russland nach Deutschland transportieren soll. SPD, Grüne und FDP hatten in ihren Sondierungen für eine Regierungsbildung vereinbart, „idealerweise“ schon bis 2030 aus der Kohle auszusteigen.
Der Gaspreis in Europa kletterte im Oktober auf ein Rekordhoch und erreichte 1900 US-Dollar für 1000 Kubikmeter. Vor diesem Hintergrund verlauteten aus der EU Vorwürfe, darunter aus Polen, dass Nord Stream 2 die Gaspreise in Europa negativ beeinflusse. Russlands Präsident Wladimir Putin erklärte danach, dass es aufgrund von Spekulationen über Klimaprobleme und geringeren Investitionen in die Rohstoffindustrie zu Hysterie und Verwirrung auf den europäischen Energiemärkten gekommen sei.
Laut Analysten der russischen Investmentbank VTB Capital ist der Preisanstieg auf die stabile Nachfrage zurückzuführen, während die Gasspeicher in Europa nur zu 70 bis 75Prozent (gegenüber 93 Prozent im Vorjahr) befüllt waren und die Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien zurückgegangen ist. Gleichzeitig stehen hohe Preise für Flüssiggas in Asien massiven LNG-Lieferungen nach Europa im Wege.
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