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Europäische Energiekrise: Wann stabilisieren sich die Gaspreise und reicht das Gas für den Winter?

© CC0 / ri / PixabayHeizung (Symbolbild)
Heizung (Symbolbild) - SNA, 1920, 02.11.2021
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Die jahrhundertelange Ära niedriger Energiepreise sei vorbei, sagte Rosneft-Chef Igor Setschin auf dem Eurasischen Wirtschaftsforum Ende vergangener Woche in Verona. Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder riet, Russland nicht die Schuld zu geben, sondern den Ursachen der Krise auf den Grund zu gehen.
Die Hauptthemen des Forums bezogen sich auf die aktuelle Kraftstoffkrise in Europa durch hohe Gaspreise und die Umstellung auf grüne Energie. „Die hohen Energiepreise werden zweifellos das Wirtschaftswachstum bremsen, und die Ära relativ niedriger Energiepreise, die fast 100 Jahre andauerte und zum wichtigsten Impulsgeber für die Entwicklung der Weltwirtschaft wurde, könnte zu Ende gehen“, sagte der Verwaltungsratsvorsitzende des Russischen Öl- und Gasunternehmens Rosneft, Igor Setschin.
Die Welt, so Setschin, erfahre nun durch die Corona-Pandemie und den Zusammenbruch der Wirtschaft ständigen Stress. Deshalb seien Stabilität und Berechenbarkeit so wichtig. „Grüne Energie“, so Setschin, könne die traditionellen Ressourcen noch nicht ersetzen, und starke Neigungen in ihre Richtung führten zu einem Ungleichgewicht des Gesamtsystems.
Die aktuelle Gaskrise in Europa ist nach Ansicht des Ex-Bundeskanzlers Gerhard Schröder eine Kombination mehrerer Faktoren, zu denen unter anderem ein Rückgang der Erdgaslieferungen aus Norwegen und den USA sowie eine erhöhte Nachfrage in Asien zählen.
Schröder wies darauf hin, dass Europa eine Energiekrise durchlebt, die von Rohstoffmangel und hohen Energiepreisen geprägt ist. Doch viele Politiker, Marktteilnehmer und Medien verstehen oder wollen die Gründe für diese Krise nicht verstehen. Es scheine ihnen genug, Russland für diese Situation verantwortlich zu machen, kritisiert er. Dass sich die EU auf Spotmärkte stütze, trage seiner Meinung nach nicht zur Diversifizierung des Angebots bei. Die globale Transformation der Energiewirtschaft sei eine große Herausforderung. Es sei notwendig, den Dialog, die Zusammenarbeit innerhalb dieses Prozesses, in den Mittelpunkt zu stellen, denn sowohl Export- als auch Importländer von Energieträgern hängen tatsächlich voneinander ab, argumentierte der Vorstandsvorsitzende von Rosneft, Gerhard Schröder, auf dem Forum.
Die Chefs der größten Energiekonzerne der Welt sprachen auf dem Forum darüber, dass die moderne Welt zur Geisel von Öko-Aktivisten geworden sei. Das Streben nach kohlenstoffarmer Energie gehe bereits über die Vernunft hinaus und provoziere neue Krisen. Der größte Aktionär des Glencore-Ölhändlers, Iwan Glasenberg, erinnerte daran, dass heute mehr als 80 Prozent des weltweiten Stroms aus fossilen Quellen und nur sechs Prozent aus erneuerbaren Quellen stammen.
Macron - SNA, 1920, 30.10.2021
„Keine Beweise für Preismanipulationen“: Macron will Russland keine Schuld für Gaskrise geben
Alexej Gromow, Energiedirektor am Institut für Energie und Finanzen, stellte im SNA-Interview fest, dass westliche Unternehmen sich auch unter politischem Druck der grünen Energie zuwenden.
„Man hat den Eindruck, dass die Energiewende in Europa eher ideologisch vollzogen wird. Es fehlt an einer wirtschaftlichen Begründung. Dadurch findet unter dem Banner der Bekämpfung des Klimawandels eine aus Sicht der Energiesicherheit ungerechtfertigte Neuordnung des Marktes statt, die sich negativ auf den Verbraucher auswirkt. Es ist wichtig zu verstehen, dass der Übergang zu kohlenstoffarmer Energie ein langfristiger Prozess und es unmöglich ist, sofort von Kohlenwasserstoffen wegzukommen. Russland wird ihre stabile Versorgung sicherstellen können. Um die Wirtschaft nach der durch die Pandemie verursachten Krise wiederherzustellen, werden Kohlenwasserstoffe benötigt. Erneuerbare Energien sind noch zu schwach, um Kohlenwasserstoffe auf den internationalen Märkten zumindest teilweise zu ersetzen“, gab der russische Energieexperte zu bedenken.
Die Einstellung auf Wind- und Solarenergie ging in diesem Sommer in Europa nicht auf. Die Flüssiggaslieferungen sowie die Produktion gingen zurück. Amerika, von dem man billiges Gas erwartet hat, verkauft es auf der anderen Seite der Welt: Die US-Exporteure schließen langfristige (jahrzehntelange) Verträge mit chinesischen Unternehmen ab – sie zahlen mehr. Bei einem Gesamtverbrauch von 400 Milliarden Kubikmetern Gas pro Jahr entstand in Europa ein Defizit von 72 Milliarden Kubikmetern. Im Auftrag von Präsident Wladimir Putin wird Russland seinen westlichen Partnern helfen. Nach der Speicherfüllung in Russland wird der Gaskonzern Gazprom mit den geplanten Arbeiten zur Erhöhung des Gasvolumens in seinen unterirdischen Speichern in Österreich und Deutschland beginnen.
Von einer Stabilisierung seien die Gaspreise in Europa jedoch noch weit entfernt. Der Höhepunkt der Heizsaison – Ende 2021 und Anfang 2022 – stehe noch bevor, und es werde eine ernsthafte Gasnachfrage in Europa geben, meint Gromow. „Für den europäischen Raum wird ein eher strenger Winter erwartet, der die Gaspreise nach oben drücken wird. Die Bemühungen Russlands, Algeriens erhöhte Lieferungen und selbst die mögliche Einführung von Nord Stream 2 werden wahrscheinlich nicht zu einer Stabilisierung der europäischen Gaspreise führen. Sie dürften über den Werten der letzten Jahre bleiben.“
Gazprom Logo - SNA, 1920, 29.10.2021
Gazprom und Moldau verlängern Gasliefervertrag um fünf Jahre
Eine Stabilisierung ist den Analytikern zufolge erst im zweiten Quartal 2022 zu erwarten. Der Vorstandsvorsitzende von Gazprom, Viktor Subkow, sagte, dass das Unternehmen bereit sei, bis zu 55 Milliarden Kubikmeter Gas über die Gaspipeline Nord Stream 2 an die europäischen Märkte zu liefern.
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