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Lesben klagen in BBC-Bericht über Nötigung zu Sex mit Transfrauen – Protest gegen Sender

© AP Photo / Robin RayneDemo für Transgender-Rechte (Archivbild)
Demo für Transgender-Rechte (Archivbild) - SNA, 1920, 31.10.2021
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Früher in dieser Woche veröffentlichte der britische Sender BBC einen Artikel über mehrere Lesben, die sich zu Beziehungen mit Transfrauen (also geborenen Männern) gezwungen fühlen. Der Beitrag löste breite Empörung aus – mehrere Tausende Menschen unterzeichneten einen offenen Brief, in dem sie der BBC „Transphobie“ vorwarfen.
„Wir werden durch einige Transfrauen zu Sex genötigt“ – so vorsichtig lautet das Zitat, das für die Überschrift des BBC-Artikels genutzt wurde. Darin berichten drei lesbische Frauen, die sich nur von anderen biologischen Frauen sexuell angezogen fühlen, über ihre unangenehmen Erfahrungen mit Transfrauen.
Die Autorin des Artikels, Caroline Lowbridge, begründete ihre Entscheidung, sich mit dem Thema zu befassen, damit, dass sich mehrere Menschen an sie gewandt hätten – mit Klagen über den Druck, „die Idee, dass ein Penis ein weibliches Geschlechtsorgan sein kann, zu akzeptieren“. Sie habe untersuchen wollen, wie verbreitet das Problem tatsächlich sei.

Die persönlichen Geschichten

So beschrieb die 24-jährige Jennie (Name wegen Identitätsschutzes geändert) eine Reaktion auf ihre Entscheidung, keinen Sex mit Transfrauen zu haben:
„Sie sagten, sie würden lieber mich töten als Hitler (…). Sie sagten, wenn sie in einem Raum mit mir und Hitler gewesen wären, hätten sie mich mit einem Gürtel erwürgt. Das war so bizarr gewaltsam, nur weil ich keinen Sex mit Transfrauen habe.“
Die 26-jährige Chloe fühlte sich nach eigenen Angaben so unter Druck, dass sie Geschlechtsverkehr mit einer Transfrau hatte, obwohl sie zuvor mehrmals erklärt hatte, keinen Sex mit ihr haben zu wollen.
Das Erlebnis sei nicht angenehm gewesen, aber Chloe versuchte, sich zu überzeugen, dass Menschen zu Gender und nicht zum biologischen Geschlecht angezogen werden, und schämte sich dafür, bei dieser Überzeugung gescheitert zu sein:
Grünen-Politikerin Tessa Ganserer, erste Trangender-Frau im deutschen Parlament  - SNA, 1920, 27.09.2021
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„Ich fühlte mich sehr schlecht, dass ich jeden Moment hasste, weil die Idee ist, dass wir uns eher zu Gender als zu Geschlecht hingezogen fühlen, und so fühlte ich mich nicht, und mir war schlecht, weil ich mich so fühlte.”
Eine andere Frau, Amy, erzählte, wie ihre bisexuelle Freundin ihr einen Dreier mit einer Transfrau angeboten hatte, die sich keiner genitalangleichenden Operation unterzogen hatte – hatte also noch ihr männliches Glied. Nachdem Amy das Angebot abgelehnt hatte, soll ihre Freundin sie dafür beleidigt und unter anderem als transphobisch missbilligt haben.
So erklärte Amy selbst ihre Entscheidung:
„Ich weiß, dass die Möglichkeit, mich an diese Person angezogen zu fühlen, bei null liegt (…) Ich kann ihre männlichen Stimmbänder hören. Ich kann ihre männliche Kinnlinie sehen. Ich weiß, dass sich unter ihrer Kleidung männliche Genitalien befinden. Das sind physische Realitäten, die man als Frau, die Frauen mag, nicht einfach ignorieren kann.”

Die Analyse

Neben den drei Frauen sprach die BBC mit Angela C. Wild, Gründerin der Aktivistinnengruppe „Get The L Out“, die glauben, dass die Rechte von Lesben in der breiteren LGBT-Bewegung zu oft ignoriert werden.
Angela Wild unterbreitete bei lesbischen Frauen in den sozialen Netzwerken einen Fragebogen, der Licht auf das Ausmaß des Problems sexueller Nötigung von Lesben werfen sollte. Demzufolge gaben 56 Prozent der befragten Frauen an, sich dazu gezwungen zu fühlen, Transfrauen als sexuelle Partner zu akzeptieren.
Wild bekam Zeugnisse von mehreren Frauen, die sich unter Druck gestellt fühlten. Einige schrieben: „Junge Frauen fühlen sich zum Sex mit Transfrauen gezwungen, um zu ‚beweisen, dass ich keine TERF (trans-exklusive radikale Feministin – Anm. d. Red) bin‘“.
Eine weitere beschwerte sich über Beleidigungen in einer Online-Gruppe: „Mir wurde gesagt, dass Homosexualität nicht existiert, und dass ich gegenüber meinen Trans-Schwestern verpflichtet bin, meine ‚genitalen Verwirrungen‘ zu verlernen, damit ich genießen kann, wenn sie in mich eindringen.“
Laut einer Frau soll eine Transfrau ihr damit gedroht haben, sie als „TERF“ zu outen, damit sie von ihrem Job gefeuert wird – sollte sie Sex mit ihr ablehnen.
Die Ergebnisse von Angela Wilds Untersuchung wurden von einigen in der LGBT-Bewegung begrüßt, bei vielen stießen sie aber auch auf Kritik. „Man sagte, wir sind schlimmer als Vergewaltiger, weil wir versuchen, jede Transfrau als Vergewaltigerin darzustellen“, erklärt Wild. Das sei aber nicht ihr Ziel:
„Die Tatsache ist, dass, wenn so was passiert, wir darüber sprechen müssen. Wenn es einer Frau passiert, ist es falsch. Wie es sich herausstellt, passiert es mehr als einer Frau.”
Um einen ausgewogenen Beitrag zu liefern, versuchte dessen Autorin, sich mit Trans-Aktivistinnen in Kontakt zu setzen, die sexuelle Ablehnung von Transfrauen durch Lesben als Diskriminierung empfinden. Keine der angeschriebenen Aktivistinnen habe aber geantwortet. Deswegen illustriert der Artikel diese Seite der Debatte mit Auszügen aus Videos und Twitter-Beiträgen dieser Personen.
Werbung für Kinder (Symbolbild) - SNA, 1920, 05.08.2021
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Im BBC-Artikel wurden auch Stellungnahmen von einigen Transgender-Frauen angeführt, die sich ebenfalls über eine Nötigung von Lesben zu Sex in der Trans-Gemeinde beschweren. Unter anderem wird die Transgender-Youtuberin Rose of Dawn erwähnt, die sagte: „So etwas habe ich in der Realität gesehen, es passierte mit meinen Freunden.“ Sie findet aber, dass die Idee, dass eine Ablehnung von Sex mit Transfrauen eine radikale Randmeinung sei, bei der Mehrheit der Transgender-Frauen keine Unterstützung findet. Aber viele dieser „moderaten“ Transfrauen hätten auch Angst. Über das Problem offen zu sprechen – denn sie befürchten, malträtiert zu werden.

Die Reaktion

In nur zwei Tagen nach der Veröffentlichung des Artikels unterzeichneten über 16.000 Menschen einen offenen Brief an die BBC, der von der Aktivistengruppe „Trans Activism UK“ geschrieben wurde. Unter anderem warfen die Verfasser des Briefes dem Sender vor, trotz der Nutzung des Wortes „einige“ in der Überschrift implizit alle Transgender-Frauen als eine Bedrohung für Cisgender (sich mit ihrem biologischen Geschlecht identifizierende) Lesben darzustellen und für eine Beschränkung ihrer Rechte in Großbritannien zu plädieren.
Der Brief kritisierte auch die Auswahl von Quellen und Studien und beschuldigte den Sender, gegen seine eigenen Richtlinien verstoßen zu haben.
Auf folgende Weise schilderte der Brief die breitere Stellungnahme von Lesben gegenüber dem Thema:
„Die Tatsache, dass die in diesem Artikel zitierten Personen weitgehend nicht anerkennen, dass Transgender-Frauen Frauen sind, indem sie sie als Männer bezeichnen, sollte deutlich machen, dass sie nicht repräsentativ für die breitere Gemeinschaft von Cisgender-Lesben sind.”
Die Autoren unterstrichen, dass bei der Andeutung, Transgender-Frauen seien in der Tat Männer, die BBC gegen den rechtlichen Status dieser Menschen im Land verstößt.
Zahlreiche Menschen griffen auf soziale Netzwerke (hauptsächlich Twitter) zu, um ihre Empörung auszudrücken. Dabei waren viele Frauen, die sich als lesbisch und cisgender bezeichneten und sich zur Unterstützung von Transgender-Frauen bekannten.
„Transfrauen sind meine Schwester und sie sind überall willkommen, wo ich bin, und alle Transpersonen werden immer meine zweifelsfreie Unterstützung haben.“
„Bin eine Cis-Lesbe und habe die Nase voll von Menschen, die üblich keinen Bock auf lesbische Rechte haben (und die ausdrücklich homophob sind), und twittern ‚Ich stehe hinter Lesben‘, weil sie alle Transpersonen als Sexualstraftäter darstellen wollen."
„Ich bin seit fast 50 Jahren lesbisch. Ich kenne Transfrauen, hauptsächlich Lesben, die ganze Zeit. Niemand, der mir bekannt ist, hat jemals jemanden zum Sex ‚gezwungen‘. Diese schmuddelige Fantasie ist identisch mit den heterosexuellen Ängsten der 80er Jahre über Schwule.”
BBC verteidigte den Artikel gegen die Kritik. In einem Statement weist der Sender darauf hin, dass der Beitrag „Aussagen von einer Reihe verschiedener Quellen beinhaltet und einen angemessenen Kontext liefert“.
Es sei wichtig, schrieb die BBC, dass sich Journalismus mit solchen Themen befasst – auch wenn da stark vertretene Stellungnahmen vorhanden seien.
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