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Wo Politik beginnt, dort endet gesunder Menschenverstand – Duma-Abgeordneter zur NS-2-Zertifizierung

© SNA / Pressedienst Duma  / Zur BilddatenbankVorsitzender des Duma-Ausschusses für Energie Pawel Sawalny
Vorsitzender des Duma-Ausschusses für Energie Pawel Sawalny - SNA, 1920, 31.10.2021
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Die Zertifizierung der Pipeline Nord Stream 2 könnte laut dem Vorsitzenden des Duma-Ausschusses für Energie Pawel Sawalny im Dezember oder Januar abgeschlossen werden, falls sie nicht politisiert wird. Sonst könnte sich der Prozess in die Länge ziehen, was die Verbraucher in Europa beeinträchtigen würde.
„Wo die Geopolitik beginnt, dort endet der gesunde Menschenverstand“, meinte er während einer Pressekonferenz in der Nachrichtenagentur „Rossiya segodnya“. „Der auf Deutschland ausgeübte Druck auch von den Ländern außerhalb der EU kann den Prozess der Zertifizierung verlangsamen. Die Inbetriebnahme von Nord Stream 2 würde aber die Lage mit der Gasversorgung Europas wesentlich verbessern.“
Der jähe Preisanstieg des Erdgases sei ein Signal, dass die Politik der Europäischen Kommission einer Korrektur bedürfe, so Sawalny.
„Dabei käme die Inbetriebnahme von Nord Stream 2 mehr als gelegen. Man wird sicher versuchen, die Zertifizierung der Pipeline zu verzögern, indem man sie an die Unterstützung der Ukraine knüpft. Wir sind jedoch bereit, auch nach Ablauf des aktuellen Vertrags unser Gas über die Ukraine zu pumpen, aber die Europäer müssen sagen, welches Gasvolumen sie auf diesem Lieferweg zu beziehen wünschen.“
„Viele Jahre lang ließ die Ukraine nichts unversucht“, fährt der Duma-Abgeordnete fort, „um den Bau der Gasleitung zu stoppen. Sie drängte die USA, Sanktionen zu verhängen, sodass die Europäer inzwischen von ihr die Schnauze voll haben. Aber sie ist sich dessen bewusst, dass die Entscheidung nicht zu ihren Gunsten ausfallen wird, da Nord Stream 2 bereits fertig gebaut ist. Energieunternehmen aus Österreich, Deutschland, Frankreich, Großbritannien und den Niederlanden haben rund zehn Milliarden Dollar in das Projekt investiert, die sich auszahlen müssen.“
Außerdem befindet sich die Lagerstätte, deren Gas über die Pipeline von Urengoi durch die Ukraine fließt und zu deren Personal auch Sawalny noch 1984 gehörte, bereits im Stadium der fallenden Förderung. „Die Naftohas der Ukraine ist davon gut unterrichtet.“ Der Parlamentarier erläuterte, dass es jetzt um das Gas aus der Bowanenkowo-Lagerstätte auf der Jamal-Halbinsel geht. „Es ist ein neues Erdgasfeld, das inzwischen ein Fördervolumen von 15 Milliarden Kubikmeter jährlich erreicht hat. Das Gas aus dieser Fundstätte lässt sich aber nicht über den Korridor von Nischni Nowgorod und weiter über die Ukraine liefern. Man muss nur auf die Karte schauen. Es kann nur über Nord Stream 2 bzw. Nord Stream 1 nach Europa gelangen.“

Russland für Gaskrise verantwortlich?

Ferner gab Sawalny zu bedenken, dass schon am Tag nach dem Abschluss des Zertifizierungsverfahrens Nord Stream 2 Erdgas nach Deutschland transportieren könnte. „Allerdings bedarf es dazu eines Auftrags der Europäer mit Angabe des erforderlichen Volumens und erwünschten Preises. Also liegt alles in ihren Händen in Anbetracht dessen, dass die Hauptmenge des amerikanischen Flüssiggases, die einige Zehnmilliarden Kubikmeter ausmacht, nach China abdriftet.“
Zu den Versuchen, Russland eine Minderlieferung von Gas anzulasten, von der die Dysbalance auf dem europäischen Energiemarkt herrühren sollte, meinte der Duma-Abgeordnete, den Äußerungen der europäischen Staatschefs, darunter Angela Merkels, ließe sich entnehmen, sie würden die wahre Ursache der Gaskrise erkennen und Russland dafür auf keine Weise verantwortlich machen. „Man spürt, dass sie die Lage objektiv eingeschätzt haben und zur Schlussfolgerung gekommen sind, dass der Ausbau von erneuerbaren Energiequellen zwar nötig, aber nicht mehr erstrangig ist. Diese Aufgabe rückt allmählich in den Hintergrund.“
Auf der anderen Seite merke man vorläufig nichts von Versuchen, Russland, um zusätzliche Gaslieferungen anzugehen, bzw. von dem Bestreben, die möglichst baldige Inbetriebnahme von Nord Stream 2 zu fördern, betont Sawalny. „Dies dürfte hinter den Kulissen diskutiert werden, doch in der Öffentlichkeit fehlen zur Zeit solche Erklärungen.“
Die Europäer haben die Voraussetzungen für den jähen Anstieg der Gaspreise selbst geschaffen, meint der Parlamentarier. „Bei ihnen entfallen auf erneuerbare Quellen 30 Prozent der gesamten Energieerzeugung. Kommt es zu Unterbrechungen, da die Sonne nicht immer scheint bzw. der Wind nicht immer weht, entsteht ein Strommangel. Dieser sollte mit Wärmeenergie ausgeglichen werden. Die Kohle wird aber aus dem Gebrauch gezogen. Im kommenden Jahr will Deutschland auch auf die Kernenergie verzichten, die zwölf Prozent der gesamten Energieerzeugung umfasst.“
Vor diesem Hintergrund könne die Kohle einzig durch das Gas ersetzt werden, erklärt der Abgeordnete. „Statt aber Gas in unterirdische Speicher zu pumpen, verbrauchen es die Europäer für die laufende Stromerzeugung. Im Bemühen, die Gas-Abhängigkeit von Russland und generell die KW-Stoffe zugunsten der erneuerbaren Energiequellen zu vermindern, wird in die Speicher nicht genug Gas eingefüllt. Jetzt raten alle, wie der Winter sein wird, kalt oder warm. Man befürchtet, dass er bei niedrigen Gasvorräten doch kalt sein wird. Befürchtungen, dass die Energie knapp wird, hat die Preise in die Höhe getrieben.“

Zusätzliche Gasmengen möglich

Diese menschengemachte Krise könne nur mit Russlands Hilfe bewältigt werden, ist sich Sawalny sicher, „und das auch nur, nachdem es die eigenen Speicher russlandweit mit Gas gefüllt und dadurch sich selbst mit Energie versorgt hat. Wir sind nämlich ein nördliches Land und haben stets kalte Winter. Dennoch wird Russland alle seine Verpflichtungen beim Gasexport erfüllen. Es könnte auch mehr liefern, vorläufig bekommen wir aber von den Europäern keine Aufträge für zusätzliche Gasmengen in der Winterzeit.“
Das Bundeswirtschaftsministerium hat inzwischen die Analyse der Versorgungssicherheit im Zertifizierungsverfahren Nord Stream 2 abgeschlossen und an die Bundesnetzagentur übermittelt, in der es zu dem Ergebnis kommt, dass die Erteilung einer Zertifizierung die Sicherheit der Gasversorgung der Bundesrepublik Deutschland und der Europäischen Union nicht gefährdet. Unterdessen sind die Preise für europäisches Gas von 1041 auf 1008 Dollar je 1000 Kubikmeter gesunken, nachdem Wladimir Putin eine Erhöhung der Gaslieferungen in die BRD und nach Österreich angekündigt hatte, die nach dem 8. November starten soll, wenn Gasprom mit der Auffüllung der russischen Vorräte fertig sein wird.
Experten zufolge wird allein der Umstand, dass Gasprom in unterirdische Speicher Europas Gas pumpt, die Preisturbulenzen am Gasmarkt beseitigen. Übrigens wird der Konzern während der Heizperiode nicht nur für den inneren Markt, sondern auch für die verstärkte Belieferung Europas Gas aus einheimischen Speichern holen, das dann über die Pipeline Nord Stream 2 transportiert wird.
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