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„Volle Auftragsbücher und bereit für Klimawandel“: Ostdeutsche Industrie im Aufschwung

© CC0 / MustangJoe / PixabayIndustrie (Symbolbild)
Industrie (Symbolbild) - SNA, 1920, 26.10.2021
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Der Maschinenbau im Osten befindet sich weiter auf Erholungskurs. „Unsere Unternehmen suchen händeringend nach Fachkräften und neuen Azubis“, erklärt Oliver Köhn, Geschäftsführer für Ostdeutschland beim „Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau“ (VDMA-Ost). Im SNA-Interview warnt er gleichzeitig vor Materialmangel und hohen Energiekosten.
„Insgesamt sind wir tatsächlich zufrieden“, sagte Oliver Köhn im SNA-Interview zur Lage der ostdeutschen Industrie im Maschinenbau. Köhn ist Geschäftsführer beim „Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau“ in Ostdeutschland (VDMA-Ost).
Laut aktueller Konjunktur-Umfrage schätzen 80 Prozent der in der Maschinenbau-Branche tätigen Unternehmen in den neuen Bundesländern „ihre Geschäftslage als gut oder sehr gut ein. Ein Wert, den wir zuletzt 2019 gesehen haben. Darüber freuen wir uns“, ordnete Köhn das Umfragenergebnis ein. Die Auftragsbücher der Firmen sind laut Köhn „voll und gut“ gefüllt. Einer Pressmitteilung des Industrie-Verbands zufolge sind die Unternehmen teilweise bis Ende Februar 2022 mit Aufträgen versorgt.
Der ostdeutsche Maschinen- und Anlagenbau befinde sich weiter auf Erholungskurs, heißt es dort. Zu beobachten seien „gut gefüllte Auftragsbücher und eine grundsätzlich zuversichtliche Stimmung.“

„Unternehmen suchen händeringend nach Fachkräften“

Die abnehmende Zahl der Kurzarbeiter und die Suche vieler Firmen nach neuem Personal, insbesondere nach Fachkräften und Auszubildenden, stimme Köhn optimistisch. Eine vermehrt positive Dynamik auf dem Arbeitsmarkt sei deutlich spürbar. Er schränkt allerdings ein: „Hier hat natürlich ein Stück weit gefehlt, dass die Unternehmen nicht wie sonst um ihren Nachwuchs werben konnten. Messen, öffentliche Formate, Tage der offenen Tür – alles, was es dazu gibt, konnte nicht wie gewohnt (aufgrund der Pandemie – Anm. d. Red.) stattfinden.“ Jedoch sei seine Branche sehr zielstrebig dabei, den Bedarf an Nachwuchs, auch für die Zukunft, zu decken.
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„Zwischen Oktober und März 2022 wollen etwa 53 Prozent der Firmen ihre jetzigen Mitarbeitenden halten und rund 38 Prozent der Unternehmen neue Mitarbeitende einstellen“, so die bereits zitierte Pressemitteilung. Ein Problem sei jedoch „ein Mangel an qualifizierten und reisebereiten Fachkräften.“

„USA und China bleiben wichtigste Märkte“

Ebenso zufrieden sei der Verband in Hinblick auf die sogenannte Kapazitätsauslastung der produzierenden Unternehmen. „Die fast 87 Prozent, die wir dort verzeichnen, liegen exakt auf dem langjährigen Durchschnittswert, den wir bundesweit zu verzeichnen haben“, lobte der Verbandssprecher den gegenwärtigen Stand im Interview.
Weiterhin sind laut ihm China und die USA die wichtigsten Export-Märkte für die ostdeutschen Maschinenbauer. „Die USA öffnen jetzt ab November endlich wieder für Geschäftsreisen ihre Grenzen“, berichtete er. Jedoch sei der chinesische Markt nach wie vor aufgrund der Quarantäne-Regelungen problematisch. „Unsere Unternehmen haben sich natürlich ein Stück weit darauf eingestellt und versucht, über Video-Konferenzen dies auszugleichen. Aber das persönliche Gespräch, speziell im Vertrieb und bei der Akquise von neuen Aufträgen, ist durch nichts zu ersetzen. Insofern hoffen wir, dass uns die Pandemie dort nicht noch mal wieder die Laune verdirbt, sondern dass die Grenzen offenbleiben.“

Material-Mangel und Corona „weiter Herausforderungen“

Allerdings würden nach wie vor Hemmnisse und Herausforderungen bestehen, „mit denen wir uns im Moment beschäftigen müssen. Und die Corona-Krise gehört da eben auch noch mit dazu“, mahnte Köhn. Die Industrie in Deutschland insgesamt sei „eben noch nicht am Ende der Pandemie angekommen, sondern Corona ist nach wie vor ein Thema.“ Im gleichen Atemzug nannte er drohenden oder bereits existierenden Material-Mangel, vor allem bei Stahl, Aluminium und Magnesium. Verzögerte und unkalkulierbare Lieferzeiten für Material und Rohstoffe kämen als Probleme hinzu.
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„Nicht nur, dass die Dinge knapp sind, sie sind auch sehr teuer“, sagte er. Der Verbandssprecher beklagte Preisanstiege bei diesen Materialien und anderen Produkten insgesamt. Auch im Bereich der Energie und Elektronik-Bauteile gebe es diese Problematik. „Halbleiter sind nach wie vor Mangelware. Nicht nur die Automobilhersteller beklagen dort den Mangel und haben sogar schon ihre Produktion heruntergefahren oder sogar ausgesetzt – sondern auch die Maschinenbauer haben damit erhebliche Probleme. Wenn kein Material da ist, kann auch nicht produziert werden, sodass hier möglicherweise die Unternehmen ihre eigenen Kapazitäten runterfahren müssen. Schlichtweg, weil das Material fehlt“, so Köhn.
Die in letzter Zeit stark gestiegenen Preise und Kosten bei Energie – etwa Strom, Öl oder Gas – seien „eine besondere Belastung für die mittelständische Industrie in Ostdeutschland“, betonte Köhn. „Eine anziehende Konjunktur – über die wir uns ja alle freuen – führt natürlich immer auch zu steigenden Preisen. Das hat es auch in anderen Phasen nach Krisen gegeben.“ Er erinnerte an die Krisenjahre 2009 und 2010 mit einer ähnlichen Verknappung an Materialien und Rohstoffen.

Was sich ostdeutsche Industrie von neuer Bundesregierung erhofft

Hinzu käme heutzutage, „dass das Ganze von Corona auf der einen Seite überlagert wird und dann natürlich, dass insgesamt das Thema Klima eine ganz andere Rolle heute spielt als vor zehn Jahren.“ Insbesondere die Bepreisung von CO₂-Emissionen hätte hierbei einen Effekt auf den Energiepreis, der so immer mehr nach oben gehe. Insofern sei beispielsweise eine Senkung der EEG-Umlage „ein erster Schritt, den auch die Politik gehen kann, um den Unternehmen und letztendlich allen Verbrauchern dort entgegenzukommen und den Preisanstieg etwas abzufedern“, schlug VDMA-Ost-Chef Köhn vor.
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Angesprochen auf die mögliche neue Bundesregierung aus SPD, Grünen und FDP wiederholte er die Wünsche seines Industrie-Verbands mit Blick auf einen zukünftigen Koalitionsvertrag:

„Wir wünschen uns vor allem, dass der industrielle Mittelstand dort vorkommt. Dass die Unternehmen verlässliche Rahmenbedingungen vorfinden, eine gute Infrastruktur und wir auch weiterhin Technologie-offen agieren und uns nicht einseitig auf bestimmte Technologien festlegen. Bei der Klimapolitik sehen wir uns als Maschinenbauer auch in einer Vorreiterrolle. Wir sind nämlich der – wie man so schön sagt – der ‚Enabler‘, der Ermöglicher von technologischen Lösungen für ganz viele Herausforderungen, die mit dem Klimawandel zu tun haben.“

In dieser Hinsicht sieht Köhn den ostdeutschen Maschinen- und Anlagenbau gut gerüstet für die Zukunft. Darüber hinaus sei es „kein Geheimnis“, dass die Unternehmen der Branche Steuererleichterungen begrüßen würden.
Der Wirtschaftsverband unterstützt laut eigener Aussage 350 Mitglieds-Unternehmen, Werke und Niederlassungen in Berlin, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt sowie Thüringen in allen Fragen rund um den Maschinen- und Anlagenbau. Außerdem vertritt der „Landesverband Ost“ auf regionaler Ebene die Interessen seiner Unternehmen gegenüber Politik und Wissenschaft, heißt es auf der Website.
Das Radio-Interview mit Oliver Köhn (VDMA-Ost) zum Nachhören:
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