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Zuckerbrot und Peitsche in Klimapolitik: massive Verluste für Deutschland bei Nichthandeln – Studie

© AP Photo / Czarek SokolowskiCO2-Emissionen (Symbolbild)
CO2-Emissionen (Symbolbild) - SNA, 1920, 26.10.2021
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Laut einer neuen Studie der Beratungsfirma Deloitte kann Deutschland bis 2070 mit einem wesentlichen Wirtschaftswachstum rechnen, wenn es frühzeitig seine Wirtschaft in Richtung Klimaneutralität transformiert. Andernfalls könnte es aber zu massiveren Verlusten kommen.
Die Deloitte-Forscher haben in ihrer Studie zwei Zukunftsszenarien vorgelegt. Im ersten gehen sie davon aus, dass Deutschland und andere Länder ihre Emissionen im Vergleich zum aktuellen Niveau nicht signifikant reduzieren. In diesem Falle würden die Emissionen bis 2070 zu einer globalen durchschnittlichen Erwärmung von mehr als drei Grad führen.
Im zweiten Szenario verringern die Länder global ihre jeweiligen Emissionen, um das 1,5-Grad-Ziel zu erreichen. Die Forscher prognostizieren, dass in diesem Falle Klimaneutralität in ganz Europa zum Jahr 2050 und das 1,5-Grad-Ziel zum Jahr 2070 erreicht wird.

Szenario 1: Wirtschaftsverluste in Höhe von insgesamt 730 Milliarden Euro bis 2070

„Wenn keine entschiedenen Gegenmaßnahmen eingeleitet werden“, schreiben die Forscher, „wären die Kosten des Klimawandels beträchtlich“. In einerZukunft, in der keine Klimaneutralität angestrebt wird, könnte nicht nur die deutsche Wirtschaft, sondern auch das Sozial- und Gesundheitswesen stark vom Klimawandel betroffen werden.
Extreme Hitze könnte Hitzestress verursachen und dadurch die Gesundheit sowie die Arbeitsproduktivität belasten. Durch den Anstieg des Meeresspiegels könnte sowohl landwirtschaftliches als auch städtisches Land verloren gehen.
Bis 2070 würden nach Einschätzungen der Forscher Deutschlands Wirtschaftsverluste 730 Milliarden Euro betragen. Dies ist etwasweniger als das heutige Bruttosozialprodukt von Nordrhein-Westfalen.
Allein im Jahr 2070 würde Deutschland 1,2 Prozent des BIP verlieren – etwa 70 Milliarden Euro. Die Verluste würden mit der Zeit steigen, im Durchschnitt würden sie 0,6 Prozent des BIP pro Jahr betragen.
Der Klimawandel würde auch Konsequenzen für den Arbeitsmarkt haben, denn das Jobangebot würde sinken. Am stärksten würden laut den Forschern die Branchen betroffen, die 89 Prozent der aktuellen Produktion des Landes ausmachen – darunter Dienstleistungen, verarbeitende Industrie, Einzelhandel und Tourismus sowie Verkehr und Bauwesen.
Im Jahre 2070 hätte Deutschland 470.000 Arbeitsplätze weniger als in einer hypothetischen Welt ohne Klimawandel, so die Forscher.
Kohlekraftwerk im Ruhrgebiet  - SNA
Klima in Deutschland: Erwärmung

Die mittlere Temperatur in Deutschland ist seit 1881, dem Beginn der systematischen Wetteraufzeichnungen, gestiegen. Das vergangene Jahrzehnt war rund 1,9 Grad Celsius wärmer als die ersten Jahrzehnte der Beobachtungen, folgt aus dem 2020 veröffentlichten Bericht des Deutschen Wetterdienstes „Was wir heute über das Extremwetter in Deutschland wissen“. Damit stiegen die Temperaturen hierzulande deutlich stärker als im weltweiten Durchschnitt. Neun der zehn wärmsten Jahre traten in den letzten 20 Jahren auf. Drei Jahre waren sogar mehr als 2,5 Grad wärmer als die Werte zwischen 1881 und 1910.

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Szenario 2: Wirtschaftswachstum um 140 Milliarden Euro bis 2070

„Makroökonomische Szenarien zeigen, dass Länder, die frühzeitig und schnell ihre Wirtschaft in Richtung Klimaneutralität transformieren, mit einer höheren Wettbewerbsfähigkeit in einer emissionsarmen Welt belohnt werden“, so die Deloitte-Forscher. Mit einem Beitrag zu den globalen Bemühungen um das 1,5 Grad-Ziel investiere Deutschland in seine Zukunft selbst. Eine solche Investition bringe eine bedeutende wirtschaftliche Dividende, so die Forscher weiter.
Nach kurzfristigen Verlusten würde Deutschland mittel- und langfristig erheblich von der Klimapolitik profitieren. Nach Einschätzungen von Deloitte wäre das deutsche BIP zum Jahr 2070 um 2,5 Prozent größer und damit um 140 Milliarden Euro höher als in dem Szenario des Nichthandelns. Nach 2070 würde dieser Vorteil mit jedem Jahr weiter wachsen.
Man rechnet auch mit einem Zuwachs an Arbeitsplätzen – 830.000 mehr im Jahr 2070, vor allem im Dienstleistungsbereich und bei den grünen Energien.
Proteste vor der Weltklimakonferenz COP26 - SNA, 1920, 24.10.2021
„Konflikte und Chaos“: UN-Klimachefin warnt vor Scheitern der Weltklimakonferenz in Glasgow

Bereits viele Probleme wegen Klimawandels

Die Auswirkungen des Klimawandels auf Deutschland belasten bereits heute Wirtschaft und Gesellschaft. In den letzten Jahrzehnten sind die Sommer wärmer geworden und die Zahl der Tage mit Temperaturen über 30 Grad ist von drei auf acht pro Jahr gestiegen. Darüber hinaus erlebte Europa 2019 schwere Hitzewellen, wobei Deutschland einen Temperaturanstieg auf über 40 Grad verzeichnete.
Dies hatte sich nicht nur auf die Gesundheit negativ ausgewirkt, da die Bevölkerung normalerweise nicht auf so hohe Temperaturen vorbereitet ist, sondern auch aufdie Produktivität, da die deutsche Regierung die Arbeitgeber aufforderte, den Arbeitnehmern aufgrund der anhaltenden Hitze einen freien Tag zu gewähren.
Noch vor kurzem erlebte Deutschland in weiten Teilen des Landes außerdem tödliche Überschwemmungen. Sie haben zu schweren Zerstörungen geführt.
Hitze (Symbolbild) - SNA
Klima in Deutschland: Rekordtemperaturen

Seit den 1950er Jahren hat sich die Anzahl der heißen Tage mit maximalen Temperaturen von 30 Grad und mehr von etwa drei Tagen pro Jahr verdreifacht. So erreichten in Hamburg im Sommer 2020 acht Tage in Folge maximale Werte von über 30 Grad. Damit war das die längste Folge ununterbrochen heißer Tage seit 1891, behauptet der Deutsche Wetterdienst. Die mittlere Anzahl der Frosttage mit einem Tagesmaximum der Lufttemperatur von weniger als 0 Grad Celsius ist dagegen von 28 Tagen auf 19 Tage gesunken. Im Winter 2019/2020 gab es in Hamburg erstmals seit 1891 keinen Frosttag.

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Man müsse sich nicht ausruhen

Europa setzt sich aktiv für die Bekämpfung des Klimawandels ein. Deutschland steht an der Spitze dieses Engagements, schreiben die Deloitte-Forscher: Die Bundesregierung hat sich im Mai verpflichtet, die Treibhausgasemissionen bis zum Jahr 2045 auf „Net Zero“ zu reduzieren. „Diese ambitionierten Schritte müssen koordiniert und umfassend umgesetzt werden“, so die Wissenschaftler.
2020 hatte Deutschland seine Klimaziele erreicht, indem es die Emissionen um 40,8 Prozent unter das Niveau von 1990 gesenkt hatte. Doch dies sei insbesondere auf die Pandemie-Folgen zurückzuführen. „Ohne die Folgen der Corona-Krise wäre das Klimaziel 2020 insgesamt vermutlich knapp verfehlt worden“, sagteDirk Messner, Präsident des Umweltbundesamtes. Die positive Klimabilanz des letzten Jahres sei kein Grund, sich auszuruhen, erklärte im März die Bundesumweltministerin Svenja Schulze.
Industrie (Symbolbild) - SNA, 1920, 26.10.2021
„Volle Auftragsbücher und bereit für Klimawandel“: Ostdeutsche Industrie im Aufschwung
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