Registrierung erfolgreich abgeschlossen!
Klicken Sie bitte den Link aus der E-Mail, die an geschickt wurde

Erfurt: Mann tritt in Straßenahn auf jungen Syrer ein – mehrjährige Haftstrafe

© CC0 / succo / PixabayAuktion (Symbolbild)
Auktion (Symbolbild) - SNA, 1920, 26.10.2021
Abonnieren
Mehr als sechs Monate nach dem rassistischen Angriff auf einen 17-jährigen Syrer in einer Erfurter Straßenbahn ist der Angeklagte wegen gefährlicher Körperverletzung, Nötigung und Sachbeschädigung zu vier Jahren und neun Monaten Haft verurteilt worden. Außerdem muss er an den Nebenkläger 5000 Euro zahlen.
„Sie haben Pech gehabt, dass es eine junge Frau mit Zivilcourage gab“, sagte der Vorsitzende Richter am Dienstag im Landgericht Erfurt zu dem Mann. Ein Video, das über soziale Netzwerke bundesweit Aufsehen erregte, habe im Laufe des Prozesses eindeutig gezeigt, dass der Angriff von besonderer Intensität und rassistisch motiviert gewesen sei.

Er schlug und trat sein Opfer mehrfach ins Gesicht

Der Mann hatte laut Anklage im April in einer Straßenbahn sein Opfer wiederholt ins Gesicht geschlagen und getreten sowie ihn „auf das Übelste“ rassistisch beleidigt. Dass der junge Mann keine schwereren Verletzungen als ein Schädel-Hirn-Trauma und Prellungen erlitten habe, sei pures Glück gewesen – für beide. Das Ausmaß der psychischen Folgen sei aber immens.
Außerdem soll der Angeklagte das Handy des 17-Jährigen zerstört und den Straßenbahnfahrer zur Weiterfahrt genötigt haben. Der vielfach wegen Eigentumsdelikten vorbestrafte Beschuldigte wurde drei Tage nach der Tat festgenommen.
Polizeibeamte bewachen eine Synagoge während einer Demonstration anlässlich der Nakba und zur Unterstützung der Palästinenser in Frankfurt am 15. Mai 2021.  - SNA, 1920, 24.05.2021
Abschiebungen wegen Judenhass? Fälle in Europa
Zum Zeitpunkt der Tat war der 41 Jahre alte Deutsche unter laufender Bewährung und hat unter Führungsaufsicht gestanden. Seit Donnerstag stand er unter anderem wegen gefährlicher Körperverletzung und Beleidigung des 17-jährigen Syrers vor Gericht. Die Staatsanwaltschaft hatte eine höhere Haftstrafe für den Angeklagten gefordert, die Verteidigung eine deutlich geringere Strafe.
Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Die Staatsanwaltschaft zeigte sich zufrieden mit dem Schuldspruch. Der Verteidiger kündigte kurz nach der Urteilsverkündung an, Revision einlegen zu wollen.
Bei dem Angriff im April handelt es sich keineswegs um einen Einzelfall. Immer wieder kommt es in Thüringen zu rassistischen Übergriffen. „Es ist eine Tat, von der ich mir wünsche, dass sie nur einmal passiert ist – das erste und das letzte Mal“, sagte der Vorsitzende Richter abschließend. Es dürfe nicht sein, dass Menschen sich nicht ohne Bedenken in eine Straßenbahn setzen können.
Fremdenfeindlichkeit und Rassismus in Deutschland 2020

Im Jahr 2020 wurden in Deutschland insgesamt 10.240 Hasskriminalitätsdelikte* registriert, geht aus den Angaben des Bundeskriminalamtes hervor. Das sind gegenüber dem Vorjahr (8585) um 19,3 Prozent mehr. Die meisten davon waren fremdenfeindliche Delikte (9420). Ausländerfeindlich waren 5298 Fälle. Als rassistisch wurden 2899 Straftaten erfasst. 578 Delikte waren gegen die sexuelle Orientierung gerichtet und 204 Fälle waren mit dem Geschlecht beziehungsweise der sexuellen Identität der Betroffenen verbunden. *Pro Straftat können mehrere Themenfelder vergeben werden.

ExpandierenMinimieren
Newsticker
0
Um an der Diskussion teilzunehmen,
loggen Sie sich ein oder registrieren Sie sich
loader
Chats
Заголовок открываемого материала