Registrierung erfolgreich abgeschlossen!
Klicken Sie bitte den Link aus der E-Mail, die an geschickt wurde

„Kopf von Reichelt reicht nicht“ – Verein zu Gleichstellung und Berichterstattung über Frauen

Bild-Chef Julian Reichelt (Archivbild) - SNA, 1920, 25.10.2021
Abonnieren
Im Zuge der Debatte um den Ex-Chefredakteur der „Bild“, Julian Reichelt, seine Verhältnisse mit Untergebenen und den damit verbundenen Machtmissbrauch hat sich auch der Verein Gender Equality Media zu Wort gemeldet. Der Kopf von Reichelt reiche nicht, so der Verein in einem Offenen Brief an diverse Redaktionen.
„Männer schützen Männer – immer wieder! Das alles ist viel größer, dahinter steckt ein System. Sexismus in den Redaktionen und Berichterstattung fängt bei Lokalzeitungen an und hört bei der ‚Bild‘ auf. Das muss sich ändern“, so die Verfasserinnen.
In ihren Redaktionsrichtlinien würden sich fast alle deutschen Redaktionen zwar zur Förderung der Diversität und dem Abbau von Diskriminierung und Sexismus bekennen, doch die Realität sehe anders aus. In seiner jahrelangen Arbeit mit wöchentlichen Medienscreenings und Gesprächen mit Journalistinnen und Journalisten habe der Verein festgestellt, dass bestehende strukturell-patriarchale Probleme nicht benannt und eingeordnet werden würden. Obwohl jeden dritten Tag eine Frau in Deutschland von ihrem (Ex-) Partner getötet werde und alle 45 Minuten eine Frau Opfer von versuchter oder vollendeter gefährlicher Körperverletzung durch den Partner werde, fehle diese Einordnung in der Berichterstattung über Gewaltverbrechen gegen Frauen. Wenn über Feminizide berichtet werde, dass zu 93 Prozent in einer verharmlosenden Weise, behauptet der Verein mit Verweis auf seine Medienscreenings.
Bild-Zeitung (Archivbild) - SNA, 1920, 20.10.2021
Springer-Chef Döpfner: Kultur bei „Bild“ schneller verändern
Zudem bilde die Zusammensetzung der Führungsebene der Redaktionen nicht die Gesellschaft in all ihren Facetten ab. So habe zwar ein Viertel der Einwohner Deutschlands Migrationserfahrung, 94 Prozent der in einer Studie der Neuen Deutschen Medienmacher 2020 befragten Chefredakteure der reichweitestärksten Medien seien jedoch Deutsche ohne Migrationserfahrung.
Als dritten Kernpunkt benennen die Autorinnen des Offenen Briefes, dass die Themensetzung in der Berichterstattung an die wirtschaftlichen Interessen der Verlage gebunden sei. Auch wenn der journalistische Beruf und das Produkt, die Nachricht, der Neutralität verpflichtet sind, so ist niemand frei von den materiellen Bedingungen, denen wir in unserer kapitalistischen Gesellschaft unterworfen sind“, heißt es. Diese Verknüpfung könne nicht einfach gelöst werden, eine transparente Kommunikation des jeweiligen wirtschaftlichen Machtgefüges hinter der Redaktion könne aber eine politische Diskussion ermöglichen, die die Neutralität stärken könne.
Newsticker
0
Neueste obenÄlteste oben
loader
Live
Заголовок открываемого материала
Um an der Diskussion teilzunehmen,
loggen Sie sich ein oder registrieren Sie sich
loader
Chats
Заголовок открываемого материала