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Drohschreiben und fragwürdige Entschuldigungen – Wie Springer mit der Causa Reichelt umgeht

Axel Springer (Archivbild) - SNA, 1920, 25.10.2021
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Laut einem Bericht des Nachrichtenmagazins „Spiegel“ soll die Springer-Rechtsabteilung Drohschreiben verschickt haben, um die Publikationen der „New York Times“ und der Recherchegruppe des Ippen-Verlags über die Hintergründe des Compliance-Verfahrens gegen den nun entlassenen „Bild“-Chefredakteur Julian Reichelt zu verhindern.
Auf Nachfrage des Portals „Meedia“ bestätigte Springer das Versenden entsprechender Schreiben.
Interessant ist, wie Springer die Androhung rechtlicher Schritte rechtfertigte:
„Wir wollen und müssen die Integrität des Compliance-Verfahrens und die Rechte aller daran beteiligten Personen schützen, schon aufgrund unserer Fürsorgepflicht als Arbeitgeber. Die Protokolle berühren naturgemäß auch die Persönlichkeitsrechte weiterer Dritter. Die Absicherung der vereinbarten Vertraulichkeit dient also gerade der – auch zukünftigen – Ermöglichung unbefangener und gegebenenfalls auch vertraulicher Mitteilungen über eventuelle unternehmensinterne Missstände, die es zu beheben gilt. Den Bruch dieser Vertraulichkeit mit rechtlichen Mitteln nachzuverfolgen richtet sich also nicht gegen Whistleblower, gegen deren Aussagen oder gegen deren Bereitschaft, problematische Vorgänge offen anzusprechen, sondern soll gerade sicherstellen, dass dies auch in Zukunft erfolgen kann.“
Bild-Chef Julian Reichelt (Archivbild) - SNA, 1920, 25.10.2021
„Kopf von Reichelt reicht nicht“ – Verein zu Gleichstellung und Berichterstattung über Frauen
Will heißen, indem Springer versuchte, die betreffenden Nachrichten unter dem Deckel zu halten, hat der Konzern nur seine Mitarbeiter geschützt? Es scheint, als seien Mitarbeiter wie Reichelt gemeint gewesen, nicht aber die betroffenen Frauen. An diese hat sich immerhin Springer-CEO Mathias Döpfner in einer Video-Botschaft gewandt. Darin heißt es laut „Medieninsider“ unter anderem:
„Ich bedauere zutiefst, was ihr alle erleben müsst – zuallererst und in besonderer Form die direkt Betroffenen des Fehlverhaltens ihres ehemaligen Chefredakteurs. Das sind die Hauptbetroffenen. Aber es geht mir auch um die vielen indirekt Betroffenen, alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Bild, die eigentlich nur für diese wunderbare Marke ihr Bestes geben wollen und die seit Monaten Unsicherheit und Angst, Angriffe und Beschuldigungen erleben. Ja, es ist völlig klar: Aus heutiger Sicht mit all dem, was wir heute wissen und was heute zweifelsfrei feststeht, hätten wir uns schon vor einem halben Jahr von Julian Reichelt trennen müssen. Er hat uns belogen und wir haben uns belügen lassen.“
Dass er selbst eben jenen Julian Reichelt in einer SMS als letzten und einzigen Journalisten in Deutschland bezeichnet hatte, der noch mutig gegen den „neuen DDR-Obrigkeitsstaat“ kämpfe, während fast alle anderen zu „Propaganda-Assistenten“ geworden seien, rechtfertigt Döpfner damit, dass er emotional sei und im privaten Dialog gern Dinge zuspitze, „um einfach lustvoll zu provozieren“.
„Wer mich kennt, weiß, dass beide Auffassungen natürlich nicht meine sind. Im Gegenteil. Ich liebe und bewundere den Beruf des Journalisten wie wenig Anderes. Und ich kämpfe täglich dafür, dass Journalismus weiterhin in unserer Gesellschaft eine große Rolle spielt. Ich bin jeden Tag froh, in so einem kraftvollen Rechtsstaat zu leben.“
Es tue ihm leid, wenn sich Kollegen durch seine Äußerungen kritisiert fühlten, so Döpfner, der nach Bekanntwerden der SMS-Nachricht viel Kritik einstecken musste, auch von Verlagen im Bundesverband Digitalpublisher und Zeitungsverleger (BDZV), dessen Präsident er ist. Döpfner schrieb dazu: „Ich nehme diese Kritik sehr ernst. Ich bin dankbar für die Offenheit, die mir eine Orientierung und bessere Einschätzung ermöglicht. Wenn der Ruf der Branche, des BDZV und insbesondere des Präsidentenamts in dieser Woche hierdurch Schaden genommen haben, bedauere ich dies persönlich zutiefst.“
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