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„Pragmatismus wird im Endeffekt die Oberhand gewinnen“ – Russlands Botschafter zu Nord Stream 2

© REUTERS / Hannibal HanschkeEin Straßenschild von Nord Stream 2 (Archivbild)
Ein Straßenschild von Nord Stream 2 (Archivbild) - SNA, 1920, 20.10.2021
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Der russische Botschafter in Deutschland, Sergej Netschajew, rechnet damit, dass die kommende Bundesregierung an der Erdgas-Fernleitung Nord Stream 2 festhalten wird, auch wenn es derzeit viel Kritik daran von den Grünen gibt.
Nord Stream 2 sei ein Projekt mehrerer europäischer Länder, betonte Netschajew am Mittwoch gegenüber der „Berliner Zeitung“. Dieses sei „ein gutes Geschäft für alle Beteiligten“, das die Energiesicherheit in Europa garantiere und den „Interessen der deutschen Wirtschaft und der Bevölkerung“ entspreche. „Unsere deutschen Partner bestätigen, dass Russland stets zuverlässig, entsprechend den erzielten Vereinbarungen gehandelt hat“, so Netschajew.
„Alle Spekulationen, etwa die, dass wir unsere Gaslieferungen als Waffe einsetzen würden, sind Unsinn. Wir haben in mehr als 50 Jahren der Kooperation nie so gehandelt und werden so was auch nicht tun.“
Club (Symbolbild) - SNA, 1920, 20.10.2021
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Russland die Schuld für den Preisanstieg auf dem europäischen Energiemarkt zuzuschieben, sei „schlicht Unsinn“, findet der Botschafter. Eine größere Nachfrage nach Erdgas sei dadurch entstanden, dass die Weltwirtschaft nach der Pandemie nun wieder wachse. Das Flüssiggas (LNG) sei aber durch die USA und andere Lieferantenstaaten wegen höherer Preise aus der EU nach Südostasien umgeleitet worden. Russland habe hingegen „deutlich mehr Gas nach Europa geliefert als im vergangenen Jahr“, betonte Netschajew.
„Da will jemand offenbar eigene Fehler verschleiern“, stellte der Diplomat fest.
Er betonte zudem, Erdgas sei eine langfristige und sichere Energiequelle für die Energiewende. „Die erneuerbaren Energiequellen sind momentan noch nicht imstande, notwendige Mengen an Strom und Energie zu produzieren, um den bestehenden Bedarf zu decken“, erklärte Netschajew. Die Pipeline Nord Stream 2 könne diese Lücke schließen und entspreche dabei allen ökologischen Normen und Forderungen.
„Der CO₂-,Fußabdruck’ des russischen Erdgases ist dreimal so niedrig wie der des Flüssiggases aus den USA“, so der Botschafter.
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Von einer neuen Ampel-Koalition, die im Bund wahrscheinlich regieren wird, erwartet der Diplomat einen „verantwortungsvollen Dialog“ ohne „überschüssige Politisierung“. Er wies darauf hin, dass während der rot-grünen Koalition unter Kanzler Schröder und Außenminister Fischer Moskau gute Kontakte mit den Grünen pflegte. Auch bei der FDP hätte Russland gute Zusammenarbeit mit den Außenministern Genscher, Kinkel und Westerwelle geleistet.
„Vergessen Sie nicht: Nord Stream 1 wurde unter der rot-grünen Regierung gestartet. Ich bin mir ziemlich sicher: Pragmatismus und die wahren Interessen Deutschlands werden im Endeffekt die Oberhand gewinnen“, sagte Netschajew im Gespräch mit der „Berliner Zeitung“.

Kritik der Grünen

Die Grünen-Chefin Annalena Baerbock warf Russland am Mittwoch vor, die Gaslieferungen „gehörig nach unten“ gefahren zu haben. Mit seinem „Pokerspiel“ wolle Moskau eine schnelle Inbetriebnahme von Nord Stream 2 erzwingen, so Baerbock.
Im Gespräch mit den Zeitungen der Funke Mediengruppe räumte sie zwar ein, Russland liefere vertragsgemäß Gas nach Europa, machte den Kreml aber zugleich dafür verantwortlich, dass die europäischen Gasspeicher vergleichsweise leer seien. „Das dürfte von russischer Seite aus bewusst so herbeigeführt worden sein“, findet die Grünen-Chefin.
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Am Sonntag hatte der CDU-Wirtschaftsminister Peter Altmaier dagegen mit Blick auf die gestiegenen Gaspreise betont, es gebe eine hohe Versorgungssicherheit in Deutschland. Die Gasspeicher seien zu etwa 75 Prozent gefüllt. Es gebe bei Gasimporten keine einseitige Abhängigkeit von Russland, unterstrich Altmaier und verwies auf höhere Lieferungen aus Norwegen und Großbritannien.
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