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Reichelts Nachfolger: Wird „Bild“ unter Johannes Boie noch stärker von den USA geprägt?

© AFP 2021 / JOHANNES EISELEBild-Logo
Bild-Logo - SNA, 1920, 19.10.2021
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Julian Reichelt ist nun als Chef der „Bild“-Zeitung raus. Was ist über seinen Nachfolger, Johannes Boie, bekannt? Ein tieferer Blick in seine Biografie lässt ahnen, dass Deutschlands größte Boulevardzeitung unter Boie noch stärker von staatlichen und privaten US-Interessen geprägt werden könnte.
Vor allem ist die Frage spannend, warum ausgerechnet die US-Zeitung „New York Times“, die so viele deutsche Qualitätsjournalisten verehren, über Reichelts „Bild“-Leben recherchiert und berichtet hat, während die deutsche Mediengruppe Ippen ihren geplanten Bericht zurückgezogen hatte. Nach eigenen Angaben, um den Eindruck zu vermeiden, einem Wettbewerber wirtschaftlich schaden zu wollen.
Ein Blick in die wirtschaftlichen Angelegenheiten des Springer-Konzerns könnte etwas mehr Licht darauf werfen. 2019 sind rund 40 Prozent der Anteile des Springer-Konzerns in den Besitz der US-amerikanischen Beteiligungsgesellschaft KKR (Kohlberg Kravis Roberts & Co.) übergangen – aktuell ist es eine Mehrheit von rund 36 Prozent –, so dass der Konzern sich auf dem US-Markt als Konkurrent auch für die „New York Times“ etablieren will. Schon 2015 hatte Springer für über 300 Millionen Euro 88 Prozent des US-Portals Business Insider übernommen. Im August 2021 kaufte Springer noch die US-Zeitung „Politico“. Also könnten die Bosse der „New York Times“ durchaus Interesse daran haben, dem Wettbewerber auch wirtschaftlich zu schaden.
Auf der anderen Seite erlebt der frisch gestartete Fernsehsender „Bild TV“ unter Reichelt trotz massiver Werbung bisher eine Quoten-Katastrophe. Laut dem Fachportal Medieninsider haben seit dem Start des Senders am 22. August durchschnittlich 733.000 Zuschauer am Tag eingeschaltet, was jedoch nur einen Marktanteil von 0,1 Prozent ergibt.

Als Autor der „Süddeutschen“ einmal angeklagt

Um bessere Zahlen soll sich nun ein neuer Mann an der Spitze kümmern – Johannes Boie, der nun ehemalige Chefredakteur der „Welt am Sonntag“ und damit auch stellvertretender Chefredakteur der „Welt“-Gruppe. Seit 2015 schrieb er unter anderem für die „Süddeutsche Zeitung“ und sorgte mit einem vermeintlichen Enthüllungsbericht für besonderes Aufsehen. Unter dem Titel „Arzt ohne Grenzen“ habe der Autor Johannes Boie versucht, geht aus einer Pressemitteilung des Klägers hervor, den Kinderarzt und Direktor der Kinderklinik im Dr. von Haunerschen Kinderspital, Prof. Dr. Christoph Klein, als Wissenschaftler ohne Mitgefühl für seine Patienten darzustellen.
Zentrale des deutschen Medienriesen Axel Springer in Berlin - SNA, 1920, 18.10.2021
„Bild“-Chefredakteur Julian Reichelt ist seinen Posten bei Springer los
„Dies versuchte Boie, indem er, journalistisch unredlich, mit Andeutungen, Verkürzungen, Unterstellungen, tendenziösem Verdacht und anonymen Aussagen arbeitete. So wichtig schien der Redaktion des SZ-Magazins die Story, dass sie diese sogar an Zeitungskästen in ganz München werbewirksam plakatieren ließ“, beklagte weiter ein Sprecher von Christoph Klein. Das Landgericht Hamburg erklärte darauf den Bericht von Boie in mehreren Punkten für rechtswidrig und unterlassungspflichtig.

Schneller Aufstieg

Nach seiner Arbeit bei der „Süddeutschen“, wo Boie ebenfalls das Paid-Content-Angebot entwickelte, absolvierte der inzwischen 37-jährige Boie auch eine Arthur F. Burns Fellowship – ein Deutsch-Amerikanisches Journalistenstipendium, dessen Organisationspartner in den USA das gemeinnützige International Center for Journalists in Washington ist. Das Programm wurde 1988 gegründet, um das Verständnis deutscher Journalisten von den USA und den transatlantischen Beziehungen zu stärken bzw. um vielversprechende Journalisten zu fördern. Im Rahmen des Stipendiums arbeitete Boie als Gastredakteur bei der „Los Angeles Times“. Im Übrigen hat das Programm schon viele deutsche Journalisten für die transatlantischen Beziehungen „fit“ gemacht, darunter die „Zeit“-Journalisten Judith Liere und Lars Weisbrod sowie „The Pioneer“-Redakteur Christian Schweppe.
Flirten im Büro - SNA, 1920, 19.10.2021
Reichelt hatte Sex mit Unterstellten – „na und“? Netz streitet über Einvernehmen am Arbeitsplatz
Zum Chefredakteur bei „Welt am Sonntag“ und dem stellvertretenden Chefredakteur der Welt-Gruppe war Boie 2019 plötzlich aufgestiegen, nachdem er seit 2017 einfach Referent des Vorstandsvorsitzenden bei Springer war. Bis zu seiner Beförderung als neuer „Bild“-Chef verfasste er auch selbst ab und zu Artikel für die „Welt“, darunter auch zum Umgang mit China. „Ein Ausblick auf eine von einer Diktatur beherrschten Welt“ heißt z. B. ein Artikel von ihm von Ende August, der mit einem Hinweis auf einen US-Geheimdienstbericht beginnt, dass doch ein Laborunfall in China der Ursprung der Pandemie sein könnte. Der Bericht wurde später nicht bestätigt, jedoch nimmt ihn Boie zum Anlass, um den Westen nochmal aufzufordern, sein gesamtes Verhalten gegenüber China zu ändern, bevor es „zu spät ist“.
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