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Programm-Umbau bei ARD: Schwerpunkt Mediathek – Protest bei „Weltspiegel“ hat gewirkt

© AP Photo / MATTHIAS RIETSCHELARD-Logo
ARD-Logo - SNA, 1920, 18.10.2021
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Die neue ARD-Programmdirektorin Christine Strobl hat ihre im Frühjahr verkündeten Reform-Vorstellungen weitgehend durchgesetzt: Ab 2022 soll der Schwerpunkt beim Programm-Angebot auf die Mediathek verlegt werden, um junges Publikum besser zu erfassen. Beim Streit um den „Weltspiegel“ musste Strobl allerdings nachgeben.
Die am Freitag vorgestellte große Programm-Reform bei der ARD entspricht weitgehend den Wunschvorstellungen der neuen Programmdirektorin, die Christine Strobl nach ihrem Amtsantritt im Frühjahr verkündet hat. Der Sinn der Sache: Der Sender soll ihrem Publikum mehr Videos unabhängig vom linearen ARD-Programm anbieten und damit den jüngeren Zuschauern abnehmergerechter machen, die den Fernseher kaum noch einschalten.
ARD (Symbolbild) - SNA, 1920, 09.07.2021
ARD will „Weltspiegel“ in die „Todeszone“ verbannen
Wie Strobls Stellvertreter Florian Hager erläuterte, sollten die Angebote für die Mediathek „jünger, zielgruppenspezifischer und diverser als im Ersten Programm“ sein. Von 2022 an werden zum monatlichen Mediathek-Angebot unter anderem zwei neue „hochwertig produzierte“ fiktionale Serien, zwei dokumentarische Formate bzw. Serien, ein investigativer Beitrag, ein Dokumentarfilm und ein Comedy-Programm mit Carolin Kebekus gehören. Strobl dazu:

„Wenn wir wissen, dass heutzutage allein durch das sich verändernde Mediennutzungsverhalten die Mediathek ein sehr, sehr wichtiger Baustein sein muss, um jüngere Zielgruppen zu erreichen, dann ist klar: Wir brauchen für die Mediathek ein eigenständiges Programmangebot."

Natürlich wird mit dem Ausbau des Mediathek-Angebots der wachsenden Konkurrenz durch die Streaming-Plattformen wie Netflix und Amazon Rechnung getragen. Aber auch deutsche Privatsender machen den Streaming-Diensten fleißig nach.

Mehr Fußball, mehr Spaß und mehr "Maischberger"

Zugleich beteuerte der ARD-Vorsitzende Tom Buhrow: „Das lineare Fernsehen wird nie von uns vernachlässigt werden." Das „klassische“ TV-Programm soll ebenfalls gründlich umgestaltet werden, sowohl werktags, als auch am Wochenende. So soll der TV-Talk von Sandra Maischberger demnächst nicht mehr wie bisher nur am Mittwochabend, sondern auch am Dienstagabend ausgestrahlt werden. Dabei musste sich Strobl den üblichen Vorwurf gefallen lassen, die ARD betreibe dabei eine „Kampfprogrammierung“ gegen den ewigen Rivalen ZDF, wo dienstags, mittwochs und donnerstags die populäre Talkshow von Markus Lanz läuft. Strobl entgegnete darauf: Zwar könne es bei den Talkshows zeitlich zu gewissen Überschneidungen kommen, die Sendungen würden sich aber unterscheiden.
Die Tagesschau (Symbolbild)  - SNA, 1920, 26.06.2021
Lust auf Geld und Gloria? – „Tagesschau“ und „Tagesthemen“ verlieren Personal
Sonntags soll es im ARD mehr Fußball geben: Der Sender will Übertragungsrechte aus der 2. Bundesliga erwerben und darüber in einer Sportschau-Sendung vor der Tagesschau berichten. Eingeleitet soll das Wochenende im Ersten mit guter Laune: 21.45 Uhr ist für die Sendung mit TV-Clownesse Kibikus fest eingeplant.
Sich gänzlich dem Pay-TV-Stil anpassen und lauter Unterhaltung anbieten will das Erste aber auch nicht. So soll der Montagabend grundsätzlich als „Informationsabend“ gelten. Ab 20.15 werden abwechselnd Natur-Filme sowie Dokus zu Politik, Wirtschaft, Kultur und Sport angeboten. Ganz spät am Abend, nach dem TV-Talk „Hart aber fair“ und den Tagesthemen soll dann noch ein Programm zum Thema Forschung beziehungsweise eine weitere „Mediathek-taugliche“ Dokumentation ausgestrahlt werden.

Protest gegen "Weltspiegel"-Verbannung hat gewirkt

Wie Strobl am Freitag einräumte, war das Konzipieren der ARD-Reform von zum Teil heftigen Diskussionen begleitet.

„Wenn man am Anfang keinen Protest hervorruft, hat man auch nichts verändert", meinte die ARD-Programmdirektorin.

Einiges von diesen Streitereien sicherte in den öffentlichen Bereich durch. Als Strobl Mitte Sommer ihre Absicht bekundete, die Traditionssendung „Weltspiegel“ vom prominenten Platz um 19.20 Uhr am Sonntag in die „Todeszone“ um 22.50 Uhr am Montag zu verschieben, brach ein echter Aufstand aus. Der offene Protestbrief von 45 Korrespondenten und Redakteuren der Sendung hat offenbar im Endeffekt gewirkt: Der „Weltspiegel“ wurde laut dem neuen Programm-Konzept auf 45 Minuten verlängert und soll künftig sonntags um 18.30 Uhr kommen, direkt nach einem ebenfalls verlängerten „Bericht aus Berlin“.
Offen bleibt allerdings, wie all die Umgestaltungen finanziert werden sollen. Durch die neuerliche Erhöhung der Rundfunkabgaben ließen sich die zusätzlichen Projekte laut Tom Buhrow nicht wirklich decken. Zusätzliches Personal für die neuen Projekte sei dementsprechend nicht vorgesehen. Insofern soll angenommen werden, dass es im Zuge der Umsetzung der ambitionierten Reform einiges gestrichen wird – ob beim Programmangebot oder bei der Belegschaft. Es sei denn, es wird zu einer dringlichen neuen GEZ-Anhebung kommen.
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