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Blackrock: „Die unbekannte Weltmacht“ – Was Friedrich Merz und Joe Biden im Verborgenen treiben

© REUTERS / STAFFBörse Frankfurt
Börse Frankfurt  - SNA, 1920, 16.10.2021
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Das neue Buch „BlackRock & Co. enteignen! Auf den Spuren einer unbekannten Weltmacht“ will aufklären. Darin kritisiert Autor Werner Rügemer, wie solche Kapital-Organisatoren Löhne zurückfahren und Rechte von Arbeitnehmern beschneiden. Im SNA-Interview spricht er auch über die Nähe von CDU-Größen wie Friedrich Merz und Armin Laschet zu Blackrock.
In Deutschland hat vor allem Friedrich Merz (CDU) – der momentan bei der Neugestaltung seiner Partei nach dem Wahldebakel mitwirken will – als Chef-Lobbyist des Finanzunternehmens Blackrock Bekanntheit erlangt. Blackrock ist eine US-amerikanische Fondgesellschaft, die fast sieben Billionen US-Dollar an Vermögen verwaltet. Sie ist dadurch bei allen großen Konzernen der Welt Anteilseigner.
Trotzdem wissen viele immer noch nicht genau, wie diese Gesellschaft mit Stamm-Sitz in den USA als größter Finanzakteur der Welt in diesem Bereich genau arbeitet. Auch deshalb hat der Kölner Buchautor und Kapitalismus-Kritiker Werner Rügemer sein neues Werk verfasst. Er bezeichnet Blackrock als „Kapital-Organisator“.
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Laut dem Ökonomen war Blackrock „der große Gewinner“ der Finanzkrise ab 2008. Damals brachen der US-Immobilienmarkt und die Bank Lehman Brothers zusammen. Aus dieser Krise stiegen neuartige Finanzriesen empor.
Vermögensverwalter wie Blackrock, Vanguard, State Street, Capital Group oder Northern Trust arbeiten seitdem durch strategische Investitionen zusammen und dominieren so die heutige Weltwirtschaft. Im Gespräch mit SNA News erläutert Rügemer, der sich selbst als interventionistischer Philosoph sieht, was es mit der „unbekannten Finanz-Weltmacht“ auf sich hat.

Es war einmal in Amerika …

Der damalige US-Präsident Bill Clinton deregulierte in den 1990er Jahren den Finanz-Sektor der USA. Er lieferte so die Grundlage für das heutige Aufblühen dieser US-Finanzriesen. Barack Obama engagierte 2008 Blackrock sogar als Berater der US-Regierung in der Finanzkrise. Die Folge:
„Die bisher so mächtigen Banken, auch die Wall Street-Banken wurden immer schwächer. Sie gehören heute den US-Kapitalorganisatoren. Dank Obama konnte Blackrock über Rettung oder Nicht-Rettung von Banken, Versicherungen und Unternehmen entscheiden, konnte sich selbst das Beste heraussuchen und wurde – vor allem – damit zum größten Insider der westlichen Finanzwelt. Seitdem ist Blackrock nicht nur der größte Eigentümer von Banken und Unternehmen, sondern gleichzeitig der Berater der wichtigsten Zentralbanken. Auch der beiden größten, der Federal Reserve (FED) der USA und der Europäischen Zentralbank EZB. Blackrock entscheidet also jetzt z.B. mit, wie die Billionen-Anleihen und -Kredite der Corona-Hilfsprogramme der USA und der EU vergeben werden.“
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Auch unter US-Präsident Joe Biden sitzen Vertreter von Blackrock mit im Weißen Haus. „Es ist mit drei Top-Managern in der Biden-Regierung vertreten“, erklärte Rügemer im Interview: „Wally Adeyemo als stellvertretender Finanzminister, Brian Deese als Direktor des Nationalen Wirtschaftsrates und Michael Pyle als Chefökonom der Vizepräsidentin Kamala Harris.“
Traditionell sei Blackrock der „Demokratischen Partei“ näher, was auf die Clinton-Ära zurückgehe. „Als 2016 Hillary Clinton gegen Donald Trump antrat, galt Blackrock-Chef Larry Fink als ihr künftiger Finanzminister. Und jetzt mit Biden regiert Blackrock direkt mit.“

Warum „Blackrock“ und Co. kaum bekannt sind

Das Kuriose dabei laut Rügemer:
„Die größten und mächtigsten Kapitalisten, also die bestimmenden Eigentümer der wichtigsten Unternehmen und Banken, sind der allgemeinen Öffentlichkeit so gut wie unbekannt. Die Chefs wissen: Wir holen die meisten Gewinne heraus, wir herrschen am besten, wenn wir möglichst unbekannt bleiben. Sie gehen in keine Talk-Show, treffen aber abseits der Öffentlichkeit Konzern- und Regierungschefs und Minister. Nur durch eine Anfrage der Linken im Bundestag wurde nachträglich bekannt: Blackrock-Chef Fink und seine Vertreter trafen sich in den letzten Jahren in Deutschland heimlich mit Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU), mit Finanzminister Olaf Scholz (SPD) und dessen Staatssekretär Jörg Kukies, mit Außenminister Sigmar Gabriel (SPD).“
Momentan ändere sich dies ein wenig. Die zunehmende öffentliche Bekanntheit von Blackrock und Co. zeige sich gegenwärtig bei den „Pandora Papers“: „Da werden tausende Eigentümer von Briefkastenfirmen ‚enthüllt‘ und die Finanz-Oasen Seychellen, Belize und Panama genannt. Aber dass Blackrock seinen steuerlichen und rechtlichen Sitz mithilfe einer Briefkastenfirma in der größten Finanz-Oase der Welt hat, im winzigen US-Bundesstaat Delaware, und dass die Kapitalgeber von Blackrock in tausenden von Briefkastenfirmen ebenfalls in Delaware, in Luxemburg, in der Niederlanden und auf den karibischen Cayman Islands versteckt werden – das alles fehlt in den Pandora Papers: Diese ‚Enthüllungen‘ tragen gerade dazu bei, dass Blackrock & Co. weiter verhüllt bleiben.“
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Der „Wirecard“-Skandal

Hinter dem viel diskutierten Wirecard-Skandal, der Deutschland, Österreich, Europa und letztlich die Welt schockte, stecke Blackrock ebenso. Kaum überraschend für Kenner der Branche, darunter Rügemer. Dieser Skandal sei ein aufschlussreiches Beispiel für die „unbekannte Weltmacht“. Denn: „Nie wurde gefragt: Wer sind die Eigentümer, die Aktionäre, die in der kapitalistischen Wirtschaftsordnung doch die letztlich Verantwortlichen sind?“, prangert der Blackrock-Kritiker an.
„Als ich mal nachschaute, stellte sich heraus: Blackrock war der zweitgrößte Wirecard-Aktionär, nach der US-Bank Goldman Sachs – aber Blackrock ist auch Aktionär von Goldman Sachs. Und Blackrock ist Aktionär in den vier größten Banken, die Wirecard die Milliarden-Kredite gaben: Commerzbank, Deutsche Bank, die Société Générale (Frankreich) und ING (Niederlande)! Und als Sahnehäubchen: Es ist auch Aktionär der US-Ratingagentur ‚Moody's‘, die die Kreditwürdigkeit von Wirecard bescheinigte!“ Aber all dies war auch bei den heftigsten „Aufklärern“ der FDP und der Linken im Bundestag „und in den Leitmedien kein Thema. Auch nicht, dass sich Finanzminister Scholz heimlich mit Blackrock getroffen hatte.“
Außerdem sei CDU-Finanzpolitiker Merz bei weitem nicht der einzige einflussreiche Chef-Lobbyist für Blackrock in der Bundesrepublik ist, so Rügemer.

Friedrich Merz: Eine Karriere „von Gnaden“ Blackrocks?

In seinem neuen Buch widmet er dem Sauerländer ein faktenreiches Kapital samt Medienanalyse. „In allen wichtigen Talkshows im deutschen Fernsehen tauchten Repräsentanten dieser Kapital-Organisationen niemals auf, selbst Friedrich Merz war dort niemals als Vertreter von Blackrock eingeladen und befragt, sondern lediglich als CDU-Mann und Bewerber um den CDU-Parteivorsitz“, schreibt der Kölner Publizist. Und weiter:
„Friedrich Merz und Blackrock: Das passt! (…) Merz war von Anfang 2016 bis Dezember 2020 der oberste bezahlte Blackrock-Lobbyist in Deutschland. Als er 2018 CDU-Vorsitzender werden wollte, wurde diese Tatsache zum ersten Mal öffentlich erwähnt und ein bisschen kritisiert.“
Dessen Aufgabe präzisierte der damalige unmittelbare Vorgesetzte von Merz, der Chef von Blackrock Europe in der City of London, David Blumer:
„Merz wird einen wichtigen Beitrag dazu leisten, unser Geschäft in Deutschland voranzutreiben und dabei eng mit unseren Kunden, Partnern, Regierungsvertretern und Regulierern in Deutschland zusammenarbeiten.“
Das berichtete die „Süddeutsche Zeitung“ vor einigen Jahren, wie Rügemer zitiert.
Der CDU-Politiker habe sich für die Aufgabe als oberster Blackrock-Lobbyist in Deutschland schon länger qualifiziert. Früher noch als Bundestagsabgeordneter „mit acht bezahlten Nebentätigkeiten in deutschen Unternehmen“, wurde er 2005 Partner einer einflussreichen US-Kanzlei. „Schon frühzeitig warb Merz auch für die von Blackrock entwickelten Finanzprodukte und Geldanlagen, darunter forcierte Privatisierung der Rente.“ Ein Tages-Honorar für Merz betrug demnach zwischenzeitlich 5000 Euro. Wie gesagt: Verdient binnen 24 Stunden. Wie kein zweiter Abgeordneter in Deutschland lobe er immer wieder Hedgefonds und „Heuschrecken“ sowie Steueroasen.
Der CDU-Vorsitzkandidat Friedrich Merz (Archivfoto) - SNA, 1920, 05.01.2021
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Nato-Netzwerke und „Korruption in der Rüstungsbranche“

Ein weiterer Schlüssel sei die Mitgliedschaft und der frühere Vorsitz von Merz in der „Atlantik-Brücke“, ein transatlantisches, Nato-nahes Netzwerk. „Korruption bei Rüstungsgeschäften und heimliche Finanzierung von CDU-Politikern gehören zu den Tätigkeiten hochrangiger Mitglieder“, kritisiert Rügemer.
„Merz sollte deshalb nicht nur die unmittelbaren Geschäftsinteressen von Blackrock vertreten und für die Ausweitung des Geschäfts sorgen, sondern auch Einfluss auf Parteien, Regierung und Aufsichtsbehörden, etwa auf die Finanzaufsicht (BaFin), ausüben.“
Auch bei den sogenannten, undurchsichtigen „Cum-Ex-Geschäften“ stand der frühere CDU-Chef Merz im Fokus, wie Rügemer beschreibt. „Der Zeitpunkt der Ernennung von Merz zum deutschen Chef-Lobbyisten von Blackrock könnte auch so interpretiert werden: Er sollte mithelfen, Blackrock vor Transparenz und Kritik zu schützen. (…) Merz hasst Transparenz, sowohl wenn es um seine eigenen Millionen wie auch um die Milliarden seiner Arbeitgeber geht.“
Merz versuchte laut Rügemer „auf ziemlich primitive Weise, die eigenen Einkommens- und Vermögensverhältnisse zu verschleiern und zugleich zu verharmlosen. Er gehöre ‚zur gehobenen Mittelschicht, keinesfalls zu dieser kleinen, sehr vermögenden, sehr wohlhabenden Oberschicht‘, erklärte er. Das trifft teilweise zu: Merz ist als kleiner zweistelliger Multi-Millionär ihr hochbezahlter Dienstbote.“
Ebenso pikant mit Blick auf die Gegenwart:
„Nach der Berufung zum Aufsichtsrat und Berater von Blackrock Deutschland wurde Merz Chefberater der strategisch wichtigen Landesregierung von Nordrhein-Westfalen. Hier ist auch der größte CDU-Landesverband heimisch. Die Regierung aus CDU und FDP unter Ministerpräsident Armin Laschet war für die Interessen der besonders vermögenden Klientel und für US-Investoren besonders aufgeschlossen.“
Blackrock wurde schließlich zum Großaktionär vieler großer deutscher Unternehmen und Dax-Konzerne. Darunter Deutsche Post DHL, die Lufthansa, Siemens, SAP, BASF oder der Rüstungskonzern Rheinmetall. Mittlerweile mischt es bei allen Dax-Unternehmen mit. Zum übermäßigen Nachteil der arbeitenden deutschen Bevölkerung. Deshalb besteht für Autor Rügemer auch die klare Forderung: „Blackrock enteignen!“
Lesen Sie am Sonntag im zweiten Teil des Artikels, wie Blackrock und Co. in Deutschland und weltweit in der täglichen Praxis genau arbeiten. Warum die Super-Reichen dieser Erde ihre Gelder dem US-Kapitalorganisator freiwillig zur Verfügung stellen – und wie diese Aktivitäten Armut, geringe Einkommen und den Mietenwahnsinn auf dem deutschen Wohnungsmarkt immer weiter beschleunigen.
Werner Rügemer: „BlackRock & Co. enteignen! Auf den Spuren einer unbekannten Weltmacht“, Nomen Verlag, Frankfurt/Main, erste Auflage, August 2021, 176 Seiten, 12 Euro. Das Buch ist im Handel oder direkt beim Verlagerhältlich.
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