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Im ZDF-Talk: Kein „Freedom Day“ in Deutschland in Sicht?

Schauspieler Jan Josef Liefers - SNA, 1920, 15.10.2021
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Die Wahlen sind vorbei und der „Maybrit Illner“-Talk im ZDF kehrt auf das gewohnte Terrain zurück: Corona. Am Donnerstagabend ging es allerdings darum, wann dieses Thema endlich passé ist. Wann kann Deutschland seinen „Freedom Day“ feiern? Eine tröstliche Antwort blieb aus: Es wird mit Sicherheit noch viele TV-Talks zum Thema Corona geben.
Anderthalb Jahre Pandemie sind genug – das würden wohl die meisten Deutschen meinen. Umso mehr, als eine absolute Mehrheit mittlerweile gegen Covid-19 geimpft beziehungsweise von der Krankheit genesen ist. Welcher Stand muss erreicht werden, damit die Regierung sagen könnte: „Okay, es ist soweit – weg mit den Masken“?
Das Problem fängt allerdings schon damit an, dass Deutschland momentan keine „vollwertige“ Regierung hat. Heute gibt es so gut wie niemanden im Lande, der verantwortungsvoll einen zukunftsfähigen Beschluss dazu treffen würde.

Eiun "Freedom Day" in Deutschland steht nicht zur Debatte

Eine Person, die sich als designierter Gesundheitsminister der künftigen Regierung sieht, war im ZDF-Studio dennoch vertreten – der SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach. Dieser hatte sich während der ganzen Pandemie als resoluter Warner profiliert, insofern waren von ihm keine mit Hoffnung erfüllenden Prognosen in Bezug auf einen „Freedom Day“ zu erwarten.
„Da es keine Herden­immunität gibt, müssen wir darauf achten, dass wir bei den über 65-Jährigen auf jeden Fall über 90 Prozent – idealerweise 95 Prozent – kommen“, erklärte Lauterbach beim ZDF-Talk.
Ginge es nach ihm, wäre wohl selbst eine hundertprozentige Impfquote für eine Aufhebung der Maskenpflicht und sonstiger Corona-Maßnahmen nicht ausreichend – immerhin erkranken selbst die Geimpften hin und wieder auch.
Karl Lauterbach (Archivbild) - SNA, 1920, 12.08.2021
„Warum haben Sie sich da geirrt?“ – Maischberger holt Lauterbach vom Sockel
Unterstützung bekam Lauterbauch am Studio-Tisch von Ute Teichert, Vorsitzende des Bundesverbands der Ärztinnen und Ärzte des öffentlichen Gesundheitsdienstes. „Die Diskussion um einen ‚Freedom Day‘ stellt sich für mich nicht“, erklärte sie. „Jeder, der krank wird und behandelt werden muss, ist eine Person zu viel.“
Eine logische Folge daraus wäre: Da ein Stand von null Erkrankten selbst in entfernter Perspektive kaum erreichbar ist, sollten die Deutschen ihren Traum von einem „Freedom Day“ aufgeben.

„Irgendeine Art von Aussicht und Exit-Strategie brauchen wir aber“, entgegnete der „Tatort“-Star Jan Josef Liefers. „Man hängt uns immer eine Wurst vor die Nase – und dann ...“

Seine Teilnahme am jüngsten Corona-Talk war in zweierlei Hinsicht berechtigt: Im Frühjahr gehörte er zu Initiatoren der Netz-Aktion #allesdichtmachen. Bei dieser hatten er und andere Schauspieler die Corona-Politik in Deutschland mit satirischen Video-Beiträgen kommentiert. Kürzlich hospitierte er dann auf Intensivstation mit Covid-19-Patienten.
Das letztere Erlebnis hatte den Schauspieler tief bewegt. Dort habe er unter anderem beobachtet, wie das Pflegepersonal „mit denen im Koma redet“.
„Wenn es ans Ende geht, setzen die sich hin und halten die Hand“, berichtete Liefers. „Und das steht nicht in ihrem Arbeitsvertrag.“
Was den Schauspieler außerdem beeindruckt, ist die Loyalität der Deutschen: Trotz „irrer Geschichten im Internet“ lassen sich „85 Prozent der deutschen Erwachsenen einen Impfstoff verabreichen, von dem sie gar nicht viel wissen – das finde ich toll!“

Warum Corona kein Wahlkampfthema war

Der Virologe Klaus Stöhr teilte Liefers‘ Ansicht, mit den Einschränkungen sollte langsam Schluss sein: „Über 80 Prozent sind jetzt geimpft und geschützt“, stellte er bei „Maybrit Illner“ fest. So lautete auch seine Frage: „Ab welcher Impfquote man tatsächlich den ‚Freedom Day‘ begeht.“
Denn eine totale Impflicht, mit der eine hundertprozentige Impfquote eventuell erreichbar gewesen wäre, geht sowieso nicht – darin waren sich alle Teilnehmer einig, inklusive Lauterbach. „Natürlich wissen wir alle, dass eine Impfpflicht nicht durchsetzbar wäre“, meinte er.
Eine solche Forderung wäre auch politisch schädlich. „Die AfD und andere rechte Gruppen sagen: ‚Die Impfstoffe sind gefährlich, lasst euch eure Freiheit nicht nehmen‘“, argumentierte er. Insofern findet der SPD-Politiker es gut, dass „die Corona-Politik kein Wahlkampfthema gewesen ist“.
Corona-Testzentrum (Hagen) - SNA, 1920, 11.10.2021
Kostenpflichtige Corona-Tests – „Impfpflicht durch die Hintertür“ oder fair?
Was wiederum Liefers weniger gut fand, ist die „Impfpflicht durch die Hintertür“ – etwa mit kostenpflichtigen Tests und der „2G-Norm“, für die Lauterbach plädiert. „Es ist freiwillig. Wenn wir das entscheiden, können wir nicht durch die Hintertür derart großes Pressing ausüben“, betonte der Schauspieler. Mit diesem Argument war Lauterbach natürlich nicht einverstanden – und an der Stelle fing die ganze Diskussion faktisch wieder von vorne an.
Solange sich diese Debatte im Kreise dreht und sich kein politischer Entscheidungsträger findet, der sich ein Herz fasst und einen Termin für einen „Freedom Day“ festlegt, wird Maybrit Illner Karl Lauterbach und Co. einladen, um wieder mal über Corona zu reden.
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