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Studie: Mehrheit der Deutschen erlebt Zukunftsangst – Rückzug ins Schneckenhaus als Folge

© AP Photo / Martin MeissnerCorona in Deutschland
Corona in Deutschland  - SNA, 1920, 14.10.2021
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Zwei Drittel der Deutschen haben laut einer repräsentativen Studie Angst vor der Zukunft, die am meisten den Klimawandel betrifft. Viele sehen Deutschland vor einem „Niedergang“ stehen.
Mangelndes Vertrauen in Staat und Institutionen sowie die Angst vor Spaltung in der Gesellschaft forcieren demnach einen Rückzug ins Private. Bei einem Teil der Bevölkerung wachse zugleich aber auch die Bereitschaft, allein oder mit Gleichgesinnten für eine lebenswerte Zukunft tätig zu werden. Das geht aus einer repräsentativen Untersuchung des Kölner Rheingold-Instituts hervor, die in Zusammenarbeit mit der Stiftung für Philosophie Identity Foundation in Düsseldorf durchgeführt wurde.
Laut Rheingold-Gründer Stephan Grünewald habenschwere Krisen das Vertrauen in die Zukunft fundamental erschüttert. Die größte Zukunftsangst betrifft den Angaben zufologe den Klimawandel mit seiner weitergehenden Polarisierung und dem Auseinanderdriften der Gesellschaft. Das während der Corona- und Klimakrise erlebte Regierungshandeln sei als unzulänglich wahrgenommen worden.
61 Prozent stimmen der Studie zufolge dem Satz zu „Deutschland steht vor einem Niedergang“, 88 Prozent der These „Durch Krisen wie Corona und den Klimawandel stehen uns drastische Veränderungen bevor“. Viele Bürgerinnen und Bürger befänden sich in einem Machbarkeitsdilemma: Einerseits würden sie die großen Zukunftsprobleme durchaus erkennen, könnten sich aber andererseits nicht vorstellen, wie sich diese bewältigen ließen. Die Folge: Rückzug ins Schneckenhaus, ins Private.
Dabei könne man zwischen unterschiedlichen Zukunftstypen unterscheiden. Das Spektrum reiche von den Eingekapselten, die Zukunftsfragen am liebsten ausblendeten oder die Vergangenheit verklärten, über die „Tribalisten“, deren Aktionsradius in der Nachbarschaft oder im Verein ende, bis hin zu den Missionierenden, die sich zum Beispiel dem Veganismus verschrieben.
Im Kleinen zeige sich aber auch eine hoffnungsstiftende Graswurzel-Mentalität: Viele entwickelten das Gefühl, selbst etwas Sinnvolles zu einer besseren Welt beitragen zu können. Nachbarschaftliche Initiativen, veränderte Ernährungs- und Konsumgewohnheiten, soziale und ökologische Netzwerke oder post-kapitalistische Geschäftsmodelle fänden immer mehr Aufmerksamkeit. Dass diese vielen kleinen Pflänzchen zu einer breiten gesellschaftlichen Strömung zusammenwachsen könnten, sei zurzeit die große Hoffnung eines ansonsten ernüchternden Bildes.
„Wir erleben eine Zeitenwende“, sagte Grünewald. Dabei sei noch offen, ob sich letztlich die Tendenzen zu Rückzug und weiterer Parzellierung durchsetzen würden oder die Kräfte des gesellschaftlichen Zusammenwachsens und der Überwindung von Trennlinien.
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