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Afghanistan
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Fackelzug wie aus NS-Zeit? Afghanistan-Veteran teilt Eindrücke von Großem Zapfenstreich

© REUTERS / HANNIBAL HANSCHKEGroßer Zapfenstreich in Berlin am 13. Oktober 2021
Großer Zapfenstreich in Berlin am 13. Oktober 2021 - SNA, 1920, 14.10.2021
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Viele Grünen- und Linken-Politiker wollen nichts von der Würdigung des Afghanistan-Einsatzes mit dem Großen Zapfenstreich am Mittwochabend wissen. Fackeln sind fehl am Platz, zu feierlich vor dem Hintergrund der verstorbenen Soldaten und Zivilisten – lautet die Kritik. Afghanistan-Veteran Christian Szafran hat das Zeremoniell ganz anders empfunden.
„Was soll das militaristische Ritual aus Preußen und NS-Zeit?“, twitterte der Grünen-Veteran Christian Ströbele unzufrieden. „In dem Krieg starben über 175.000 Menschen – meist Zivilisten. Nichts ist gut in Afghanistan. Was gibt‘s da zu feiern.“
Die ehemalige Grünen-Politikerin Jutta Ditfurth möchte ihrerseits „kotzen“, wenn Deutsche Fackeln in die Hand nehmen. „Was gibt es da zu feiern mit diesem militaristischen Mummenschanz?“, fragte auch die Linken-Außenpolitikerin Sevim Dagdelen.
Der ehemalige Bundeswehrsoldat Christian Szafran, der dreimal im Afghanistan-Einsatz war und am Mittwochabend ebenfalls als Gast auf die Tribüne vor dem Deutschen Bundestag eingeladen wurde, weist die Kritik am Zeremoniell zurück. „Der Zapfenstreich ist das höchste militärische Ehren. Ich persönlich fand das sehr, sehr gut“, sagt er gegenüber SNA. Er sei auch nicht für die Politiker gemacht oder für die scheidende Verteidigungsministerin, weist Szafran hin, sondern direkt an zwei Soldaten gemeldet, stellvertretend für alle anderen Soldaten der Bundeswehr. „Und das war natürlich schon eine Würdigung, die man sich öfters mal wünschen würde.“
Wer aber jetzt im Zusammenhang mit dem Fackelzug die dunklen Seiten der deutschen Geschichte mit einbringen wolle, sei „uninformiert“, sagt der Afghanistan-Veteran weiter.
„Die Geschichte des Großen Zapfenstreichs geht schon bis ins 16. Jahrhundert zurück. Das wurde gestern auch nochmal explizit erklärt, dass es mit der Wehrmacht überhaupt gar nichts zu tun hat.“
Auch wenn die Nationalsozialisten sich alter Sachen bedient hätten, hätten die niemals im direkten Zusammenhang gestanden, besteht Szafran. Ebenfalls falsch findet er die Behauptung, dass das Zeremoniell zu feierlich gewesen sei und die gefallenen 59 Soldaten nicht angemessen geehrt habe. „Vor dem Großen Zapfenstreich gab es noch einen Appell im Verteidigungsministerium, wo Kränze niedergelegt wurden und auch für jeden einzelnen gefallenen und getöteten Soldaten ein Kranz niedergelegt wurde“, erinnert der Veteran. Auch in den Reden von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier seien zivile Opfer und alle Ortskräfte erwähnt worden. „Es war schon sehr würdig und auch sehr, sehr angemessen.“

„Militärischen Auftrag ausgeführt“

In einem früheren Gespräch mit SNA hatte sich Szafran eine bessere Bilanzierung des 20-jährigen Einsatzes gewünscht. Hat diese aus seiner Sicht stattgefunden? Der Große Zapfenstreich bringe die Diskussion nicht zu Ende, meint er. „Gestern wurde noch klar betont, dass der militärische Auftrag dort unten ausgeführt wurde. Allerdings kann man natürlich nicht in die Köpfe der Bevölkerung reingucken und dahingehend ist natürlich noch Aufarbeitungsbedarf.“
Was die Machtübernahme durch die Taliban* angeht, zeigt sich Szafran sehr vorsichtig mit der Schlussfolgerung, der Bundeswehr-Einsatz wäre gescheitert. Man muss sich aus ihrer Sicht stattdessen fragen, wie man mit den Taliban, die jetzt viel moderater scheinen als vor 20 Jahren, nun umgeht.
Afghanistan-Veteran Szafran - SNA, 1920, 17.07.2021
Afghanistan
Afghanistan-Veteran Szafran teilt aus: „Es war wie ein Schlag ins Gesicht für uns“
„Hat die Bundeswehr rein militärisch ihren Auftrag erfüllt? Wir haben dafür gesorgt, dass bestimmte Bereiche sicherer geworden sind. Wir haben dafür gesorgt, dass Sicherheitskräfte ausgebildet wurden. Wir haben unseren Patrouillenauftrag erfüllt. Das muss man ganz, ganz klar trennen von der Politik, die dahintersteckt. Grundsätzlich ist es auch keine Aufgabe eines einfachen Soldaten, irgendjemanden Demokratie in den Kopf zu setzen“, schließt Szafran ab. Das müssten andere machen.
*Unter anderem von der Organisation des Vertrags über kollektive Sicherheit (Armenien, Kasachstan, Kirgistan, Russland, Tadschikistan, Belarus) als Terrororganisation eingestuft, deren Tätigkeit in diesen Ländern verboten ist.
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