Registrierung erfolgreich abgeschlossen!
Klicken Sie bitte den Link aus der E-Mail, die an geschickt wurde

„Rechter Kotzbrocken“: Sind Sprecher der Grünen Jugend ein Problem für die „Ampel“?

© Foto : Elias KeilhauerSarah-Lee Heinrich und Timon Dzienus, Bundessprecherin und Bundessprecher der Grünen Jugend
Sarah-Lee Heinrich und Timon Dzienus, Bundessprecherin und Bundessprecher der Grünen Jugend - SNA, 1920, 13.10.2021
Abonnieren
Gleich nach ihrer Wahl zu Grüne-Jugend-Bundessprechern haben Sarah-Lee Heinrich (20) und Timon Dzienus (25) für mediale und politische Aufregung gesorgt. Grund dafür waren ihre Äußerungen, die alles andere als politisch korrekt wirkten. Beide machen auch aus ihrer kritischen Sicht auf die FDP kein Hehl. Ein Problem für eine Ampel-Koalition?
Allein schon die Tatsache, dass die angehende Politikerin ihre Amtszeit als Bundessprecherin der Grünen Jugend mit Entschuldigungen beginnen musste, lässt Sarah-Lee Heinrich kaum glaubwürdig erscheinen. Ihre Aussagen auf der Plattform Twitter von 2015 – mittlerweile hat sie rund 1000 Tweets gelöscht – bezeichnet sie heute selbst als „dumm und unangebracht“, als „peinlich“ und „beleidigend“.
Entschuldigungen hin oder her: Ihre eindeutig rassistischen und homophoben Äußerungen von damals werden der Bundessprecherin wohl nachhängen. Sie werden ihre zukünftigen Statements im Namen der Organisation a priori bedenklich erscheinen lassen – zumindest bei den politischen Opponenten der Grünen und sonstigen Vertretern der „eklig weißen Mehrheitsgesellschaft“, wie sie das bundesdeutsche Sozium seinerzeit bezeichnete.
Hakenkreuz (Symbolbild) - SNA, 1920, 11.10.2021
Hakenkreuz mit „Heil“ kommentiert: Grüne-Jugend-Sprecherin bedauert Tweet aus dem Jahr 2015
Nicht viel ändern wird da wohl auch Heinrichs neuerliche Verteidigungsstrategie bei der Abwehr des durch ihre nun offengelegte Tweet-Vorgeschichte ausgelösten „Shitstorms“. Bei diesem sei sie unter anderem „massiven Morddrohungen ausgesetzt“. Dieser sei dadurch ausgelöst worden, weil gewisse rechts gesinnte Individuen „wohl Bammel vor einer schwarzen, linken Frau“ hätten, so Heinrich. Ähnlich äußerte sich auch ihre Amtsvorgängerin Anna Peters, die im „ekeligsten Shitstorm ever“ generalisierend eine Attacke gegen „junge, kluge, linke Frauen“ sehen will.
Prompt wurde Heinrich von anderen Politikern und sonstigen namhaften Personen in Schutz genommen, weil ihnen dies die politischen Gepflogenheiten und die moralischen Vorschriften einer liberalen „weißen Mehrheitsgesellschaft“ diktieren.

„Wären vergleichbare Tweets von den Bundesvorsitzenden der Jungen Union oder der Jungen Liberalen aufgetaucht, dann hätten linke Kreise sich wohl kaum mit einer Entschuldigung begnügt“, hieß es in einem Kommentar der „Neuen Zürcher Zeitung“ dazu.

Christian Lindner als „gelbe Null”

Fraglich erscheint allerdings, ob sich die Wahl von Heinrich und Timon Dzienus zu Sprechern der Grünen Jugend bei den Bemühungen ihrer Partei um eine Koalitionsregierung zusammen mit den Liberalen als hilfreich erweisen wird. Beide hatten nämlich im Vorfeld der Wahlen keinen Hehl daraus gemacht, dass sie Rot-Rot-Grün bevorzugt hätten.

„Mit der Linkspartei haben die Grünen deutlich mehr gemeinsam als mit der FDP“, betonte Heinrich kürzlich in einem „Maybrit Illner“-Talk.

Politik-Student Dzienus äußerte sich wesentlich radikaler und eindeutiger. Den FDP-Chef Christian Lindner bezeichnete er als „gelbe Null“ und „einfach widerlich“. Sein Urteil: „Unter Lindner ist die FDP im Bund regierungsunfähig.“

„Christian Lindner ist ein rechter Kotzbrocken, der zurücktreten soll“, schrieb Dzienus 2020, als Thomas Kemmerich (FDP) unter anderem mit Stimmen der AfD zum Thüringer Ministerpräsidenten gewählt wurde.

Wohlgemerkt: Für seine Äußerungen, die aus der jüngsten Vergangenheit stammen und eben nicht – wie im Fall Heinrich – als naiver Radikalismus eines pubertierenden Jugendlichen abzutun wären, hat sich Dzienus nicht entschuldigt.
Vorsitzende der Grünen Annalena Baerbock und Robert Habeck sowie FDP-Vorsitzender Christian Lindner (r.) - SNA, 1920, 06.10.2021
Grüne wollen Sondierungsgespräche mit SPD und FDP – Lindner nimmt Vorschlag an
Es wäre leichtsinnig, diese Einstellung der Wortführer der Jungen Grünen als eine Lappalie zu ignorieren: In der 118-köpfigen Grünen-Fraktion im neu gewählten Bundestag machen die Vertreter der Jugendorganisation immerhin ein Viertel aus. Die bisherige Grünen-Fraktionschefin Katrin Göring-Eckardt, die Heinrichs Tweets als „Fehler“ bewertet und der angehenden Grünen-Politikerin für deren Entschuldigung gedankt hatte, hat Dzienus‘ Äußerungen bisher in keiner Weise kommentiert.
Da muss man wohl darauf gespannt sein, wie die Grünen und die Liberalen miteinander im Bundestag und in einer Koalitionsregierung kommunizieren werden – sollte eine solche bei dieser Animosität überhaupt zustande kommen.
Newsticker
0
Um an der Diskussion teilzunehmen,
loggen Sie sich ein oder registrieren Sie sich
loader
Chats
Заголовок открываемого материала