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Nach Morddrohungen wegen Tweets: Politiker bekunden Solidarität mit neuer Grüne-Jugend-Chefin

© SNA / Natalja SeliwerstowaTwitter (Symbolbild)
Twitter (Symbolbild) - SNA, 1920, 12.10.2021
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Die neue Sprecherin der Grünen Jugend, Sarah-Lee Heinrich, hat mit 13-14 Jahren „dumme und unangebrachte Tweets“ gepostet. Doch nichts rechtfertige Morddrohungen gegen sie, schreiben viele Politiker – und solidarisieren sich mit Heinrich.
Die 20-jährige Chefin der Grünen Jugend, Sarah-Lee Heinrich, hat sich „nach Morddrohungen und Gewaltandrohungen“ für einige Tage aus der Öffentlichkeit zurückgezogen. Es gehe erst einmal darum, alles für ihre Sicherheit zu tun, sagte dazu der scheidende Bundessprecher der Grünen Jugend, Georg Kurz. Die junge Politikerin wolle in den kommenden Tagen keine Interviews geben und auch nicht öffentlich auftreten.
Um Heinrich war in den vergangenen Tagen ein heftiger Shitstorm in den sozialen Medien ausgebrochen. Kurz nachdem sie neben Timon Dzienus zur neuen Bundessprecherin der grünen Nachwuchsorganisation erklärt geworden war, tauchten auf Twitter ihre Tweets aus dem Jahr 2015 auf. Unter einem bereits gelöschten Tweet mit Hakenkreuz soll sie „Heil“ geschrieben haben. In einem anderen konnte sie sich vorstellen, „einen Besen zu holen und alle weißen Menschen aus Afrika rauszukehren“. „Es tut mir wirklich leid, einen solchen Tweet jemals abgesetzt zu haben“, erklärte sie auf Twitter nach der Kritik zu „Heil“. Es sei „maximal dumm und unangebracht“ gewesen.

„Nichts rechtfertigt Morddrohungen“

Die Rechten hätten schon vor ihrer Wahl versucht, Shitstorms gegen sie hochzuziehen, schrieb Heinrich zuvor. „Haben wohl Bammel vor einer schwarzen, linken Frau“. Nun solidarisieren sich auch viele linke Politiker mit ihr, darunter der Co-Vorsitzende der Linksfraktion im Bundestag, Dietmar Bartsch. Nichts rechtfertige Morddrohungen gegen Sarah-Lee Heinrich, schrieb er auf Twitter. „Nichts“.
Auch der Grünen-Politiker Cem Özdemir schrieb: „Nichts, einfach gar nichts rechtfertigt Morddrohungen, wie sie Sarah-Lee Heinrich nun bekommt. Dabei ist es im übrigen komplett egal, ob die betroffene Person der eigenen Partei oder irgendeiner anderen angehört. Wer Menschen einschüchtert und bedroht, steht außerhalb unserer Demokratie!“
Ähnlich reagierte auch die SPD-Politikerin Sawsan Chebli. Was Heinrich erlebe, sei für viele Frauen in der Öffentlichkeit, die etwa gegen Rassismus kämpfen, sich fürs Klima einsetzen, Missstände anprangern würden, heute Alltag. „Wir leben mit Morddrohungen, als sei es normal. Ist es nicht. Es muss mehr passieren als Bedauern und Empörung“, schrieb sie.

Jugendsünden vs. Beleidigungen?

Laut dem Politikwissenschaftler an der Universität Kassel, Maximilian Pichl, erhält Heinrich Morddrohungen nicht „wegen früherer Tweets“, sondern weil sie „durch Akteure autoritärer Agitation als Feindin markiert wurde“. Die Tweets seien egal, irgendetwas hätte man schon gefunden, um zum Angriff zu blasen, so Pichl. Auch der Linken-Politiker Niema Movassat ist dieser Ansicht. In Wirklichkeit würden sich Leute nicht über einen Tweet einer damals 14-Jährigen aufregen, sondern sie würden sich aufregen, dass eine junge schwarze Frau Politik mache. Die Tweets seien nur ein Vorwand, um gegen sie zu hetzen, so Movassat.
Dass viele Menschen im Alter von 14 bis 15 Jahren mal „maximal dummes und unangebrachtes“ Zeug von sich geben, geht in der Öffentlichkeit noch wohl als „Jugendsünden“ anerkannt. Jedoch fragt sich gerade die politische Konkurrenz, warum Heinrich sich im volljährigen Alter 2019 in einem „Funk“-Interview „weiße Bürgis“ und „eklige weiße Mehrheitsgesellschaft“, die „rassistisch durchzogen“ sei, anprangerte – und ob es nicht schon wieder grenzwertige Beleidigungen wären. Heinrich hatte sich damals für die Wortwahl entschuldigt, inhaltlich aber stehe sie zu ihrer Haltung. „Dementsprechend kann ich nur daraus interpretieren, dass sie ihre Einstellung von damals leider nicht geändert hat“, twittert dazu etwa die junge Liberale Caroline Ommer.
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