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Ängste, Depressionen, Gewalt – Experten alarmiert über Pandemie-Folgen bei Kindern

Mädchen (Symbolbild) - SNA, 1920, 11.10.2021
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Studienergebnisse zur seelischen Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in der Pandemie zeichnen ein düsteres Bild: Nach dem zweiten Lockdown gilt jedes dritte Kind in Deutschland als psychisch belastet.
Bereits zu Beginn der Pandemie wurde im ersten Lockdown vor den Gefahren für die Psyche von Kindern und Jugendlichen gewarnt: Soziale Isolation, Probleme beim Distanzunterricht, kein Ausgleich durch Sport und andere Freizeitaktivitäten seien ein fruchtbarer Boden für psychische Probleme. Am Donnerstag wurden hierzu zum Auftakt des bundesweiten Kongresses für Kinder- und Jugendmedizin in Berlin Studienergebnisse von sechs großen wissenschaftlichen Fachgesellschaften der Pädiatrie vorgestellt.
Zentral war dabei die bundesweit erste Studie zu pandemiebedingten Auswirkungen auf die psychische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen (Copsy-Studie). In der ersten Welle (Mai/ Juni 2020) hatten daran rund 1500 Eltern und 1000 Kinder zwischen 7 und 17 Jahren teilgenommen, im Januar 2021 noch einmal 1625 Eltern und 1077 Kinder. Eine Erkenntnis daraus: Insbesondere generalisierende Ängste seien nach der zweiten Welle (30 Prozent) im Vergleich zur ersten Welle (24 Prozent) und im Vergleich zu Zeiten vor der Pandemie (15 Prozent) signifikant häufiger auftreten. Auch die Lebensqualität habe sich im Verlauf der Pandemie für sieben von zehn Kindern deutlich verschlechtert. Ursächlich dafür seien Isolation und die Zunahme von familiären Streitigkeiten. Anne Kaman, wissenschaftliche Mitarbeiterin des Uniklinikums Hamburg-Eppendorf, die an der Studie beteiligt war, forderte in diesem Zusammenhang mehr „Unterstützung im sozialen Raum“ für stark belastete Familien. Dafür sollten Kitas und Schulen dauerhaft geöffnet bleiben und die Schulsozialarbeit „unbedingt flächendeckend“ ausgebaut werden.
Weinende Frau (Symbolbild) - SNA, 1920, 09.10.2021
Pandemie-Folgen: Deutlich mehr Menschen mit psychischen Erkrankungen weltweit
Eine ähnliche Einschätzung ist einem gemeinsamen Bericht des Bundesministeriums für Gesundheit (BMG) und des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) aus dem Juni zu entnehmen. Zu Beginn des Jahres hatte das BMG das Robert Koch-Institut damit beauftragt, den aktuellen Forschungsstand zur psychischen Gesundheit der Bevölkerung in Deutschland und explizit auch von Kindern und Jugendlichen während der Covid-19-Pandemie zu beschreiben und methodisch zu bewerten. Als Grundlage für die Einschätzung wurden 17 Studien, darunter auch Copsy, herangezogen.
Die Experten kamen zu dem Ergebnis, dass Kinder und Jugendliche durch die Pandemie in einem hohen Maß psychisch belastet sind. Im Kontext der Kita- und Schulschließungen und des Homeschoolings seien besonders Familien mit Kindern unter 14 Jahren betroffen gewesen. Die Zunahme psychischer Symptome wie Ängstlichkeit, Depressivität und Hyperaktivität sowie Einbußen in der Lebensqualität seien bei Kindern und Jugendlichen aus sozial benachteiligten Familien und solchen mit Migrationshintergrund überproportional gewesen, heißt es in dem Papier. Diese erlebten zudem häufiger räumliche Enge, Gewalt und Einsamkeit. Des Weiteren wurden bei Kindern und Jugendlichen vermehrt Essstörungen und Übergewicht festgestellt sowie eine deutliche Erhöhung der Zeit, die die Minderjährigen online verbringen. Demgegenüber sei der Anteil der Kinder, die keinen Sport trieben, in der zweiten Welle im Vergleich zur Zeit vor der Pandemie um das Zehnfache gestiegen. Eine weitere Erkenntnis: Bei den Schuleingangsuntersuchungen 2021 wiesen Kinder vor der 1. Klasse „deutlich vermehrt Defizite im sprachlichen, motorischen und sozial-emotionalen Bereich auf“.
Abschließend werden im Bericht „nächste erforderliche Schritte“ aufgeführt, um dieser Entwicklung entgegenzusteuern. Unabhängig vom Impfstatus der Kinder müsse der Regelbetrieb an den Bildungs- und Betreuungseinrichtungen sichergestellt werden. Dafür seien neben Hygiene- und Testkonzepten beispielsweise stationäre raumlufttechnische Anlagen nötig und speziell für Kinder entwickelte Schutzmasken. Belastete Kinder und Jugendliche sollen dem Bericht zufolge stärker auf deren spezifische Situation ausgerichtete psychosoziale Hilfen erhalten, darunter auch kurz- und mittelfristig zur Verfügung gestellte Therapieplätze. Auch präventiv könne und müsse etwas für die Minderjährigen getan werden, beispielsweise durch Sport- und Freizeitangebote.
Depression (Symbolbild) - SNA, 1920, 05.10.2021
US-Forscher: Gehirnimplantat hilft erfolgreich gegen Depression
Weiteren Forschungsbedarf sieht der Bericht bei den Themen:
Vulnerable Gruppen
Junge Menschen, die unter erschwerten Bedingungen aufwachsen
Übergewicht
Essstörungen
Häusliche Gewalt
Gesundheitsverhalten
Mediennutzung
Long-Covid bei Kindern
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