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Vom Kommunismus-Denkmal zum Souvenir - Chemnitzer „Nischel“ wird 50

CC BY-SA 2.5 / André Karwath / Wikimedia CommonsKarl-Marx-Monument in Chemnitz
Karl-Marx-Monument in Chemnitz - SNA, 1920, 07.10.2021
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Der „Nischel“, wie die Chemnitzer ihre riesige Karl-Marx-Skulptur nennen, ziert Briefmarken, Tassen und Kreditkarten. Nun wird er 50. Die Chemnitzer haben ihn seinerzeit vom Abriss bewahrt. Trotz der Namensänderung der Stadt gehört Karl Marx für viele dazu.
Monumental thront der riesige Kopf von Karl Marx über den Passanten, streng in die Ferne blickend. Auf seinem Sockel hat der 40 Tonnen schwere Bronze-Koloss des russischen Bildhauers Lew Kerbel (1917-2003) den Untergang der DDR überdauert.
Zwar tilgten die Chemnitzer den Vordenker des Kommunismus 1990 aus dem Namen ihrer Stadt, sein Konterfei aber blieb. Es wurde zum beliebten Fotomotiv und Treffpunkt. „Der Marx-Kopf ist popkulturell adaptiert und umgedeutet worden“, konstatiert der Generaldirektor der Chemnitzer Kunstsammlungen, Frédéric Bußmann, gegenüber der Deutschen Presseagentur (DPA). „Damit wurde er ein Stück weit neutralisiert.“

Eine Viertel Million Menschen bei der Einweihung

250.000 Menschen sollen am 9. Oktober 1971 die feierliche Enthüllung des Monuments im Herzen von Karl-Marx-Stadt verfolgt haben. Zwei Tage nach dem Jahrestag der DDR lobte Staatschef Erich Honecker laut damaliger staatlicher Nachrichtenagentur ADN das Denkmal als „Symbol unseres unzerstörbaren Bruderbundes mit dem Lande Lenins“. Es gilt bis heute als zweitgrößte Porträtbüste der Welt nach dem Lenin-Kopf im sibirischen Ulan Ude.
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Nischel weg oder kein Westgeld

Wurden auch vielerorts DDR-Denkmäler nach der Wiedervereinigung gestürzt, der Marx-Kopf blieb - sorgte aber für Debatten. So soll der damalige Bundesfinanzminister Theo Waigel (CSU) gedroht haben, „künftig keine Finanzen mehr in den Osten zu schicken, wenn Chemnitz für so etwas Geld ausgibt“.
Anlass waren Pläne, das Monument per Scheinwerfer zu erleuchten. Später gab es Kritik aus der CDU, weil die Stadt mit dem Marx-Kopf warb - nicht nur als Praline und Briefbeschwerer, sondern auch mit dem Slogan „Stadt mit Köpfchen“.

Beliebtes Souvenir

Doch Souvenirs mit dem Marx-Konterfei gibt es bis heute in der Stadt reichlich zu kaufen: von Tassen und Kaffee bis hin zu Ausstechform und USB-Stick. Die örtliche Sparkasse bietet Kreditkarten sowohl mit dem Fotomotiv der Büste als auch abgewandelt im Pop-Art-Stil an. Der Marx-Kopf sei das beliebteste Bildmotiv bei den Kreditkarteninhabern, erklärte ein Sprecher des Geldinstituts. Regelmäßig gebe es auch Anfragen aus dem Ausland.
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Verbal haben die Chemnitzer den riesigen Marx ohnehin vom Sockel geholt – „Nischel“ wird er in der Stadt meist nur genannt, das sächsische Wort für Kopf. Zum Denkmal-Ensemble gehört neben der Porträtbüste ein Schriftzug mit dem Marx-Zitat „Proletarier aller Länder, vereinigt euch!“. Es prangt in mehreren Sprachen am dahinter stehenden Gebäude, der früheren SED-Bezirkszentrale.

Zentraler Treffpunkt in der Stadt

Zu DDR-Zeiten wurden hier große Kundgebungen am 1. Mai und 7. Oktober abgehalten. Doch hier versammelten sich im Herbst 1989 auch Menschen, um gegen die DDR-Führung zu demonstrieren, die ihnen Jahre zuvor das Denkmal ins Herz der Stadt gepflanzt hatte.
Auch demonstriert wird am „Nischel“ nach wie vor regelmäßig. 2018 gingen Bilder um die Welt, als sich dort Rechtsextreme aus ganz Deutschland versammelten. Anlass war der gewaltsame Tod eines 35-jährigen Deutschen am Rande des Stadtfestes, für den ein Syrer später zu einer Haftstrafe verurteilt wurde. Damals kam es in der Stadt zu Ausschreitungen, von Hetzjagden auf Migranten war die Rede. Zuletzt haben etwa Corona-Proteste das Areal für Kundgebungen genutzt, ebenso wie Klimaaktivisten.
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Das 50-Jahre-Jubiläum feiert Chemnitz am Samstag. Dazu soll eine Stele mit Fakten zu Entstehungsgeschichte und Bedeutung des Denkmals übergeben werden. Am Abend sollen verschiedene Bands die Besucher zum Tanzen und Feiern bringen. Dann ist auch eine Lichtinstallation geplant.
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