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Gründe für die Gaspreis-Explosion – Experten bringen es auf den Punkt

© SNA / Konstantin MichaltschewskiGas im Haushalt
Gas im Haushalt  - SNA, 1920, 06.10.2021
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Am 6. Oktober haben die Gaspreise an der europäischen Strombörse erstmals $1.900 pro 1.000 Kubikmeter erreicht. Seit dem Herbstanfang hat sich der Energiestoffpreis in der Region mehr als verdoppelt. Über die Gründe der Gaspreis-Explosion diskutierten in der Nachrichtenagentur „Rossiya Segodnya“ russische Experten der Energiebranche.
Sie sprachen unter anderem darüber, dass dies vor dem Hintergrund einer bedeutenden Abnahme der Windenergieerzeugung wegen anhaltender Windstille geschehen sei, sowie wegen der niedrigen Befüllung der Gasspeicher auf dem Kontinent im Vorfeld der Heizperiode, des Mangels an LNG und Kohle und der Ungewissheit hinsichtlich der Lieferzeiten und -umfänge von Nord Stream 2.
Laut Leonid Grigorjew, dem Berater des Chefs des Analysezentrums der russischen Regierung, lebt die Weltwirtschaft nach der Krise, die von Lockdowns ausgelöst worden war, allmählich wieder auf. „Der neue Aufschwung hat mit der Herstellung konventioneller Artikel von Hemden bis hin zu Autos eingesetzt und resultierte in einer verstärkten Nachfrage nach Ressourcen. 2021 begann der Preisanstieg bei Metallen, einigen Lebensmitteln und Energieträgern. Zugleich stürzte an den europäischen Energiemärkten die erneuerbare Energieerzeugung ab.“
Diese Analyse ergänzte der Leiter des Zentrums für Energiestudien, Wjatscheslaw Kulagin, durch die Beobachtung, dass zu demselben Zeitpunkt das amerikanische LNG, von hohen Gewinnen angezogen, aus dem europäischen Markt nach Asien abgewandert ist. „Es entstand Mangel an Gas, die Preise kletterten hoch. Darüber hinaus sind die Börsenspekulanten, die den Erdölmarkt angekurbelt haben, jetzt auch am Erdgasmarkt tätig. So sieht die neue Gegebenheit aus, die früher nicht da war. Dazu kommt, dass die Befüllung der europäischen Gasspeicher 20 Prozent unter dem Durchschnittswert der letzten fünf Jahre liegt. Nichts deutet auf eine Verbesserung der Lage hin. Auch dies treibt die Preise.“
Übrigens erinnerte auch Grigorjew daran, dass zu dem Zeitpunkt, als die ganze europäische Politik sich gegen Nord Stream 2 stemmte und stattdessen für Flüssiggas plädierte, die LNG-Lieferungen aus Katar, den USA und anderen Ländern von Europa Richtung Asien abflossen. So ist eben die politische Logik. Darüber wurde nicht berichtet, Politiker schwiegen sich dazu aus. Allein die amerikanischen Gaslieferungen schrumpften um die Hälfte. An die Stelle der transatlantischen Solidarität traten die asiatischen Profite. Die Idee des Umstiegs von Rohr- auf Flüssiggas mag unter gewissen politischen Umständen auch attraktiv wirken, aber aus klimapolitischer Sicht ist es Unsinn, weil beim LNG die Treibhausgasemission um 20 Prozent höher liegt.“
Das Gebäude des Ministeriums für Wirtschaft und Energie in Berlin  - SNA, 1920, 29.09.2021
Sprecherin des Wirtschaftsministeriums: Versorgungssicherheit bei Erdgas ist weiter hoch
Alexander Rahr, Programmdirektor des Deutsch-Russischen Forums und Autor des Buches "Russland gibt Gas", wies gegenüber SNA auf die Situation in Deutschland hin, die von Politikern missachtet wird: „Ohne zusätzliche Gaslieferungen wird man im Winter frieren. Die alternativen erneuerbaren Energiequellen lassen sich nicht voll ausnutzen. Sie werden den Bedarf der deutschen und gesamteuropäischen Produktion nicht decken können. Wir verzichten auf Kohle und Erdöl, doch Gas können wir nicht entbehren. Wie sonst sollen wir die Wohnungen heizen und die Wirtschaft versorgen? Da wir Kohlenkraftwerke schließen, müssen wir Gaskraftwerke bauen. Die Elektrizität muss so oder anders erzeugt werden. Von daher ist das Gas notwendig. Es bestehen aber hohe ideologische und politische Risiken für Nord Stream 2, weil es Kräfte gibt, die sich dieser Ostseepipeline widersetzen.“
Der Energieexperte Kulagin betonte, dass gegenwärtig ein volatiler Erdgasmarkt entstehe, auf dem die Preise hin und her schwanken würden. „Sie würden zwar sinken, aber noch mehrmals die Marke von $1.000 pro 1.000 Kubikmeter knacken. Dabei gibt es nur zwei Treibstoffe, die heute den Markt ausbalancieren können, und zwar Gas und Kohle. Indem es auf Kohle verzichtet, verdammt sich Europa zum Anstieg des Erdgaspreises, weil es sich die Alternative entzieht. Infolge des Umstiegs auf Windenergie verliert der europäische Markt an Flexibilität, da der Wind bald weht, bald ausbleibt, dasselbe betrifft die Solarenergie. Im Winter, bei hoher Nachfrage, scheint die Sonne nicht. Dies bewirkt fürchterliche Preisausschläge am Markt, wobei die technischen Mittel fehlen, um das System flexibel zu machen.“
Der Direktor für den Wirtschaftsbereich des Instituts für Energiewirtschaft und Finanzen in Moskau, Marsel Salichow, der an der Diskussion teilnahm, wies ferner auf die öffentliche Meinung als einen wesentlichen Faktor hin. „Sie wird sich ändern, wenn die Gas- und Stromrechnungen der Verbraucher sich vervielfachen. Die Menschen werden sich genötigt sehen, ihre Meinung von den Vorteilen der grünen Agenda zu revidieren.“
Bei Gazprom, der in erster Linie die Bevölkerung Russlands mit Heizung zu versorgen hat, bestehen langfristige Abkommen mit seinen europäischen Gasabnehmern. Die Verträge mit den deutschen Unternehmen etwa gelten bis Ende der 30er Jahre. Letztere beziehen dementsprechend den russischen Energiestoff zu einem Bruchteil des Marktpreises. Obwohl dieser Wert alle zwei bis drei Jahre revidiert wird, wird der durchschnittliche Exportpreis von Gazprom für Europa beispielsweise in diesem Jahr bei $270 pro 1.000 Kubikmeter liegen. Preise für einzelne Länder werden nicht veröffentlicht.
Hauptquartier der EU-Kommission in Brüssel - SNA, 1920, 06.10.2021
Fünf EU-Länder wollen Rekordanstieg der Gaspreise untersuchen
Zu den führenden deutschen Abnehmern des russischen Erdgases zählt Uniper. Die Firma gehört zu den fünf Investoren von Nord Stream 2. Zwar war am Montag erstmals Gas in die neue Pipeline gefüllt worden (dies war nach Angaben der Nord Stream 2 AG notwendig, bevor der reguläre Transport beginnen kann), aber laut einem Uniper-Sprecher verzögert sich die Zertifizierung der Pipeline. Allem Anschein nach wird diese Pipeline Europa im Winter nicht beistehen können.
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