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„Ein ganz großer Witz in Tüten“: Röttgen gerät bei „Anne Will“ mächtig in Bredouille

© REUTERS / FABRIZIO BENSCHCDU-Politiker Norbert Röttgen
CDU-Politiker Norbert Röttgen - SNA, 1920, 04.10.2021
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Norbert Röttgen war nicht zu beneiden: Bei „Anne Will“ sollte der CDU-Politiker seine Partei trotz der Wahlschlappe als regierungsfähig präsentieren und zugleich das Machtvakuum in der CDU kaschieren. Seine Performance wirkte alles andere als glaubwürdig und streckenweise lächerlich – was beim jetzigen Zustand der Partei gar nicht überraschend war.
Das Thema der Sendung lautete „Scholz und Laschet auf Partnersuche – für wen entscheiden sich FDP und Grüne?“ Dementsprechend waren auch alle vier Parteien am Sonntagabend im ARD-Studio vertreten. Ziemlich schnell stellten aber der FDP-Mann Otto Fricke und der Grünen-Abgeordnete Konstantin von Notz klar, es seien in Wirklichkeit ihre Parteien, die sich den nächsten Kanzler aussuchen dürfen und nicht umgekehrt. Denn zusammen genommen hätten die Liberalen und die Grünen mehr Stimmen bekommen als der Sieger und der Zweitplatzierte, hieß es.
Ob sich die FDP und Bündnis90/Die Grünen, die bisher jahrelang ihre gegenseitige Abneigung kultiviert hatten, untereinander einigen werden, sei dahingestellt. Stark anzunehmen ist allerdings, dass sich beide Parteien jetzt kaum die Chance nehmen lassen, endlich mitregieren zu können.

„Wollen Sie, dass Armin Laschet Kanzler wird?“

Natürlich beteuern heute sowohl die Liberalen als auch die Grünen, entscheidend für sie sei nicht „mit wem“ sie regieren werden, sondern „die Inhalte“, auf die man sich bei den Koalitionsverhandlungen einigen würde. Die Person des Kanzlers wäre für sie angeblich zweitrangig.
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Der Moderatorin Anne Will ging es aber vor allem nicht um „Inhalte“ und Programme, sondern um die Person des nächsten Kanzlers – schließlich wurden beide Namen im Thema des Talks genannt. Die Frage, die sie Norbert Röttgen in der 17. Minute stellte, bildete dann auch den dramaturgischen Höhepunkt der ganzen Sendung:

„Wollen Sie, Herr Röttgen, dass Armin Laschet Kanzler wird?“

Was danach kam, war ein rund dreiminütiger Redestrom, mit dem Röttgen zu suggerieren versuchte, sowohl seiner Partei als auch den deutschen Wahlberechtigten gehe es gar nicht darum, wer der nächste Kanzler wird. „In unserem Land geht es überhaupt nicht darum, wer Kanzler wird“, behauptete er wortwörtlich. Und kurz später: „Es geht auch um den Kanzler, aber bei Weitem nicht nur um den Kanzler“, sondern eben um Inhalte, Programme und Schnittmengen mit anderen Parteien.
Bei Röttgen klang es so, als würde die Union mit den Verhandlungen, um eine Jamaika-Koalition doch noch zustande zu bringen, ein großes Zugeständnis an die FDP und die Grünen machen, die „ihr Gesprächsinteresse ausdrücklich geäußert“ hatten. „Die Union ist in der Pflicht, Gespräche zu führen“, betonte er. Sein Respekt vor dem Wahlergebnis verbiete ihm aber zu sagen: „Wir wollen, dass unser Kandidat Kanzler wird.“

„In der Union herrscht ein Machtvakuum“

Während Röttgen sprach, denunzierte die TV-Kamera die Studio-Gäste, die sich sichtlich bemühten, ihr Gelächter zu unterdrücken. Manuela Schwesig (SPD), Ministerpräsidentin von Mecklenburg-Vorpommern, packte dann ihre Reaktion auf Röttgens Geschwafel in klare Worte:

„Was Sie hier erzählen, ist ein ganz großer Witz in Tüten. Sie wollen einerseits gerne eine Regierung bilden, sagen aber nicht, wer die Regierung anführen soll.“

Was aber auf den ersten Blick unmöglich und absurd erscheint, dürfte in Wirklichkeit eine Option sein, die in den Unionsparteien momentan erwogen wird. Nämlich: Eine Jamaika-Koalition, in der nicht Armin Laschet, sondern ein anderer Unionspolitiker Kanzler werden könnte. Das ließ auch der amtierende Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) zwei Tage zuvor beim TV-Talk „Maybrit Illner“ durchblicken.
„Trauen Sie Armin Laschet noch zu, dass er Kanzler wird?“, fragte ihn die Talkmasterin. Altmaier wich aus, und zwar in der gleichen Manier wie Röttgen: „Das ist eine Frage, die völlig theoretisch ist. Und ich glaube im Übrigen nicht, dass diese Frage die Leute in erster Linie interessiert.“
„Spiegel“-Journalistin Christiane Hoffmann brachte es bei „Anne Will“ auf den Punkt:

„In der Union gibt es ein Machtvakuum. Das drückt sich dadurch aus, dass alle wissen, dass es mit Laschet nicht weitergehen wird, aber keiner sagt es wirklich und es gibt nur dieses verklausulierte ‚Erneuerung‘ und ‚neues Personal‘, was ja übersetzt heißt: Armin, tritt in die Kulisse!“

Als CDU-Präsidiumsmitglied dürfte sich Röttgen durchaus Chancen einräumen, Laschet schon in naher Zukunft von der Spitze der Partei zu verdrängen. Genauso wie seine potentiellen Rivalen wie etwa Friedrich Merz oder Jens Spahn wartet er nur auf den richtigen Moment, sich hervorzutun. Mit seinem ungelenken Auftritt bei „Anne Will“ hat er aber kaum als glaubwürdiger zukünftiger CDU-Vorsitzender punkten können.
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