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Jedes achte Krankenhaus in Insolvenzgefahr: Deutsche Krankenhausgesellschaft fordert Reformen

© CC0 / vitalworks / PixabayKrankenhaus (Symbolbild)
Krankenhaus (Symbolbild) - SNA, 1920, 04.10.2021
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Die Deutsche Krankenhausgesellschaft fordert eine neue Bundesregierung zu umgehenden Reformen zur Stabilisierung der Krankenhausversorgung auf. Bund und Länder müssten jetzt gemeinsam handeln.
Die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) appelliert an die zukünftige Bundesregierung, die Krankenhausversorgung kurzfristig zu stabilisieren und einen nachhaltigen Reformprozess für die Kliniken zu ermöglichen. Eine ganze Reihe unabhängiger ökonomischer Studien warnen vor Klinikinsolvenzen im Jahr 2022, wenn die Politik nicht handele.
„Die Menschen hätten kein Verständnis, wenn jetzt das Krankenhaus in ihrer Nähe gefährdet ist, weil die Politik trotz dieser bekannt schwierigen Lage nicht handelt“, so DKG-Präsident Ingo Morell. Laut dem Krankenhaus-Rating-Report des RWI ist derzeit jedes achte Krankenhaus akut insolvenzgefährdet. „Es darf nicht dazu kommen, dass aus wirtschaftlicher Not Krankenhäuser im Vorfeld einer echten Strukturreform schließen müssen“, so Morell.

Bund und Länder müssen dringend handeln

Die Pandemie zeige nachdrücklich, dass die Pflege umgehend ein starkes Signal von der Politik erwartet. Morell erklärt, was genau: „Wir fordern eine neue Bundesregierung auf, die bundesweite Pflegepersonalbedarfsbemessung einzuführen, die der Deutsche Pflegerat, ver.di und die DKG gemeinsam entwickelt haben. Wir brauchen ein klares Zeichen an die Pflegenden, dass ihre Arbeitsbelastung wahr- und ernstgenommen wird und die Politik konkret und kurzfristig Schritte ergreift, um dem Personalmangel entgegenzuwirken. Darüber hinaus ist es dringend geboten, den Krankenhäusern kurzfristig auch für das Jahr 2022 Sicherheit zu geben. Die Pandemie-Sonderregelungen werden auslaufen, die Pandemie wird aber selbst mit geringeren Zahlen weiterhin extremen Einfluss auf das Leistungsgeschehen der Krankenhäuser und damit direkt auf deren Liquidität haben.“
Mit Blick auf die kommenden vier Jahre richtet der Vorstandsvorsitzende der DKG, Gerald Gaß, einen eindringlichen Appell an die kommende Bundesregierung:
„Wir brauchen nun unverzüglich ein gemeinsames und abgestimmtes Handeln zwischen der Bundesregierung und den Ländern. Das Klein-Klein nicht enden wollender Reformen ohne wirkliche Zielperspektive muss gestoppt werden. Wenn der Bund und die Länder ihr Ziel in der Krankenhauspolitik nicht definieren und offen kommunizieren, werden wir auch in den kommenden vier Jahren ohne Kompass herumirren“, so Gaß.
“Auch die Menschen im Land haben gerade jetzt nach den Pandemieerfahrungen einen Anspruch darauf, zu erfahren, wohin die Politik die Krankenhäuser steuern will. Wir fordern Bund und Länder auf, eine gemeinsame Vorstellung einer Versorgungslandschaft zu entwickeln. Wir brauchen eine Bund-Länder Zukunftskommission Krankenhaus. Die Deutsche Krankenhausgesellschaft erneuert dabei ausdrücklich ihr Angebot, an dieser Gestaltungsaufgabe aktiv und unterstützend mitzuwirken.“

Entscheidungsträger dürfen „sich nicht weiter wegducken“

Von größter Bedeutung für die Krankenhäuser sei, dass die politischen Entscheidungsträger sich nicht weiter wegducken, sondern die Versorgung aktiv planen. Der kalte Strukturwandel führe dazu, dass Versorgungslücken entstehen und dringend bedarfsnotwendige Krankenhäuser in Insolvenzgefahr schweben würden. Das hätte weitreichende Folgen für die Menschen und ihre Gesundheitsversorgung. Politik müsse aber letztverantwortlich dafür sorgen, dass die Daseinsvorsorge gewährleistet sei.
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„Dabei geht es nicht darum, jedes Krankenhaus, jeden Standort und jedes Bett zu erhalten, sondern vielmehr um aktive Steuerung und Planung. Wir benötigen das Zusammenspiel aus Zentralisierung komplexer Behandlungen und wohnortnaher Gesundheitsversorgung. Auch die dringend notwendige Reform der ambulanten Notfallversorgung muss über Sektorengrenzen hinweg gedacht und umgesetzt werden. Wir brauchen hier bundesweite Vorgaben und gleichzeitig die Öffnung für länderspezifische Lösungen. Es gibt gute Kooperationen, die nicht durch eine Reform zerstört werden dürfen. Zugleich muss die dauerhafte Unterfinanzierung der ambulanten Notfallversorgung beseitigt werden“, erklärte der Vorstandsvorsitzende Gaß.

Regionale Netzwerke als Blaupause

Nur mit einem offenen, demokratischen und transparenten Diskurs könne breite Akzeptanz geschaffen werden, sowohl bei den betroffenen Akteuren als auch in der Bevölkerung. Akzeptanz sei aber notwendig, um echte Strukturveränderungen zu erreichen.
Für diese neue deutsche Kliniklandschaft seien die regionalen Netzwerke, die sich gerade in der Pandemie bewährt hätten, eine Blaupause. „Krankenhäuser sollen und wollen enger zusammenarbeiten, um die Versorgung der Patienten in hochspezialisierten Zentren und in der Fläche gemeinsam gut und sicher zu leisten“, so Gaß.
Die neue Bundesregierung müsse auch ein neues Kapitel in der sektorenübergreifenden Versorgung aufschlagen. „Wichtig ist, dass die ambulanten Fähigkeiten der Krankenhäuser im Interesse der Patienten vollständig genutzt werden. Wir haben spürbare Lücken in der Versorgungslandschaft, gerade im ambulanten Bereich. Die Menschen müssen oft Monate auf Facharzttermine warten, und die Erreichbarkeit der ambulanten Notfallpraxen ist vielfach aus Sicht der Patienten unbefriedigend. Die Gleichwertigkeit der Lebensverhältnisse in Stadt und Land kann nur gewährleistet werden, wenn wir die Potenziale der Krankenhäuser auch flächendeckend nutzen“, betonte Gaß.

Fehlende Investition: „Schweres Versäumnis zu Lasten der Patienten“

Um die Krankenhausversorgung dauerhaft zu sichern, müsse auch das gesamte Finanzierungssystem dringend umgebaut werden. Die reine Leistungsorientierung des DRG-Systems sei nicht krisenfest und benachteilige dringend benötigte Krankenhausstandorte. Die Pandemie habe dies mehr als deutlich unter Beweis gestellt. Aber nicht nur Pandemie und weitere Ausnahmeereignisse wie die Überschwemmungen würden verdeutlichen, dass der reine Leistungsbezug zu kurz greife. Das DRG-System müsse um Vorhaltekomponenten ergänzt werden. Und neben den schon angesprochenen kurzfristigen Maßnahmen der Investitionsfinanzierung bedürfe es nachhaltiger und verlässlicher Investitionsmittel durch die Länder. Nur mit diesen Mitteln werde der dringend notwendige Schub für die Digitalisierung möglich sein.
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„Das Defizit der Investitionsfinanzierung durch die Länder ist seit vielen Jahren ein schweres Versäumnis, das zu Lasten der Patienten geht. Dringend notwendige Finanzmittel für Personal in der Patientenversorgung müssen von den Krankenhäusern in Investitionen umgeschichtet werden, um diese Lücken auszugleichen. Das ist ein Umstand, den die Bundesländer kennen und dennoch nicht handeln“, warnte der DKG-Vorstandsvorsitzende Gaß.
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