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Whistleblowerin Frances Haugen: „Facebook stellt seinen Profit über unsere Sicherheit “

© REUTERS / Robert Fortunato/CBS News/60MINUFrances Haugen spricht mit Scott Pelley in der CBS-Sendung
Frances Haugen spricht mit Scott Pelley in der CBS-Sendung - SNA, 1920, 04.10.2021
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Eine ehemalige Facebook-Mitarbeiterin, die zahlreiche interne Dokumente in den letzten Wochen Medien durchsickern ließ, hat ihre Identität preisgegeben. Die Enthüllungen könnten für das Unternehmen zu Konsequenzen durch Aufsichtsbehörden führen.
Als Motivation für die Entlarvungen nannte die frühere Produktmanagerin in der CBS-Sendung „60 Minutes“ am Sonntagsabend „eine zerbrochene Freundschaft über Internet-Verschwörungstheorien“. Um gegen Desinformation vorzugehen, hatte Haugen eine Reihe interner Memos und Dokumente kopiert, bevor sie das Unternehmen Anfang des Jahres verließ. Früher arbeitete die 37-Jährige bei Google und anderen Tech-Unternehmen.
„Die heutige Version von Facebook reißt unsere Gesellschaften auseinander und verursacht ethnische Gewalt auf der ganzen Welt“, sagte Haugen in Bezug auf Myanmar, wo das Militär die Plattform benutzt haben soll, um einen Völkermord im Jahr 2018 zu begehen. Der Grund des Problems sei laut der Whistleblowerin die Änderung der Algorithmen für die Facebook-Newsfeeds, die im gleichen Jahr vorgenommen wurde.
Demnach werden die Inhalte für Nutzer so optimiert, dass man öfter die Beiträge sieht, die Engagement und Reaktionen hervorrufen. Nach internen Untersuchungen des IT-Riesen seien diese jedoch nicht selten „Inhalte, die hasserfüllt, spaltend und polarisierend sind“. Man könne Menschen „leichter zur Wut anregen als zu anderen Emotionen“, erklärt Haugen im Interview. Fehlinformationen und wütende Inhalte seien deshalb für Menschen verlockend und hielten sie länger auf der Plattform.
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Das Unternehmen erkannte laut Haugen die damit verbundenen Gefahren angesichts der Präsidentschaftswahlen 2020 und schaltete Sicherheitssysteme ein, um Fehlinformationen zu reduzieren. Viele dieser Änderungen waren allerdings vorübergehend: „Sobald die Wahl vorbei war, haben sie diese wieder abgeschaltet (...), um dem Wachstum Vorrang vor der Sicherheit zu geben“. Das komme der Whistleblowerin wie ein Verrat an der Demokratie vor, unter anderem auch weil die Plattform kurz darauf bei der Erstürmung des US-Kapitols am 6. Januar verwendet wurde.
„Es gab Interessenkonflikte zwischen dem, was gut für die Öffentlichkeit war, und dem, was gut für Facebook war. Und es hat sich immer wieder dafür entschieden, seine eigenen Interessen zu optimieren, wie etwa mehr Geld zu verdienen“, so Haugen.
Zu den Enthüllungen gehörten zudem Dokumente, aus denen hervorging, dass Prominente, Politiker und hochrangige Facebook-Nutzer von dem Unternehmen unterschiedlich behandelt wurden. Auf solche Konten sollen die Moderationsrichtlinien anders oder gar nicht angewandt worden sein. Laut einem anderen Leck war Facebook mit einer komplexen Klage von einer Gruppe seiner eigenen Aktionäre konfrontiert.
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Besorgniserregend sind auch die Anschuldigungen über Instagram. Interne Untersuchungen von Facebook, das die Plattform im Jahr 2012 gekauft hatte, ergaben, dass Instagram die psychische Gesundheit von Teenagern beeinträchtige. Dem Tech-Giganten wird vorgeworfen, die Ergebnisse nicht veröffentlicht zu haben, weil diese nahelegten, dass Instagram für viele Jugendliche ein „toxischer“ Ort sei.
Facebooks Vizepräsident für globale Angelegenheiten, Nick Clegg, wies die Vorwürfe gegenüber dem TV-Sender CNN am Sonntag zurück. Die Behauptungen, dass das Unternehmen für die Gewalt am 6. Januar mitverantwortlich sei, nannte er „lächerlich“. Die Spitzenmanager des Unternehmens, Mark Zuckerberg und Sheryl Sandberg, äußerten sich zu den Enthüllungen bislang nicht.
Frances Haugen soll am Dienstag eine Aussage über die Verwendung von Algorithmen durch das Unternehmen vor dem US-Kongress tätigen. Es geht insbesondere um die Ereignisse vor dem US-Kapitol am 6. Januar.
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