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Mord an Sarah Everard: Polizei gerät nach „lächerlichen“ Empfehlungen für Frauen ins Kreuzfeuer

© REUTERS / HENRY NICHOLLSDie Leiterin der Metropolitan Police Force, Cressida Dick bei einer Pressekonferenz
Die Leiterin der Metropolitan Police Force, Cressida Dick bei einer Pressekonferenz - SNA, 1920, 02.10.2021
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Die Empfehlungen, die die Polizeibehörde von Greater London für Frauen als Reaktion auf den Mord an Sarah Everard durch einen Polizisten herausgegeben hat, stoßen auf scharfe Kritik. Dies meldeten Internationale Nachrichtenagenturen.
„Die Erklärung der Met und insbesondere diese Ratschläge zeigen einen grundlegenden Mangel an Einsicht in das Problem der Sicherheit von Frauen beim Umgang mit der Polizei. Sie 'erkennt' nicht einmal das enorme Machtungleichgewicht zwischen einem Polizeibeamten und einer Person, die festgenommen wird“, twitterte die feministische Women's Equality Party.
Zuvor hatte die Metropolitan Police Empfehlungen für Frauen herausgegeben mit der Überschrift: „Unsere Antwort auf die Fragen, die durch die Verbrechen von Wayne Couzens aufgeworfen wurden“. Das Dokument empfiehlt den Frauen, die befürchten, dass sie es mit einem männlichen Polizeibeamten zu tun haben, der nicht echt sein könnte, man solle die Nummer 999 anrufen oder „einem Passanten zurufen, in ein Haus laufen oder einen Bus heranwinken“, um Hilfe zu erhalten.
Außerdem sei es „ungewöhnlich ..., dass ein einzelner Polizeibeamter in Zivil“ mit einem Mitglied der Öffentlichkeit zu tun habe, klärte die Polizei auf. Falls keine anderen Beamten eintreffen, könne dem sich verdächtig benehmenden Beamten Fragen gestellt werden: „Wo sind Ihre Kollegen?“ oder „Warum sind Sie hier?“

„Die Verantwortung wird wieder auf die Frauen gelegt“

Die schottische Regierungschefin Nicola Sturgeon bezeichnete die Kommentare der Polizei, denen zufolge sich Sarah Everard hätte darüber im Klaren sein müssen, dass ihr Mörder sie nicht habe anhalten dürfen, „empörend“ und betonte das Problem der männlichen Gewalt. „Es liegt nicht an Frauen, dies zu ändern. Wir sind es nicht, die sich ändern müssen. Das Problem ist die männliche Gewalt, nicht das ‚Versagen‘ der Frauen, immer einfallsreichere Wege zu finden, um sich dagegen zu schützen. Damit sich etwas ändern kann, muss dies von allen akzeptiert werden“, äußerte sie in einer Twitter-Mitteilung.
Die Abgeordnete Jess Phillips, Sprecherin für häusliche Gewalt und Schutzmaßnahmen der oppositionellen Labour-Partei , sagte nach Angaben der Nachrichtenagentur AP, die Behörden müssten eine umfassende Strategie zum Schutz von Frauen entwickeln, anstatt sie immer wieder aufzufordern, mehr für ihren eigenen Schutz zu tun.
„Ehrlich gesagt, könnte ich schreien, wenn ich an das Aussaß der Sachen denke, die Frauen empfohlen werden“, sagte sie gegenüber dem Sender BBC. Sarah Everard habe sich völlig sicher verhalten, behauptete Philips. „Sie hat genau das getan, was jede Frau tun würde, und trotzdem ist ihr das passiert. Es ist Pflicht der Metropolitan Police, es besser zu machen.“'
Die Labour-Abgeordnete Bell Ribeiro-Addy äußerte hinsichtlich der Polizei-Empfehlungen, sie würden „genau in die abscheulichen Kultur der Opferbeschämung“ hineinpassen, „die wir so oft erleben, wenn Frauen angegriffen werden“.
„Es ist nicht unsere Aufgabe, für unsere Sicherheit zu sorgen, wenn wir von der Polizei kontaktiert werden. Es ist die Aufgabe der Met, ihr Haus in Ordnung zu bringen und keine Männer mehr einzustellen, die Frauen angreifen“, schrieb sie auf Twitter. Man wolle wissen, was die Hauptstadtpolizei unternehme, um die tief verwurzelten Probleme mit Gewalt gegen Frauen innerhalb der Behörde anzugehen.
Die „völlig lächerlichen“ Empfehlungen der Polizei würden zeigen, dass die Polizeibeamten „das Problem immer noch nicht ernst nehmen“, so Riberro-Addy weiter. „Und sie wundern sich, warum das Vertrauen auf einem historischen Tief liegt?“, twitterte sie.
Auch die Frauenrechtsorganisation „Reclaim These Streets“, die nach dem Mord an Everard Proteste und eine Mahnwache organisiert hatte, ist der Ansicht, es sei keine Aufgabe von Frauen, ihre eigene Sicherheit zu gewährleisten: „Wieder wird die Verantwortung auf die Frauen gelegt, sich selbst zu schützen – und was noch schlimmer ist, dass sie sich vor den Menschen schützen sollen, die sie beschützen sollen“, wird die Organisation von der Nachrichtenagentur DPA zitiert.
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Die Ex-Vorsitzende der schottischen Teilorganisation der Conservative Party, Ruth Davidson, zeigt sich von den Empfehlungen der Polizei tief enttäuscht: „Das ist so furchtbar. Wenn jemand glaubt, dass er sich in ‚realer und unmittelbarer Gefahr‘ befindet - 'von einem Polizeibeamten' - muss er einen Bus anhalten oder an die Türen klopfen. Schrecklich“, schrieb sie auf Twitter.
Die Frauenrechtsaktivistin Patsy Stevenson, die im März bei einer Mahnwache für Everard verhaftet worden war, verurteilte die Ratschläge der Polizei scharf: Diese seien „nahezu lächerlich, wenn sie nicht so ekelhaft wären“, zitiert die Nachrichtenagentur AFP die Aktivistin.

Mörder von Sarah Everard verurteilt

Der britische Polizist Wayne Couzens war am Donnerstag wegen der im März verübten Entführung, Vergewaltigung und Ermordung der 33-jährigen Sarah Everard zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Der 48-Jährige griff sein Opfer an, als sie unterwegs von ihrer Freundin nach Hause war.
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