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„Eher Demut als Breitbeinigkeit“: Politische Brautwerbung im ZDF-Talk

ZDF (Symbolbild) - SNA, 1920, 01.10.2021
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TV-Talks wie den jüngsten bei „Maybrit Illner“ werden wir noch etliche erleben, solange die Regierung noch nicht steht. Grüne, FDP, SPD und die Union werden ihre Vertreter ins Fernsehstudio schicken, die zwar viel sprechen, aber wenig sagen werden.
„Wir werden in Talkshows keine Koalitionsverhandlungen führen", betonte SPD-Vizechef Hubertus Heil am Donnerstagabend bei dem ZDF-Talk. Was er dann im Laufe der Sendung vorführte, lässt sich aber ohne weiteres als aufdringliches Liebäugeln mit den designierten „Königsmachern“ – der FDP und den Grünen – beschreiben.
„Wir haben unterschiedliche Größen, aber es geht um eine Partnerschaft auf Augenhöhe“, sagte er. „Und wir können auch einen neuen Stil in dieser Regierung bilden, miteinander.“ Die „Ampel“-Koalition, die die SPD nun anstrebe, werde „eine Koalition der Fortschrittsparteien“ sein. Und: „Ich sehe Konzepte bei der FDP, die gar nicht so unähnlich sind wie bei den Grünen und bei uns", so Heil.

„Olaf Scholz wird ein anderer Bundeskanzler sein als Gerhard Schröder“, versprach Heil. „So Dinge, die damals gesagt wurden: Koch und Kellner – das ist absolut vorbei.“

Als Krönung dieser Annäherungsversuche an die potentiellen Junior-Partner in der „Ampel“-Koalition gebrauchte der Immer-Noch-Arbeitsminister in der Groko ein Zitat von seinem Kanzlerkandidaten Scholz, das genauso schwülstig wie banal klingt: „Wir wollen so regieren, dass es dem Land dient.“

„Möglich, dass Scholz noch scheitert“

Katrin Göring-Eckardt, Fraktionschefin der Grünen, zeigte sich von Heils Annäherungsversuchen wenig beeindruckt: „Das werden harte Verhandlungen“ mit der SPD. „Man sollte nicht so tun, als wenn wir uns die Wattebäusche zuwerfen.“
Immerhin ist die „Jamaika“-Option noch nicht vom Tisch. „Natürlich ist es möglich, dass Olaf Scholz noch scheitert“, meinte der „Spiegel“-Autor Markus Feldenkirchen. „Deshalb ist für die SPD auch eher Demut als Breitbeinigkeit angeraten.“
CDU-Chef Armin Laschet (Archivbild) - SNA, 1920, 14.09.2021
Karrierefalle Kanzlerkandidat – Wohin mit Armin Laschet?
„Mehr Demut“ sei jetzt auch für die Unionsparteien angesagt, äußerte der amtierende Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU). „Nach einigen Irritationen am Wahlabend bedeutet das, wir reklamieren keinen Regierungsanspruch, stehen aber zu Gesprächen zur Verfügung.“

„Jamaika“ ohne Laschet?

„Trauen Sie Armin Laschet noch zu, dass er Kanzler wird?“, fragte ihn die Talkmasterin. Erwartungsgemäß wich Altmaier aus: „Das ist eine Frage, die völlig theoretisch ist. Und ich glaube im Übrigen nicht, dass diese Frage die Leute in erster Linie interessiert.“
Oh doch. Die jüngste Wahl war, wie alle Beobachter festgestellt haben, außerordentlich personenbezogen. Altmaier weiß das besser als sonst jemand: Gerade in seinem Parteilager wurde bis kurz vor knapp diskutiert, ob der Kanzlerkandidat der Union im Interesse einer besseren Stimmernte ausgetauscht werden soll.

„Armin Laschet ist in einer ganz seltsamen Situation“, stellte der stellvertretende „Welt“-Chefredakteur Robin Alexander fest. „Er kann immer noch theoretisch Kanzler werden (…) Wenn er das nicht schafft, ist er eigentlich politisch tot.“

In gleichem Atemzug wagte der Journalist eine kühne Prognose: Die CDU könnte noch im Zuge der Koalitionsverhandlungen eine „Neuaufstellung“ präsentieren – ohne Laschet. Und: „Nach einer Neuaufstellung könnte die Union vielleicht noch glaubwürdiger für ‚Jamaika‘ werben.“ Hinzu komme, dass sowohl die Grünen als auch die FDP bei Verhandlungen über eine „Jamaika“-Koalition „eine Menge herausholen“ könnten – wesentlich mehr als beim Feilschen um die „Ampel“.
Quasi als Bestätigung einer solchen Hypothese wurde eine genauso gewagte Äußerung von FDP-Vize Wolfgang Kubicki eingeblendet:

„Ich vermute, dass Armin Laschet diese Woche nicht überstehen wird.“

Bundespräsidentin Göring-Eckhardt?

Spekuliert wurde kürzlich auch über noch einen angeblichen Trumpf, der im politischen Ränkespiel um Schwarz-Grün-Gelb ausgespielt werden könnte: Damit die Grünen einer „Jamaika“-Koalition zustimmen, werde Katrin Göring-Eckardt von Union und FDP 2022 als Kandidatin für das Amt der Bundespräsidentin vorgeschlagen – mit ziemlich gesicherten Erfolgschancen.
„Man sagt, man könnte versuchen, Sie mit dem Bundespräsidentenjob zu locken in dieses Jamaika-Bündnis hinein. Haben Sie darüber schon nachgedacht?“, fragte die Moderatorin die Grünen-Fraktionschefin. Sie antwortete: „Nö.“
Natürlich bleibt es jedem überlassen, dieser Antwort Glauben zu schenken oder nicht. Dass aber Göring-Eckardt darüber nicht einmal „nachgedacht“ hat, erscheint doch ziemlich seltsam.
Auch ansonsten war es ein Abend, an dem keine der Seiten sich in die Karten schauen ließ. Solche Talkshows werden die Zuschauer noch etliche erleben, solange der Kuhhandel um die künftige Koalition im Gange ist.
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