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Wegen Beihilfe zu NS-Massenmord: Ehemalige KZ-Sekretärin steht vor Gericht

© AFP 2021 / AXEL HEIMKENDer Gerichtssaal
Der Gerichtssaal - SNA, 1920, 30.09.2021
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Nach fünf Jahren Ermittlungen will ein deutsches Gericht die heute 96-jährige Stenotypistin mit brauner Vergangenheit endgültig zur Rechenschaft ziehen. Irmgard F. wird das Leisten der Beihilfe zum Mord in 11.000 Fällen im KZ Stutthof zur Last gelegt. Heute soll sie vor Gericht kommen. Darüber schreibt die Pressestelle des Landgerichts Itzehoe.
Irmgard F. arbeitete von Juni 1943 bis April 1945 in der Kommandantur des deutschen Konzentrationslagers Stutthof bei Danzig. Sie wird als Stenotypistin und Schreibkraft des Mitwirkens bei der systematischen Tötung von Gefangenen im Lager bezichtigt.
Die Ermittlungen gegen die ehemalige Sekretärin liefen seit 2016. Im Februar war gegen sie eine Anklage erhoben worden. Zuständig für den Fall sei die Jugendkammer, weil die Frau zum Zeitpunkt der Taten heranwachsend im Sinne des Jugendgerichtsgesetzes (JGG) war, wie aus der Mitteilung folgt. Es sei ein sehr komplexes und aufwendiges Verfahren, bei dem Zeugen in den USA und in Israel vernommen wurden. Auch ein Historiker wurde mit Nachforschungen beauftragt, hieß es laut einem Sprecher der Staatsanwaltschaft im Februar.
Die Hauptverhandlung soll am Donnerstag um 10:00 Uhr deutscher Zeit im Landgericht Itzehoe anfangen. Nach Angaben der Behördenpressestelle sind bisher 27 Sitzungstage bis 07. Juni 2022 bestimmt.

Mordmaschinerie KZ Stutthof

Im KZ Stutthof und seinen Nebenlagern sowie auf den sogenannten Todesmärschen zu Kriegsende waren laut der für die Aufklärung von NS-Verbrechen zuständigen Zentralstelle in Ludwigsburg etwa 65.000 Menschen ums Leben gekommen.
Im Juli 2020 hatte das Landgericht Hamburg einen ehemaligen Wachmann in Stutthof zu zwei Jahren auf Bewährung verurteilt. Das Gericht sprach den 93-Jährigen wegen Beihilfe zum Mord in 5230 Fällen schuldig – mindestens so viele Gefangene wurden nach Überzeugung der Strafkammer während der Dienstzeit des Angeklagten 1944/45 in Stutthof umgebracht.
Die meisten Opfer waren in Folge der lebensfeindlichen Bedingungen im sogenannten Judenlager von Stutthof gestorben. Mindestens 200 waren in der Gaskammer und einem verschlossenen Eisenbahnwaggon mit Zyklon B umgebracht worden. 30 waren in einer geheimen Genickschussanlage im Krematorium des Lagers getötet worden.
„Sie haben diesem Sterben zugesehen damals und es bewacht“, hatte die Vorsitzende Richterin, Anne Meier-Göring, in der Urteilsbegründung gesagt.
Menschen stehen hinter dem Tor mit der Aufschrift Arbeit macht frei im NS-Todeslager Sachsenhausen (Symbolbild) - SNA, 1920, 09.09.2021
An 3518 Morden beteiligt: 100-jähriger ehemaliger KZ-Wächter kommt vor Gericht
Der Angeklagte Bruno D. hatte nach eigenen Angaben mit einem Gewehr auf den Wachtürmen Dienst geleistet. Sein Verteidiger, Wolf Molkentin, sagte dem Magazin „Spiegel“, Beihilfe zu tausendfachen Mord könne auch vom Schreibtisch aus erfolgen. Bei einer Schreibkraft könnte die Messlatte für eine strafrechtliche Verantwortung jedoch höher anzulegen sein.
„Vorliegend wird es auch darauf ankommen, ob eine Kenntnis von den Mordmerkmalen, Grausamkeit oder Heimtücke, vorlag. Sonst bliebe nur Beihilfe zum Totschlag, das wäre dann verjährt.“
Die beiden Prozesse sollen nun vor einer Jugendkammer stattfinden.
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