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„Ok, unentschieden!“: Bei TV-Runden will sich die Union nicht geschlagen geben

© REUTERS / POOLCSU-Vorsitzender Markus Söder und CDU-Chef Armin Laschet im TV-Talk am 26. September 2021
CSU-Vorsitzender Markus Söder und CDU-Chef Armin Laschet im TV-Talk am 26. September 2021 - SNA, 1920, 27.09.2021
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In der „Elefantenrunde“ nach der Bekanntgabe der Hochrechnungen und in den anschließenden TV-Talks hat sich die Union bemüht, ihr Debakel schönzureden. Während Grüne und FDP zu verstehen gaben, sie würden den künftigen Kanzler untereinander vereinbaren. Aber auch eine „Weiter so“-Option soll weiterhin als aktuell gelten.
CSU-Chef Markus Söder hat zu Beginn der „Elefantenrunde“ am Wahlabend ein Beispiel geliefert, wie man ein Wahldebakel schönreden kann. Es sei in letzter Zeit viel über „das Modell Rot-Rot-Grün“ gesprochen worden, sagte er. „Und dieses Modell hat heute eine Klatsche bekommen, und das ist auch eine Klatsche für Olaf Scholz.“ Denn es sei der SPD-Kanzlerkandidat gewesen, der dieses Modell als mögliche Regierungsoption ins Gespräch gebracht habe.

Union verhalf Scholz mit „Rot-Rot-Grün“-Schreckgespenst zum Sieg

Dabei war es die Union gewesen, die im Laufe der ganzen Kampagne das Schreckgespenst Rot-Rot-Grün als Wahlkampfwaffe gegen die SPD eingesetzt und Scholz eine Affinität mit den Linken zugeschrieben hat. „Rot-Grün-Rot war die letzte Patrone der CDU, diese Gefahr an die Wand zu werfen“, behauptete der SPD-Veteran Sigmar Gabriel einige Stunden später bei „Maybrit Illner“. Dies sei aber nie eine Option für Scholz gewesen.
Das Angstschüren mit Rot-Rot-Grün dürfte nicht ganz ohne Wirkung geblieben sein. Laut Statistiken, die am Sonntagabend im Fernsehen gezeigt wurden, wanderten bis zu 600.000 bisherige Linke-Stimmen am Wahltag zu den Sozialdemokraten rüber. Im Klartext: Mit ihren Angstbotschaften hatte die Union zwar zum Untergang der Linkspartei beigetragen, zugleich aber Scholz ganz spürbar zum Wahlsieg verholfen.
„Ich habe so viele in meinem Freundes- und Bekanntenkreis, die aus Mitleid die CDU gewählt haben – damit es nicht Rot-Rot-Grün wird“, stichelte der FDP-Mann Alexander Graf Lambsdorff den „Maybrit Illner“-Studiogast Norbert Röttgen (CDU). „Sonst hätten wir und die Grünen noch besser abgeschnitten.“
Auch CDU-Chef Armin Laschet war in seiner ersten Ansprache nach der Bekanntgabe der Hochrechnungen bemüht, eine gute Miene zum bösen Spiel zu machen: „Wir haben als Union von unseren Wählern und Wählerinnen einen klaren Auftrag erhalten, eine Stimme für die Union ist eine Stimme gegen eine linksgeführte Bundesregierung“, sagte er. Deshalb „werden wir alles daran setzen, eine Bundesregierung unter Führung der Union zu bilden“.
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„Grüne und Liberale können miteinander ausmachen, wer unter ihnen Kanzler wird“

Eine „Bundesregierung unter Führung der Union“ kann es zwar trotz des miserabelsten Abschneidens der Unionsparteien in deren gesamter Geschichte in der Tat immer noch geben. Die Entscheidung darüber liegt aber nicht mehr in Laschets Händen. Über den nächsten Kanzler werden die Grünen und die FDP entscheiden, ohne die nun keine neue Regierung gebildet werden kann. Es gebe keine Volksparteien mehr, sondern „vier mittelgroße Parteien“, postulierte FDP-Chef Christian Lindner in der Elefantenrunde. „Wir sind eigenständig!“
Ok, in Wirklichkeit sind es fünf – immerhin hat die AfD ebenfalls ein zweistelliges Resultat erzielt, nur ein Prozent hinter der FDP. Dass sie sich nicht an der Regierungsbildung beteiligt, steht auf einem anderen Blatt.
Nun werden sich die Grünen und die Gelben zunächst untereinander einigen und ihre Wunschziele für die künftige Regierungskoalition untereinander abstimmen müssen, was an und für sich keine leichte Aufgabe zu sein scheint. Lindner neigt bekanntlich zu „Jamaika“ (Schwarz-Grün-Gelb). Die Grünen mit Annalena Baerbock an der Spitze werden eher dem linken Flügel zugerechnet. Scholz hat „Rot-Grün“ bereits mehrmals zu seiner „Wunsch-Koalition“ erklärt. Ob sich aber die FDP zu einer „Ampel“-Koalition (Rot-Grün-Gelb) überreden lässt, steht noch offen.

„Spitz gesagt: Grüne und Liberale können jetzt miteinander ausmachen, wer unter ihnen Kanzler wird“, kommentierte der Elefantenrunde-Moderator und ZDF-Chefredakteur Peter Frey das Ergebnis der Bundestagswahlen.

Oder doch „Weiter so“?

Bei „Anne Will“ vertrat Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) am Wahlabend die Verlierer-Partei. Er räumte zwar ein, dass das Wahlergebnis in Ostdeutschland „ein Desaster“ gewesen sei, wollte aber im Gesamtresultat keinen klaren Regierungsauftrag für eine Partei sehen. „Wir haben ein Ergebnis, wo wir faktisch keinen heraustragenden Sieger haben“, hieß es. „Wir sollten jetzt nicht so tun, als ob wir einen absoluten Neustart machen.“

„Auch eine große Koalition ist nicht des Teufels. Es ist doch nichts Schlimmes, wenn zwei mittelgroße Parteien auch überlegen, was man in den nächsten vier Jahren machen kann“, sagte er.

Quasi als Bestätigung dieser Worte blendete die „Anne Will“-Regie eine Umfrage ein, laut der sich eine Mehrheit der Deutschen in der Tat eine Fortsetzung der großen Koalition wünsche. Der CDUler Röttgen argumentierte eine Stunde später bei „Maybrit Illner“ ähnlich: „Politisch gesehen ist es gerade ein Gleichstand.“
Nikolaus Blome, früherer „Bild“-Vizechef und heute Politikressort-Leiter bei RTL, kommentierte die Reaktion der Union auf das Wahldebakel mit bissiger Ironie:

„Ein kleines Bisschen erinnern CDU/CSU an den schwarzen Ritter aus Monty Python, der am Ende, übel zugerichtet, ruft: ‚Ok, unentschieden!‘“

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