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Curevac-Studienleiter will letzte Verweigerer vom Impfen überzeugen

Curevac - SNA, 1920, 25.09.2021
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Sollen ab Früjahr 2022 Kinder ab fünf geimpft werden, obwohl sie Covid-19 gut, meist sogar asymptomatisch überstehen? Nicht, solange ältere Menschen in großen Teilen der Welt ungeschützt sind, sagt Tropenmediziner und Curevac-Studienleiter Peter Kremsner. Denn die sind wirklich gefährdet.
Herr Kremser, die 12- bis 17-Jährigen können bereits geimpft werden. Im ersten Quartal 2022 erwartet Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU), dass auch für Kinder unter zwölf Impfungen möglich werden. SPD-Politiker Karl Lauterbach warnt vor schweren Verläufen und der Gefahr von „Long-Covid“ bei Kindern sowie unbekannten Folgen einer Covid-19-Erkrankung. Was sagen Sie dazu? Sind Kinder und Jugendliche von einer Covid-19 Erkrankung ernsthaft gefährdet oder nicht?
Mit den uns verfügbaren Unterlagen ist Covid-19 keine große Bedrohung oder überhaupt irgendeine Bedrohung für gesunde Kinder, die nennenswert wäre. Und wenn manche wie Karl Lauterbach das Unbekannte beschwören, dann kann ich das nicht ausschließen. Das kennt weder er noch ich.
Das Unbekannte: Sind das die Folgen einer durchmachten Erkrankung der Kinder im Erwachsenenalter?
Die Gefahren von Unbekanntem – das kennen wir nicht. Was wir kennen, ist nicht so bedrohlich, dass ich Angst davor hätte oder Kinder in meiner Familie jetzt unbedingt und vorrangig impfen lassen würde. Ich will das nicht ausschließen und ich halte das nicht für sinnlos und dumm, Kinder zu impfen. Aber für den individuellen Schutz brauchen es die Kinder nicht vorrangig. Solange nur etwa ein Drittel der Weltbevölkerung geimpft ist – wenn überhaupt, wahrscheinlich sind es nur 25 Prozent –, gibt es wesentlich Vorrangigeres zu tun, als kleine Kinder zu impfen.
Deuten Sie damit auch die Forderung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) an, statt der Bevölkerung die dritte Impfung zu verabreichen, an den Rest der Welt zu denken und die Impfstoffe gerechter zu verteilen?
Ja, das ist auch meine Sicht der Dinge. Wir müssen vor allem die Älteren schützen. Was Morbidität und Mortalität angeht, also die Gefahren der Erkrankung, da haben wir noch einiges zu tun. Wenn wir Herdenschutz wollen, dann ist es natürlich sinnvoll, so viele wie möglich durchzuimpfen.
Aber es gibt auch die natürliche Immunisierung durch Ansteckung. Das gibt es in Deutschland, in ganz Europa und weltweit. Gerade in Afrika wurde mancherorts schon die Hälfte der Bevölkerung natürlich immunisiert und nicht geimpft. Da wurde erst zwei Prozent geimpft. Und wenn das Virus dann die Alten mit einer natürlichen Immunisierung trifft, dann kann das auch sehr schlecht, nämlich tödlich enden. Wenn es gesunde Kinder trifft, ist es in der Regel kein Problem.
Kinder könnten also einfach die Erkrankung durchmachen.
Die meisten werden sehr wahrscheinlich asymptomatisch infiziert und sind dann auch teilgeschützt oder ganz geschützt vor einer weiteren Infektion.
Wie sehen Sie das Verhältnis von Impfung und Nebenwirkungen bei jungen Menschen? Immer wieder wird über Herzmuskelentzündung in Folge der Impfung unter Jugendlichen berichtet. Laut einer neuen Studie aus den USA überwiegt das Risiko einer solchen Entzündung den Nutzen einer Impfung.
Grundsätzlich bin ich ein Impf-Befürworter bei praktisch allen zugelassenen Impfungen. Astrazeneca, der Oxforder Impfstoff gegen Covid-19, wäre jetzt die einzige Ausnahme, den ich nicht mehr empfehlen würde. Ansonsten sollte man alle möglichst verimpfen, wenn es eine Zulassung gibt.
Es gibt aber immer auch Risiko-Nutzen-Abschätzung, etwa bei manchen Tropen-Reisenden, die sich wegen einer kurzen Auslandsreise einem Impfrisiko aussetzen. Jede Intervention hat Nebenwirkungen, so auch eine Covid-19-Impfung. Und wir wissen, dass bei jungen Erwachsenen oder auch bei den 12- bis 18-Jährigen es zu 100 Prozent Nebenwirkungen durch die Impfung kommt. Die sind in der Regel von sehr kurzer Dauer und auch unproblematisch und ungefährlich.
Auf der anderen Seite gibt es die vielen asymptomatischen Infektionen, die unbemerkt verlaufen. Durch die wird man auch natürlich immunisiert. Da stellt sich die Frage, ob jetzt die Kinder schon geimpft werden sollen, solange noch sehr viele ältere Menschen in Europa und weltweit nicht geimpft sind. Ich persönlich würde im Moment sagen: für den Schutz noch nicht. Wenn der Impfstoff weiter untersucht wird bei Kindern, wäre es aus meiner Sicht langfristig begründet, sie zu impfen, um die Pandemie auf großer Bevölkerungsebene zu bekämpfen.
Inwiefern ist eigentlich noch eine Herden-Immunität wichtig? Wen soll sie schützen? Bei uns heißt es ja, jeder erwachsene Mensch hätte schon ein Angebot erhalten.
Seit vier oder fünf Monaten kann sich praktisch jeder impfen lassen. Jetzt erst recht – an jeder Ecke. Wir müssen versuchen, noch mehr aufzuklären und auch die letzten Verweigerer zu überzeugen, dass sie sich impfen lassen. Das wäre die Hauptforderung, die ich habe. Wir müssen die schützen, die jetzt immer noch nicht geimpft sind und schon in die Jahre gekommen sind. Oder vielleicht andere Gruppen, die nicht so gut in dem Informationsfluss drin sind. Die müssen erreicht und wirklich alle geimpft werden, die sich impfen lassen wollen.
Was meinen Sie zu dieser Impfung ab fünf Jahren Anfang 2022? Ist das verfrüht?
Ja, für den individuellen Schutz brauchen Kinder es nicht, so wie es im Moment aussieht. Aber man weiß ja nicht, was alles noch kommt. Das Unvorhersehbare mag ja immer kommen. Die vorliegenden Daten zeigen, dass Covid-19 für Kinder keine gefährliche Infektionskrankheit ist, wenn die Kinder halbwegs gesund sind.
Müsste die Situation neu evaluiert werden, wenn neue Varianten kommen?
Das kann immer sein. Aber das sehe ich im Moment auch nicht. Wir haben schon sehr viele Varianten gesehen, die sich durchgesetzt haben, die wesentlich infektiöser waren. All diese sind auch für Kinder nicht gefährlicher als die Ursprungsvariante.
Noch eine Frage zur Kreuzimmunität: Demnach sollen Leute, die mit anderen Corona-Viren infiziert waren, vielleicht schon teilimmunisiert gegen Sars-Cov-2 sein. Welche Rolle könnte das für die Impfkampagnen spielen – vor allem in Ländern, in denen wenige Leute geimpft sind und nicht ausreichend Impfstoffe verfügbar sind?
Das kann eine Rolle spielen, aber ich kann dazu nicht so viel sagen, ob diese Kreuzimmunität wirklich gut greift. Es gibt bisher keine wirklich guten Untersuchungen. Wir wissen, dass es vor allem vier sogenannte „respiratorische Viren“ gibt (Anm. d. Red.: Viren, die insbesondere die Atemwege betreffen), die wir jedes Jahr hier in den gemäßigten Zonen gegen Ende des Winters haben. Damit waren schon sehr viele infiziert. Ob die bei einer Infektion wirklich eine Kreuzimmunität bis hin zu Schutz bringen, das wage ich nicht zu behaupten. Da gibt es meiner Meinung nach zu wenig gute Daten.
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