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Politologin Römmele: „So gewinnt man bei uns keine Stimmen“ – Warum der CDU-Wahlkampf nicht fruchtet

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Rot-Rot-Grün ist laut Nico Siegel von Infratest Dimap das unbeliebteste Bündnis in Deutschland. Trotzdem fruchtet die sogenannte „Rote-Socken-Kampagne“ der Union kaum. Die Partei liegt Umfragen zufolge weiterhin auf dem zweiten Platz hinter der SPD. Warum CDU/CSU keinen Erfolg mit dieser Strategie fahren, weiß die Politologin Andrea Römmele.
Es ist Endspurt im Bundestagswahlkampf 2021: Doch das Debakel für die Union scheint in greifbarer Nähe. Den Umfragen zufolge befindet sich CDU/CSU immer noch auf dem zweiten Platz, drei bis vier Prozentpunkte hinter der SPD. „Die Wahlkampf-Kampagnen der CDU greifen nicht“, sagt Politikwissenschaftlerin Andrea Römmele im Online-Pressegespräch mit dem „Verein der Ausländischen Presse“ am Dienstag.
Eine dieser Kampagnen ist die der sogenannten „Roten Socken“. Die Union warnt darin vor einem Linksrutsch und einem rot-rot-grünen Koalitionsbündnis aus SPD, Linke und Grünen. Denn weder die Sozialdemokraten noch die Grünen haben sich deutlich von einer Koalition mit der Linkspartei distanziert, deren Außen- und Verteidigungspolitik, so die Kritik, eine Gefahr für die Sicherheit Deutschlands darstelle.

Linksbündnis am unbeliebtesten

Umfragen nach sei eine rot-rot-grüne Koalition in Deutschland am unbeliebtesten, sagte Nico Siegel, Geschäftsführer von Infratest Dimap am Montag in einer Video-Konferenz gegenüber SNA News.
Doch die Wahrscheinlichkeit, dass die SPD ein Linksbündnis mit der Linkspartei eingeht, hält Siegel für eher gering. „Wahrscheinlicher ist, dass es zuerst Sondierungen geben wird für andere Regierungsbündnisse. Den meisten Sozialdemokraten wäre eine rot-grüne Koalition am liebsten. Wenn es dann eben nicht reicht und es müsste ein Dreierbündnis sein, dann noch eher die sogenannte Ampel – also rot, grün und gelb (SPD, Grüne und FDP).“
Dass das Linksbündnis unpopulär ist, liege Siegel zufolge an der Unbeliebtheit der Linkspartei. Es sei logisch, dass die Linke unter den bürgerlichen Wählern unpopulär sei. „Und es gibt eben auch unter SPD- und Grünen-Wählern Vorbehalte gegen die Linkspartei unter anderen bei Fragen der Außenpolitik und der Nato-Mitgliedschaft und anderen Themen“, meint der Parteienforscher.
Nico Siegel - SNA, 1920, 22.09.2021
Warum Pandemie im Wahlkampf keine große Rolle spielt – Geschäftsführer von Infratest Dimap

„Eine Frage der politischen Kultur“

Wenn das Linksbündnis aber tatsächlich so unbeliebt ist, dann stellt sich doch die Frage: Warum profitiert die Union nicht von „Rote-Socken-Kampagne“? Nachgefragt bei Andrea Römmele, Politikwissenschaftlerin und Professorin an der Hertie School of Governance: „Das verstehen die amerikanischen Kollegen und Kolleginnen nicht: Weil man bei uns keine Stimmen gewinnt, wenn man Angst vor dem anderen macht“, so die Antwort der Forscherin auf die Frage eines SNA-Redakteurs im Rahmen der VAP-Videokonferenz. „Das war beim ersten Triel, als der Moderator den Kanzlerkandidaten aufgefordert hat zu sagen, was ihm am anderen Kandidaten nicht gefällt. Da hat Scholz gesagt, dass er das Triell so gar nicht anfangen möchte. Er möchte nicht über die Schwächen der anderen sprechen, sondern er möchte über seine Stärken und seine Themen sprechen“, erzählte Römmele.
In den vereinigten Staaten wundere man sich über solche Aussagen. Dort laufe der Wahlkampf anders ab: „Einfach auf den anderen eindreschen und nach Möglichkeit unterhalb der Gürtellinie.“ So sei das eine Frage der politischen Kultur und eine Frage der Erwartungen der Wähler. „Wir wollen wissen, was man selber vorhat. Klar, es sei das unbeliebteste Bündnis, aber man möchte wissen, was die Kandidaten vorhaben.“ Doch dazu gebe es bei der Union einfach zu wenig. Auch die SPD habe da nicht wahnsinnig viel zu bieten, aber die Sozialdemokraten würden auf dem „Vertrauens- und Erfahrungsschatzes eines Olaf Scholz“ fahren, erklärt die Politologin.
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