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„Kanzlerfotograf“ Müller zum Wahlkampf 2021: „Noch nie so schlechte Wahlplakate gesehen“

© REUTERS / FABRIZIO BENSCHEin Wahlplakat der Grünen und SPD (Archivbild)
Ein Wahlplakat der Grünen und SPD (Archivbild) - SNA, 1920, 23.09.2021
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Der Fotograf Konrad R. Müller hat alle Bundeskanzler fotografiert – von Konrad Adenauer bis Angela Merkel. An den aktuellen Wahlplakaten lässt er kein gutes Haar. Bei Laschet sieht er Verlustängste, Lindner sei ein „Kennedy für Arme“ und Scholz sehe aus wie eine „Kasperfigur“.
Konrad R. Müller ist einer der renommiertesten deutschen Porträtfotografen der Nachkriegszeit. Der 81-Jährige hat sämtliche Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland fotografiert – Konrad Adenauer, Ludwig Erhard und Kurt Georg Kiesinger allerdings erst nach ihrer Amtszeit. Das Fotografen-Handwerk lernte Müller autodidaktisch. Neben den deutschen Kanzlern porträtierte er auch ausländische Staatsmänner wie den französischen Präsidenten François Mitterrand oder den ägyptischen Staatspräsidenten Anwar as-Sadat. Den Verdienstorden des Landes Nordrhein-Westfalen gab er 2016 zurück. Grund dafür war, dass der Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) eine von Hannelore Kraft (SPD) in Auftrag gegebene Ausstellung mit Bildern von Konrad Adenauer anlässlich des 70-jährigen Bestehens des NRW-Landtags absagte.

Laschet: „Ein Mann, der sich innerlich längst aufgegeben hat“

CDU-Mann Laschet interessiere ihn zwar, erzählt Müller im Interview mit dem Nachrichtenmagazin „Spiegel“, aber nicht als Kandidat, sondern als Mensch, dem man seine Verlustängste so ansehe:
„Ein Mann, der sich innerlich längst aufgegeben hat, bevor die Wahl überhaupt stattgefunden hat. Das einzige Bild, was ich von ihm in Erinnerung habe, ist das, wo er so verkniffen schaut, als ob er nicht wüsste, ob er lachen oder weinen soll. Ich sehe da keinen Machtwillen, keine Kraft, keine Zuversicht.“
Generell seien die Plakate des Wahlkampfs 2021 nicht das Beste was die Zunft zu bieten hätte, vielmehr meint Müller: „Ich habe in meinem Leben noch nie so schlechte Wahlplakate gesehen.“

Lindner: Ein „Kennedy für Arme“

Als Beispiel dafür muss der FDP-Vorsitzende Christian Lindner herhalten, der wie ein „Kennedy für Arme“ auf seinem Plakat wirke. Der Fotograf sagt dazu:
„Auf einem Großflächenplakat sitzt ein rußgeschwärzter Lindner, vornübergebeugt und nur beleuchtet von einer Funzel, und er scheint etwas zu suchen. Der Mann sieht aus, als wäre er gerade einer Verpuffung in einer Kohlegrube entkommen. Da gibt es keine Übergänge zwischen den Hauttönen, alles ist gräulich – eigentlich ein wenig schmuddelig.“
Das Allerletzte, was er Christian Lindner abnehme, sei, dass dieser sich für Deutschland spätnachts zu Tode rackere. Das sei „so verlogen“. Dazu ist in der Mitte des Plakats ein sehr langer Text mit hunderten Schriftzeichen platziert. Müller fragt: „Das ist einfach irre. Wer soll das in unserer flüchtigen, mobilen Welt lesen?“ Das sei das krasse Gegenteil eines gelungenen Wahlplakats.

Scholz: Ein Kopf „wie mit der Saugglocke in die Länge gezogen“

Aber auch die Plakate mit Olaf Scholz findet der „Kanzlerfotograf“ unerträglich schlecht. Scholz sehe aus wie „eine Kasperfigur, die von Kindern im Vorschulalter ausgeschnitten und auf einen absolut toten roten Hintergrund geklebt wurde“. Müller hätte Scholz „oben angeschnitten, damit man nicht auf diese gähnende Leerfläche seiner Stirn schaut, sondern in seine Augen“. Er stehe oder sitze völlig uninteressiert und unbeteiligt da und halte irgendwas in die Luft.
Zwischen seinen Händen und dem Kopf bestehe eine völlige Unverhältnismäßigkeit. Scholz‘ Kopf sehe aus, „wie mit der Saugglocke in die Länge gezogen“. Eigentlich habe der SPD-Kanzlerkandidat doch ein „relativ gut strukturiertes quadratisches Gesicht“ und nicht so einen „nach oben zugespitzten Kopf“. Was die Werber aus Scholz gemacht hätten sei „aberwitzig“.

Söder: „Hinterlistig und unehrlich“

Die Wahlplakate würden den Mindestanforderungen an optischer Darstellung entsprechen, aber es gebe „keine Kreativität, keine Kraft, keine Kunst“.
Für Markus Söder, der fast Kanzlerkandidat der Union geworden wäre, würde Müller nicht mal seine Kamera auspacken. Den CSU-Chef hält er für „hinterlistig und unehrlich“.
Ein Bild findet die Fotografen-Legende besonders unerträglich und unmöglich: „Nämlich wie er einen Baum umarmt. Das ist die größte Lüge, mit der sich Söder selbst entlarvt hat. Ich kann nur Menschen fotografieren, vor denen ich Achtung habe.“
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