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Merkel steht im Regen – Kommt ein reinigendes Wahl-Gewitter für die CDU?

© CC0 / FrankundFrei / PixabayFragezeichen (Symbolbild)
Fragezeichen (Symbolbild) - SNA, 1920, 22.09.2021
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Angela Merkels Auftritt am Dienstag in Stralsund, mit dem sie dem CDU-Kanzlerkandidaten Armin Laschet den Rücken stärken sollte, ist sowohl buchstäblich als auch im übertragenen Sinne ins Wasser gefallen. Mittlerweile gibt die Presse der scheidenden Bundeskanzlerin die Hauptschuld für das mögliche Wahl-Fiasko ihrer Partei und ihres Kandidaten.
Die TV-Bilder von Wahlkampf-Auftritt der Bundeskanzlerin Angela Merkel in Stralsund am Dienstag wirkten keinesfalls wie ein triumphales Heimspiel in deren Bundestagswahlkreis: Vom düsteren Herbsthimmel regnete es in Strömen, und die Stimme der Kanzlerin wurde vom andauernden Pfeifkonzert auf peinliche Weise übertönt. Zwar ließ sich Merkel dadurch nicht entmutigen und erledigte ihre „Pflichtübung“ standhaft – ob aber diese Aktion dem Unionskandidaten Armin Laschet nützt, ist wohl zu bezweifeln.
Sicherlich hatten sich viele gewundert, warum sich Merkel trotz der seit Monaten dramatisch sinkenden Popularität ihrer Partei erst jetzt in den Wahlkampf einschaltet. CDU-Urgestein Wolfgang Schäuble erklärte das so:

„Das ist ihr protestantisches Ethos, ich weiß gar nicht, ob es was bringt. CDU und CSU müssen die Wahl schon selbst gewinnen und nicht mit Mutti.“

„Ob es was bringt“ – diesen Zweifel dürfte nicht nur Schäuble haben. Die Meinung, dass nicht nur die unglückliche Wahl des Kanzlerkandidaten, sondern bereits in erster Linie das sich vertiefende Ungemach der Partei das drohende Wahlfiasko verursachen würde, dominiert die deutschen Printmedien. Und für diesen Notstand wird logischerweise Merkel verantwortlich gemacht.
Bundeskanzlerin Angela Merkel - SNA, 1920, 20.09.2021
„Mutti“ tritt ab – Verwaist das deutsche Volk?

„Die CDU ist schon seit 2018 tot“

„Die CDU ist schon seit 2018 tot“, behauptete etwa die „Welt“ Anfang September in einem Kommentar. „Die Schuld dafür liegt nicht allein beim Spitzenkandidaten. Sie liegt auch bei der Bundeskanzlerin und reicht zurück bis in den Dezember 2018. Damals trat Merkel als Parteichefin zurück und hinterließ in der CDU eine inhaltliche Leere.“
In dieselbe Kerbe haute auch „Der Spiegel“:

„Das ist nicht Laschets Schuld, sondern Angela Merkels. 16 Jahre lang ordnete die Kanzlerin alles dem Machterhalt unter (…) Mit ihrer Geschmeidigkeit wollte Merkel ihre Gegner einschläfern – nur merkte sie nicht, dass nebenbei auch ihre Partei wegdöste.“

Lieber mit Laschet verlieren, als mit Söder gewinnen?

„Warum die Union an der Macht bleiben will? Es fehlt die überzeugende Antwort“, schrieb kürzlich „Die Welt“. Naja, eine Antwort dürfte es schon geben: Es gibt genug Bundesbürger, die die „Weiter so“-Ideologie vertreten und einfach Angst vor radikalen Veränderungen haben. Das Problem besteht allerdings darin, dass sich die Welt um sie herum – wirtschaftlich, klimatisch, geopolitisch – recht schnell verändert.
Auf die „Weiter so“-Wähler ist denn auch Laschets Angstbotschaft gemünzt, eine Rot-Rot-Grün-Alternative wäre für Deutschland verheerend. Ein Stimmenfang mit dem Angstschüren scheint ihm aber nicht wirklich zu gelingen.
Am 20. August sorgte der Aufruf der CDU-Hinterbänklerin Sylvia Pantel an Laschet für Aufsehen: Er solle „Konsequenzen ziehen, wenn in zwei Wochen die Umfragewerte nicht besser werden“. Im Klartext: Die Union müsse dringend den CSU-Chef Markus Söder als Kanzlerkandidaten ins Feld schicken.

„Söder wäre vielleicht nicht der bessere Kanzler – aber ganz gewiss der bessere Kandidat“, hieß es in einem „n-tv“-Kommentar.

CDU-Chef Armin Laschet (Archivbild) - SNA, 1920, 14.09.2021
Karrierefalle Kanzlerkandidat – Wohin mit Armin Laschet?
Diese „kurze und schmerzhafte“ Aktion blieb aus – insofern blieb es auch offen, ob sie den Wahlausgang für die Union auf dem letzten Abschnitt des Wahlrennens hätte verbessern können. Laut Umfragen wäre dies zumindest gar nicht ausgeschlossen. Für die reformbedürftige CDU wäre dies aber höchstwahrscheinlich keine wirkliche Lösung.

„Vielleicht ist es für die Union besser, mit Laschet zu verlieren, als mit Söder zu gewinnen“, meinte die „Neue Zürcher Zeitung“. „Eine Erneuerung in der Opposition könnte CDU und CSU guttun.“

Natürlich würden im Fall einer Wahlniederlage etliche Köpfe an der Spitze der Unionsparteien rollen. Jüngere, machthungrige Parteikarrieristen stehen bereits in den Startblöcken und warten nur darauf. Dennoch ist es gar nicht ausgeschlossen, dass die Unionsparteien am 26. September auf Platz zwei landen, was Armin Laschet eine durchaus greifbare Chance bieten würde, etwa an der Spitze einer Jamaika-Koalition doch noch ins Kanzleramt einzuziehen. Und die totgesagte CDU würde dann „weiter so“ leben.
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