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Tödlicher Maskenstreit: Polizei prüft Twitter-Profil – Politiker entsetzt

Twitter (Symbolbild) - SNA, 1920, 22.09.2021
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Der mutmaßliche Mörder eines Tankstellen-Mitarbeiters in Rheinland-Pfalz hat den tödlichen Schuss mit seiner Ablehnung der Corona-Regeln begründet. Entsetzen und Anteilnahme nach der Tat sind bundesweit groß.
Nach dem tödlichen Schuss auf einen Tankstellen-Mitarbeiter im Streit um die Maskenpflicht gehen die Ermittler von langwierigen Ermittlungen zu den Hintergründen aus. „Wir müssen uns jetzt erstmal selbst ein klares Bild machen“, sagte Oberstaatsanwalt Kai Fuhrmann am Dienstag in Mainz der Deutschen Presse-Agentur (DPA).

„Feinarbeit geht jetzt erst so richtig los“

Dies werde noch einige Wochen dauern. In dieser Zeit wolle die Behörde keine Wasserstandsmeldungen zu dem Verbrechen in Idar-Oberstein in Rheinland-Pfalz abgeben. „Die Feinarbeit der Ermittlungen geht jetzt erst so richtig los“, so Fuhrmann
Die Polizei prüft auch die Aktivität des Verdächtigen in den sozialen Medien. Es seien sehr viele Hinweise dazu eingegangen, sagte ein Sprecher des Polizeipräsidiums Trier am Mittwochmorgen der DPA.
Der 49-Jährige soll am Samstagabend in Idar-Oberstein einem zwanzigjährigen Verkäufer in den Kopf geschossen haben. Nach seiner Festnahme habe er den Ermittlern gesagt, dass er die Corona-Maßnahmen ablehne. Die Situation der Pandemie habe ihn stark belastet, er habe ein Zeichen setzen wollen. Der zuvor nicht polizeibekannte Deutsche sitzt wegen Mordverdachts in Untersuchungshaft.
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Polizei prüft Aktivität in den sozialen Medien

Am Dienstagabend twitterte die Polizei in Tier: „Es gibt Hinweise auf das Twitter-Profil des Tatverdächtigen. Wir gehen diesen Hinweisen nach.“ Die Ermittler seien von sehr vielen Nutzern auf das Twitter-Profil des mutmaßlichen Täters hingewiesen worden, sagte der Sprecher. Mit dem Tweet habe man den Bürgern signalisieren wollen: „Wir sind da dran, wir haben das im Blick.“
Nach gemeinsamen Recherchen des Nachrichtenmagazins „Der Spiegel“ und des auf unter anderem Verschwörungsideologien spezialisierten Thinktanks Center für Monitoring, Analyse und Strategie (CeMAS) fiel der mutmaßliche Schütze bereits vor zwei Jahren auf einem Twitter-Profil mit nebulösen Gewaltfantasien auf.
Die Tat löste bundesweit großes Entsetzen und Anteilnahme aus. Auch die Kanzlerkandidaten Annalena Baerbock (Grüne) und Olaf Scholz (SPD) zeigten sich erschüttert.
„Die Radikalisierung des Querdenkermilieus bereitet mir große Sorgen“, schrieb Baerbock im Kurznachrichtendienst Twitter. „Wir sind alle gefordert, uns gegen den zunehmenden Hass zu stellen.“ SPD-Kanzlerkandidat Scholz schrieb auf Twitter, seine Gedanken seien bei den Angehörigen des Mordopfers. „Es erschüttert mich sehr, dass jemand getötet wird, weil er sich und andere schützen wollte“, betonte Scholz. „Wir müssen uns als Gesellschaft dem Hass entschlossen entgegenstellen.“ Der Täter müsse hart bestraft werden.

„Unfassbares Maß an Radikalisierung“

Ähnlich reagierte CDU-Generalsekretär Paul Ziemiak. „Ein junger Mensch wird nahezu hingerichtet, weil er auf die Maskenpflicht hinweist“, schrieb er auf Twitter und sprach von einem „unfassbaren Maß an Radikalisierung“. Der rheinland-pfälzische FDP-Chef und Bundes-Generalsekretär der Liberalen, Volker Wissing, sagte, seine Partei sei „mit ihren Gedanken bei der Familie und den Freunden des Opfers“, das Verbrechen sei „unerträglich“.
Bundesjustizministerin Christine Lambrecht (SPD) zeigte sich entsetzt über zustimmende Reaktionen nach der Bluttat. „Es ist empörend und widerlich, wenn die furchtbare Bluttat von Idar-Oberstein nun im Netz für noch mehr Hass und noch mehr Menschenverachtung missbraucht wird. Der Radikalisierung von gewaltbereiten Corona-Leugnern muss sich unser Rechtsstaat mit allen Mitteln entgegenstellen.“

Täter lehnt Corona-Maßnahmen ab

Mehr Klarheit über die Hintergründe der Tat erhoffen sich die Ermittler vor allem von der Auswertung der sichergestellten elektronischen Geräte des 49-Jährigen. Er lebte zuletzt in Idar-Oberstein und war als Selbstständiger in der IT-Branche tätig. Der Mann sei in den Theorien der sogenannten Corona-Leugner „bewandert“, hieß es aus Ermittlerkreisen.
Der bislang polizeilich nicht in Erscheinung getretene Mann aus Idar-Oberstein hatte den Ermittlern gesagt, dass er die Corona-Maßnahmen ablehne. Zum Motiv habe er angegeben, dass ihn die Situation der Corona-Pandemie stark belaste und er keinen anderen Ausweg gesehen habe, als ein Zeichen zu setzen.
Zur Lebenssituation des Verdächtigen wollte Oberstaatsanwalt Fuhrmann während der laufenden Ermittlungen keine genauen Angaben machen. Der Mann sei noch nie irgendwo bei der Polizei aufgefallen, auch nicht als Teilnehmer einer Demonstration. „Die Waffen hat er nicht legal besessen.“ Woher sie stammten, sei noch völlig unklar.
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Schnelle Antworten zurzeit nicht möglich

Die psychischen Hintergründe werden nach den Worten von Kriminalpsychologin Lydia Benecke bei einer forensischen Begutachtung des mutmaßlichen Täters geklärt werden. „Auch wenn viele Menschen sich nun eine schnelle Antwort auf die Frage wünschen, warum eine solche Tat begangen wurde: Diese ist zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht möglich“, sagte Benecke der Deutschen Presse-Agentur. „Für eine solche Tat kann es sehr unterschiedliche Hintergründe geben.“ So müsse untersucht werden, ob eine psychische Störung oder die Wirkung von Alkohol oder Drogen eine Rolle spielten.
Die Stadt Idar-Oberstein im Kreis Birkenfeld will in angemessener Form auf die Tat reagieren, eine öffentliche Gedenkfeier ist in der Diskussion. Für das Rathaus der Stadt sei bereits am Vortag Trauerbeflaggung angeordnet worden, sagte ein Stadtsprecher.
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