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Kinder impfen wegen schweren Verläufen und „Long-Covid“? Die Zahlen geben das nicht her

Krankes Kind (Symbolbild) - SNA, 1920, 17.09.2021
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Kinder und Jugendliche sind kaum von schweren Verläufen betroffen und fast nur mit Vorerkrankungen. Daran ändert auch die Delta-Variante nichts, betont eine australische Studie. Auch „Long-Covid“ kommt bei jungen Menschen äußerst selten vor. Derweil werden in Hongkong Jugendliche nur noch einmal mit Biontech geimpft – wegen Herzmuskelentzündungen.
Sollten Kinder gegen SARS-CoV-2 geimpft werden? Das Thema spaltet schon länger die Gemüter. Auf der einen Seite haben Kinder und Jugendliche statistisch ein sehr niedriges Risiko, schwer an Covid-19 zu erkranken. So zeigen die Statistiken, dass Menschen bis zum Alter von 17 Jahren aktuell nicht einmal ein Prozent aller Intensivfälle in Deutschland ausmachen, und das obwohl diese Gruppe am stärksten dem Coronavirus ausgesetzt ist:
© Foto : RKI - DIVI – 2020Intensivbettenbelegung durch Covid-19-Fälle nach Alter, Stand: 15.09.
Intensivbettenbelegung durch Covid-19-Fälle nach Alter, Stand: 15.09. - SNA, 1920, 16.09.2021
Intensivbettenbelegung durch Covid-19-Fälle nach Alter, Stand: 15.09.
Aber das ist kein neues Wissen, dass Kinder und Jugendliche das Virus gut überstehen. Wenn man sich gegenwärtig für eine Impfung dieser Altersgruppe ausspricht, dann hat das etwas mit Long-Covid zu tun. Unter Long-Covid versteht man eine Sammlung von Symptomen beziehungsweise ein Syndrom, das nach überstandener Covid-19-Erkrankungen noch monatelang weiter bestehen oder sich ausbilden kann. Zu den Symptomen zählen: Müdigkeit und Muskelschwäche, Schlafstörungen, Depression und Angststörungen, Probleme mit der Atmung und Schwindel.
Deswegen hat sich erst Donnerstag wieder der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach zu Wort gemeldet und betont: „Man muss davon ausgehen, dass bei bis zu fünf Prozent der Kinder sich Long-Covid-Symptome ergeben.“ Zudem kenne man die langfristigen Schäden von Covid-19 bei Kindern nicht. Außerdem betont Lauterbach im Interview: „Die Impfung ist sehr viel besser, das ist ein viel besserer Weg, weil dann der Körper nicht dieser Gefahr ausgesetzt ist, der er ausgesetzt ist, wenn das über die Erkrankung stattfindet.“
Das passt ins Bild, denn Lauterbach gehört zu den Befürwortern einer Kinder-Impfung und Long-Covid gehört zu den wichtigsten Gründen für eine solche Impfung. Dass bei der Impfung der Körper, insbesondere junger Menschen, keiner Gefahr ausgesetzt ist, stimmt aber so nicht unbedingt. Immerhin empfehlen Gesundheitsexperten in Hongkong die Impfung von Jugendlichen mit nur einer Dosis Biontech. Hintergrund dafür ist vermehrtes Auftreten von Herzmuskelentzündungen. Die Gabe von nur einer Dosis, könne das Risiko „stark verringern“. Heißt aber eben auch – nicht beseitigen.
Und fünf Prozent Long-Covid-Fälle unter Kindern stimmt so ebenfalls nicht. Glücklicherweise hat Lauterbach „bis zu fünf Prozent“ gesagt. Bei dieser Redensart ist alles von null bis fünf aufwärts mit drin. Laut einer Studie vom australischen „Murdoch Children’s Research Institute“, ist bei solchen hohen Zahlen in der Tat Vorsicht angebracht – und ein differenzierterer Blick.
Dr. Paul Brandenburg - SNA, 1920, 23.08.2021
Dr. Paul Brandenburg: „Es fehlt jeder Grund, ein Kind gegen Covid zu impfen“

Kinder und Jugendliche von schweren Verläufen auch bei Delta nicht bedroht

Anhand von Zahlen aus Australien, aus einer noch eingehenderen Studie im australischen Bundesstaat New South Wales sowie aus Großbritannien und den USA zeigen die Forscher, dass das Risiko für Kinder und Jugendliche, an Covid-19 schwer zu erkranken oder gar zu sterben, extrem gering ist. Für Australien gilt:
In der Altergruppe 0-9 Jahre ist bei 5374 nachgewiesenen Infektionen kein Kind verstorben.
In der Altergruppe 10-19 ist von 7223 positiv Getesteten eine Person verstorben, die aber neben SARS-CoV-2 eine weitere schwere Erkrankung hatte.
In der Altersgruppe 20-59 mit 36.707 Fällen sind 35 Personen verstorben.
In der Altersgruppe 60+ sind bei 8515 Fällen die Mehrzahl aller Toten (995) zu verzeichnen.
Die Forscher erwähnen außerdem, dass in Australien, Stand September 2021, insgesamt 50 Kinder mit Covid-19 in Krankenhäuser eingeliefert wurden. Für diese Fälle gilt darüber hinaus: „Die Einweisungen sind selten, oftmals vorbeugender Natur und von kurzer Dauer.“ Will heißen: Ein Teil von diesen 50 Einweisungen ist mehr der Vorsicht als der wirklichen Erkrankung geschuldet. Wenn man berücksichtigt, dass Kinder und Jugendliche 22 Prozent aller Fälle ausmachten, sind die Zahlen schon bemerkenswert.
Eine weitere Analyse nahmen sie speziell für den australischen Bundesstaat New South Wales vor, wo die Delta-Variante zwischen Juni und August 2021 ausgebrochen war. Das Ergebnis: Von 2864 Fällen wurden lediglich 70 in Krankenhäuser eingeliefert, von denen allerdings 43 aus anderen medizinischen Gründen dort landeten. Auf Intensivstationen kamen lediglich fünf von ihnen. Es starb keine Person im Alter bis 18. Die Wissenschaftler leiten daraus ab, dass die Delta-Variante schwerere Verläufe bei Kindern und Jugendlichen nicht erhöht.
Zahlen aus Großbritannien bestätigten ebenfalls die geringe Gefährdung: In der Gruppe von 0 bis 17 Jahren gab es dort 469.982 nachgewiesene Fälle. Von diesen kamen lediglich 259 auf die Intensivstation, 25 starben. Das bedeutet in Prozent: 0,055 Prozent schwere Verläufe und 0,005 Prozent Tote. Wir bewegen uns hier also in Zehnteln und Hundertsteln eines Prozents!
Das heißt aber nicht, dass man nicht differenziert darauf blicken sollte: Schließlich sind Kinder mit Vorerkrankungen deutlich stärker betroffen als solche ohne. Daten von insgesamt 42 Studien zu Kindern ergeben. Von 275.661 waren lediglich 0,2 Prozent von einem schweren Verlauf bedroht. Bei solchen mit Vorerkrankungen waren es dagegen 5,1 Prozent – also mehr als das 25-Fache. Meinte Lauterbach zufällig diese fünf Prozent, als er von Long-Covid sprach?
Covid-19-Pandemie (Symbolbild) - SNA, 1920, 16.09.2021
Bis Coronavirus uns alle betrifft: Wissenschaftler zum weiteren Verlauf der Pandemie

Long-Covid: Unklar definiert und nicht öfter als Folgen anderer viraler Infekte

Das Thema „Long-Covid“ nehmen die Forscher in der Studie gleichfalls aufs Korn. Sie üben zunächst Kritik an der unklaren Definition dieser Langzeitfolgen. Wichtigster Kritikpunkt: Mal werden mehr, mal weniger Symptome dazu gezählt. Außerdem ist auch der Zeitraum, ab dem etwas als Long-Covid gewertet wird, nicht klar festgelegt. Aber noch mehr: Es ist nicht einmal klar, was von diesem „Long-Covid“ wirklich auf die Covid-19-Erkrankung zurückkgeht und was – wie beispielsweise Depression und Angststörungen – eine Folge von Lockdown-Politik und sozialen Einschränkungen ist. Folgen der Lockdown-Politik auf das Virus abzuwälzen wäre ein wissenschaftlicher Kardinalfehler.
Das Long-Covid-Syndrom ist den Wissenschaftlern zufolge extrem selten bei Kindern und Jugendlichen anzutreffen. Als Beispiel führen sie etwa eine kleine Studie aus Melbourne an, bei der keines der 136 Kinder Long-Covid-Symptome aufwies. Allerdings betonen die Forscher auch, dass die Gruppe mit einem Alter von durchschnittlich drei Jahren sehr jung war. Grundsätzlich geben sie zu bedenken, dass Long-Covid bei Kindern nicht häufiger vorkommt, als ähnliche Symptome bei anderen viralen Erkrankungen wie der Grippe oder mit dem Respiratorischen Synzytial-Virus (RSV). Allgemein stellen sie fest, dass die Studien rund um Long-Covid und Kinder sich durch eine sehr niedrige Qualität auszeichnen.
Die Studie ist am Donnerstag in Pediatric Infectious Disease erschienen.
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