Registrierung erfolgreich abgeschlossen!
Klicken Sie bitte den Link aus der E-Mail, die an geschickt wurde

So kann Berlin klimaneutral werden: Studie empfiehlt über 50 Maßnahmen

© CC0 / Couleur / PixabayBrandenburger Tor (Symbolbild)
Brandenburger Tor (Symbolbild) - SNA, 1920, 15.09.2021
Abonnieren
In einer Studie wenden Forscher einen restriktionsbasierten Szenarioansatz an, um Hindernisse auf dem Weg zur Klimaneutralität besser aufzuzeigen. Für Berlins Klimaziele sind rasche Senkungen der Emissionen in den zwanziger Jahren entscheidend. Studienleiter Bernd Hirschl fordert endlich „Entschlossenheit und Aufbruchsstimmung in allen Sektoren.“
Seit dem Jahr 2015 gibt das Pariser Klimaabkommen die Marschroute beim Klimaschutz vor. Um möglichst das 1,5-Grad-Ziel zu erreichen oder mindestens deutlich unterhalb von zwei Grad zu bleiben, müssten nicht nur der Bund, sondern auch alle Länder und Kommunen ihre Klimaschutzziele deutlich verschärfen. Das fordern Experten in ihrer neuen Studie „Berlin Paris-konform machen“. In der Analyse im Auftrag des Senats von Berlin zeigt das Institut für ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW) gemeinsam mit Partnern, dass das Land Berlin noch nicht auf dem Zielpfad ist. Daher empfiehlt die Studie dem Land, in den fünf Sektoren Energieversorgung, Gebäude, Verkehr, Wirtschaft und Konsum nun zusätzliche und verschärfte Maßnahmen für die Klimaneutralität verbindlich festzusetzen.
„Berlin muss die Verbindlichkeit erhöhen und die Steuerung verbessern: Das Land braucht eine neue Klima-Governance, die das Ziel der Klimaneutralität in allen Sektoren und Ressorts hoch priorisiert und Probleme aktiv beseitigt“, sagt Bernd Hirschl. Der Energieexperte ist Studienleiter und leitet seit 2003 das Forschungsfeld „Nachhaltige Energiewirtschaft und Klimaschutz“ am IÖW.

„Um emissionsfrei zu werden, braucht es endlich Entschlossenheit und Aufbruchsstimmung in allen Sektoren. Ambitionierte Sektorziele und die Einführung eines Klimasenats sind wichtige Bausteine. Zudem sollten Stakeholder sowie Bürgerinnen und Bürger mehr beteiligt werden, denn neben technischen Fortschritten brauchen wir auch soziale Innovationen. In unserer Studie empfehlen wir für alle Handlungsfelder insgesamt über 50 Maßnahmen, die nun sehr schnell und konsequent angegangen werden müssen.“

Klimaschutz: Die zwanziger Jahre sind entscheidend

Die Studie zeige, dass ein „Weiter so“ Berlin nicht auf einen Pfad zur Klimaneutralität führt. Die CO2-Emissionen der letzten Jahre würden langsamer zurückgehen, bei den Gebäuden stagnieren und beim Verkehr sie sogar ansteigen. Einzig im Energiesektor seien sie überproportional reduziert worden, dank des begonnenen Kohleausstiegs auf Berliner wie auf Bundesebene. Ernüchternd bleibe aber der mit 92 Prozent enorm hohe Anteil der fossilen Energieträger an der Primärenergiebilanz auch im Jahr 2020 – bundesweit liege der Anteil hier bereits bei 83 Prozent.
Um die Pariser Klimaschutzziele zu erreichen, müssten insbesondere im nächsten Jahrzehnt die Emissionen sehr stark gesenkt werden. Nur dann sei es möglich, langfristig den Primärenergieverbrauch fast zu halbieren und die Emissionen bei Strom und Wärme auf null zu senken.
CO2 - SNA, 1920, 05.09.2021
Youtuber Rezo attackiert Politik wegen Klima-Katastrophe

Neue Szenarien: Fokus auf Restriktionen und deren Überwindung

Wie schnell kann Berlin klimaneutral werden? Realistisch und plausibel? Dies hat die Studie in mehreren Szenarien untersucht. Während viele andere Studien überwiegend theoretische oder technisch erforderliche Zielwerte ermitteln, ohne sich ausreichend um deren Erreichbarkeit und Plausibilität zu kümmern, seien hier in allen Handlungsfeldern der Fokus besonders auf solche limitierenden Faktoren gelegt worden, die einem schnellen Erreichen der Klimaneutralität im Wege stehen.
Mit diesem restriktionsbasierten Ansatz würden die Forschenden einerseits größtmögliche Ambitionen annehmen, andererseits berücksichtigen sie aber auch explizit wahrscheinliche Verzögerungen. Dazu zählen viele eher langsam ablaufende „Hochlaufeffekte“ – etwa bei der energetischen Gebäudesanierung, der Verbreitung von Geothermieanlagen oder der Verfügbarkeit von grünem Wasserstoff –, aber auch Genehmigungsprozesse oder der Mangel an Fachkräften und Verwaltungspersonal. Zudem gebe es Zielkonflikte etwa beim Denkmalschutz oder der Sozialverträglichkeit. Da viele Hemmnisse auf Bundesebene gelöst werden müssten, könne dies weiteren Zeitverzug bedeuten.

Berlin frühestens Anfang der vierziger Jahre klimaneutral

So würden bis 2030 aufgrund der Lebensdauer noch nicht alle Ölheizungen ersetzt sein und auch nicht alle Verbrennerautos ausgetauscht. „Dies führt in Summe dazu, dass Berlin bis 2030 nur rund zwei Drittel seines Wegs bis hin zur Klimaneutralität wird gehen können – und das obwohl wir in diesem Szenario den bundesweiten Kohleausstieg und eine weite Verbreitung klimafreundlicher Technologien bis dahin angenommen haben“, erläutert Hirschl.
Insbesondere die Überwindung der limitierenden Faktoren, also die Beseitigung von Hemmnissen und Zielkonflikten, müsse jetzt verstärkt auf die politische Tagesordnung, fordern die Studienautorinnen. Das Land Berlin muss dafür alle seine Spielräume nutzen, der Bund den geeigneten Rahmen schaffen – und zudem ist die Kooperation mit Brandenburg zu intensivieren, etwa beim Thema der Windstromimporte oder bei der Kreislaufwirtschaft.
Nach ihren Szenarioberechnungen halten die Autoren Klimaneutralität für Berlin in den vierziger Jahren zwischen 2042 und 2048 für erreichbar und Energieexperte Hirschl ergänzt:

„Um wie in unserem besten Szenario Anfang der 2040er Jahre klimaneutral werden zu können, muss sich nicht nur Berlin mächtig ins Zeug legen. Auch der Bund muss dann bereits klimaneutral sein und insbesondere Flächen- beziehungsweise Partnerländer wie Brandenburg. Dieser Zusammenhang gilt umso schärfer für jedes Jahr, das Berlin noch früher klimaneutral werden will.“

Newsticker
0
Um an der Diskussion teilzunehmen,
loggen Sie sich ein oder registrieren Sie sich
loader
Chats
Заголовок открываемого материала