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„Ein Verbrechen an den Menschen“ – Berliner Professor über Transhumanismus

© Foto : Tilo GräserProfessor Karl Hecht
Professor Karl Hecht - SNA, 1920, 11.09.2021
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Professor Karl Hecht ist über die Technologisierung der Menschen entsetzt. Verschmelzung mit Technologie bedeutet für ihn das Ende der Ära Homo Sapiens und Robotisierung der Menschheit. So lautet das Urteil des 97 Jahre alten Neuro- und Pathophysiologen mit 66 Jahren Berufserfahrung im Interview mit SNA. Doch ein Ausweg ist möglich, meint er.
„Das Schlimmste ist: Der Mensch wird nicht nur entmenschlicht, sondern er kann unter einer ständigen Kontrolle auch gesteuert werden.“ Das sagt der 97 Jahre alte Mediziner und Wissenschaftler Karl Hecht in einem Gespräch mit SNA zu den in jüngster Zeit immer wieder propagierten technischen Möglichkeiten, den Menschen zu verändern.
„Gehirnchips und soziale Isolierung, das sind zwei Sachen der Entmenschlichung. Das ist Entmenschlichung, sozusagen das Ende des Homo Sapiens.“
Damit wendet sich der Neuro- und Pathophysiologe deutlich gegen die Ideen und Projekte, den Menschen mit Hilfe der Biotechnologie zu optimieren, den sogenannten Transhumanismus.
Diese Denkrichtung geht davon aus, „dass wir in absehbarer Zeit Eigenschaften erlangen können, welche die menschliche Natur in der bisherigen Form überwinden helfen“. Das ist nachlesbar in dem Beitrag „Upgrade für den Menschen“ im Sonderheft „Gehirn & Geist“ 4/2021 der Zeitschrift „Spektrum der Wissenschaft“. Dort heißt es zum Transhumanismus weiter: „Viele ihrer Vertreter beurteilen dies zudem positiv – ihre Haltung ist eher von Aufbruchsstimmung als von Ängsten vor einem möglichen Missbrauch oder anderen Entgleisungen geprägt.“
Hecht teilt diese Aufbruchsstimmung nicht im Geringsten. Der emeritierte Professor für Pathophysiologie an der Berliner Charité warnt vor unumkehrbaren Gefahren und rät dazu, sich nicht am menschlichen Gehirn zu vergreifen.

Stimulierte Emotionen

© CC0 / Comfreak / PixabayRoboter (Symbolbild)
Roboter (Symbolbild) - SNA, 1920, 10.09.2021
Roboter (Symbolbild)
Wie ist er aber zu diesem Schluss gekommen? Ihn muss als Wissenschaftler und Arzt die Erkundung des Gehirns und die Ausschöpfung seiner Möglichkeiten doch fasziniert haben? Auf die entsprechende Frage erzählt er von der Gehirnstimulation in den 20er und 30er Jahren des 20. Jahrhunderts, vor allem durch den Physiologen Rudolf Heß aus Zürich. „Das war eine Ära, die habe ich auch noch mitgemacht“, so Hecht.
„Er hat festgestellt, wie man durch eine Elektrode in einem Katzenhirn oder Rattenhirn, das man mit leichtem Strom stimuliert, Erregung, also Emotionen auslösen kann.“ Das sei die Grundlage der Hirnstimulation gewesen. Es habe Geräte gegeben, mit denen die Gehirnforscher in bestimmten Hirnregionen die verschiedensten Reaktionen auslösen konnten.
Hecht hat nach seinen Worten in Leningrad, dem heutigen Sankt Petersburg, miterlebt, dass Natalja Bechterewa, die Enkelin des berühmten Neurologen Wladimir Bechterew, Epilepsie- und Parkinson-Patienten mit dieser Methode behandelt hat. Die Epilepsie-Patienten hatten vor allem Kriegsverletzungen durch Splitter im Gehirn.
„Da haben sie an bestimmten Stellen im Gehirn ganz feine Elektroden eingesetzt, die mit Apparaten verbunden waren, mit ganz schwachem Strom. So konnte man das verhindern. Bei den Epileptikern hat das einigermaßen geklappt, bei denen mit Parkinson, die diese Zitterbewegungen haben, nicht. Aber man hat das versucht. Das waren hochqualifizierte Neurologen, die das vorgenommen haben, ganz gezielt und ganz genau. Aber durchgesetzt hat sich diese Methode bis heute auch nicht. Man hat die Finger davongelassen. Wenn heute diese Neuro- oder Biotechniker versprechen, man kann Gesundheit hervorrufen, man kann wieder was herstellen, dann kann das vielleicht in Einzelfällen klappen, aber grundsätzlich ist das ein vollkommen nicht aufrechtzuerhaltendes Versprechen.“

Wütender Leitaffe wurde lammfromm

Hecht erinnerte sich an ein Erlebnis beim Welt-Physiologen-Kongress 1968 in Washington. Das sei damals eine Sensation und für ihn ausschlaggebend gewesen, warum er sich „mit dieser Sache nochmals etwas mehr beschäftigt“ habe.
„José Delgado, ein Spanier, der in Amerika arbeitete, hat einen Film über eine Affenherde vorgeführt. Die hatte einen Leitaffen, der immer sehr wütend war. Wenn er wütend wurde, nahm er die Pfote ins Maul, schrie und dann ging er auf die schwachen Affen los. Da hat Delgado Folgendes gemacht: Er hat also so eine Gehirnschnittstelle gemacht, hat da einen Empfänger reingebaut, einen Sender aufgestellt, mit einem Hebel. Und die Affen hat er so dressiert, wenn der Leitaffe die Pfote ins Maul nahm, drückte ein Affe auf den Hebel und der ‚Chef‘ wurde lammfromm. Der soll das auch in der Stierarena durchgeführt haben. Da war natürlich die Diskussion da: Wir können mit Funkwellenübertragung Emotionen stimulieren, wir können die Menschen in entsprechender Weise beeinflussen.“
Delgado hat 1970 noch ein Buch geschrieben, so Hecht: „Die physikalische Beeinflussung des Geistes“ („The physical control of the mind“). „Da hat er schon alles beschrieben und damals schon die Ansätze gehabt, dass man das Gehirn über Schnittstellen durch Funkwellen kontrollieren kann. Alles das ist möglich.“

Alternative Gehirnerweiterung

© CC0 / aytuguluturk / PixabayMechanische Gehirn (Symbolbild)
Mechanische Gehirn (Symbolbild) - SNA, 1920, 10.09.2021
Mechanische Gehirn (Symbolbild)
Zu den transhumanistischen Vorstellungen vom Gehirn mit Schnittstellen, wo mit Mikrochips im Nanobereich gearbeitet wird und bis 7000 Implantate dieser Art ins Gehirn gebracht werden können, sagte Hecht: „Das wird alles hochgefeiert. Dagegen wehre ich mich natürlich ganz besonders. Wir brauchen keinen technischen Einfluss aufs Gehirn. Wir können unser Gehirn entfalten, und ich betone noch einmal, mit einer naturgemäßen Lebenskultur.“
SNA wollte wissen, was er Leuten sagen würde, die sich mit den Fragen der „Human enhancement“, also „menschlicher Erweiterung“ beschäftigen: „‚Menschliche Erweiterung‘ ist Nonsens, dazu brauchen wir keine Technik“, urteilt der Neuropsychobiologe und präsentiert einige Daten zum menschlichen Gehirn:
„Das menschliche Gehirn hat 100 Milliarden Nervenzellen. Jede Nervenzelle ist mit einer anderen verbunden und kann mit 10.000 anderen in Verbindung treten. An den Verbindungsstellen gibt es sogenannte Neurotransmitter. Da gibt es 200 im Gehirn insgesamt, die also mitbestimmen, welche Nuancen das hat. Das sind nochmal 10. Also jede Nervenzelle hat die Möglichkeit, 100.000 Verbindungen mit einer anderen Nervenzelle aufzubauen. Und wir haben 100 Milliarden Nervenzellen.“
„Mit dieser strukturellen und funktionellen Basis kann das menschliche Gehirn Gigantisches leisten! Wir müssen dies mit richtigen geistigen Anstrengungen nutzen, zum Beispiel durch naturgemäße Lebenskultur, mit Kreativität und Spiritualität, mit Willenskraft und positivem Denken. Wir können mit Einsatz unseres Geistes unsere Gesundheit wiederherstellen und steigern. Leider haben viele Menschen heute nur materielles Konsumierungs- und Geldgier-Denken. Das schadet unserem Gehirn.“

Verbrechen an Menschlichkeit

Bei Emotionen werden im Gehirn ganze Systeme, das Hormonsystem, das vegetative Nervensystem, Parasympathikus, das Immunsystem sowie das motorische System aktiviert, erklärt er. „Also wenn wir lachen, tritt das alles in Erscheinung und wenn wir im nächsten Moment weinen auch wieder. Das geht eben blitzschnell.“
Hecht fügt hinzu:
„Das Gehirn hat mindestens sechs Sensoren, also Sehen, Riechen, Hören, Gleichgewicht, und ist damit ein offenes System für die ganze Umwelt. Und die Umwelt ist außerordentlich groß. Wir haben die Naturumwelt, auch die Heliosphäre, die Atmosphäre, die Magnetosphäre, das alles müssen wir mitnehmen, wir haben die sozialen Beziehungen und schließlich noch diese technischen Beziehungen, die uns aber meistens stören.“
Aus der Umwelt kommen Reize und rufen Emotionen hervor – „und im nächsten Moment wieder eine andere Emotion“, erklärt Hecht. „Das kann kein technisches Hirn. Ein technisches Hirn kann überhaupt keine Emotionen erzeugen. Der Transhumanismus ist faktisch eine Robotisierung des Menschen. So weise ich das zurück. Und ich möchte sogar sagen: Das ist ein Verbrechen an dem Menschen, an der Menschlichkeit, überhaupt solche Ideen zu äußern.“

Wald als Heilmittel

Wald (Symbolbild) - SNA, 1920, 10.09.2021
Wald (Symbolbild)
Der Pathophysiologe betont, wie wichtig der Wald für den Menschen ist. „Auch jetzt wurde im Zusammenhang mit Corona diskutiert, dass der Wald das Immunsystem stärkt.“ Das wisse er aber schon lange. „Die Japaner haben das „Waldbaden“ schon seit 30 Jahren. Ein oder zwei Stunden im Wald spazieren gehen stärkt das Immunsystem, produziert die Naturkillerzellen in entsprechender Weise. Auf diese Art und Weise kann sich jeder gesund machen.“
Der Wald biete auch die beste Aromatherapie:
„Der Wald ist eigentlich die Natur des Menschen.“
Er geht mit seiner Frau jeden Tag für ein bis zwei Stunden in den Wald am Müggelsee, in der Nähe seines Wohnortes. „Zwar mit dem Rolli, weil ich nach meiner Verletzung nicht mehr ganz so auf den Beinen bin, aber es geht.“
„Wir gehen morgens, weil es da noch am schönsten ist, haben den Müggelsee hier noch in der Nähe. Da wir nach Osten schauen, haben wir den Sonnenaufgang. Wir leben wie am Meer. Das ist die Natur. Der Wald, es ist psychisch natürlich, es ist Aroma, das ganze Aroma, die ganze natürliche Akustik. Wir sehen Füchse, die Vögel zwitschern, alle möglichen, wir sehen Eichhörnchen. Alles das sind Erlebnisse, die Verbindung zur Natur.“
Hecht hatte vor einem Jahr einen Unfall. Er ist an der Bushaltestelle gestürzt, weil er wegen der verordneten Maske nicht gut sehen konnte. Er habe sich dabei die beiden oberen Halswirbel gebrochen, berichtet er. Der Arzt habe ihm vor allem wegen seines Alters wenig Hoffnung gemacht. „Mit starkem Willen, Visualisierung und Meditation; sowie mit Bewegung im Wald sind meine gebrochenen Halswirbel geheilt! Das ohne Medikamente aber unterstützt mit Mineralien: Naturzeolith und Magnesiumchlorid“, sagte der Mediziner.
Und dann zitiert er einen Vers aus einem Gedicht von Erich Kästner: „Vom Pflastertreten wird die Seele krumm / Mit Bäumen kann man wie mit Brüdern reden / denn sie sind nicht stumm / Und wer auch kommen mag / sie helfen jedem.“
Genau das ist aus seiner Sicht die Natur des Menschen.

Raubbau am Wald entmenschlicht

Der immer noch aktive Wissenschaftler protestiert:
„In den letzten zehn Jahren ist der Wald in der Welt um zehn Prozent reduziert worden. Wir haben Raubbau betrieben. Das ist auch eine Entmenschlichung. Keiner fragt, wo der Sauerstoff herkommt. Der Sauerstoff kommt von den Bäumen. Wir brauchen zwei große Bäume über das ganze Jahr als Sauerstoff-Bedarf. Wenn das weiter so geht, dann geht uns die Luft aus.“
Aus seiner Sicht könne das Klimaproblem gelöst werden, indem mehr aufgeforstet wird, mehr Bäume gepflanzt werden. „Der Wald nimmt doch den CO2-Stoff auf. Die brauchen nur aufzuforsten.“ Das ist für ihn „richtiger Protest“. Er weist darauf hin, dass beim Klima viele Faktoren eine Rolle spielen, „nicht zuletzt jetzt auch 5G und so weiter“. Das werde offiziell bestritten, aber internationale Meteorologen hätten vor einiger Zeit gewarnt, dass die 5G-Technologie sich nicht nur auf die Qualität von Wettervorhersagen auswirkt, sondern sie teilweise sogar unmöglich machen könnte.
Hecht, der medizinisch und wissenschaftlich tätig war – „Das gibt es heute fast gar nicht mehr“ – und trotz hohen Alters immer noch aktiv und bestens informiert ist, fühlt sich an den Hippokratischen Eid gebunden. Er betont die Bedeutung des letzten Satzes im Eid: „Ich werde meine Patienten richtig informieren.“ So veröffentlichte er unter anderem mehrere Arbeiten zum Thema: Mobilfunktechnologie und 5G. Darin warnt er vor den Gefahren durch den „Einfluss von Funkwellen, der elektrischen Wellen auf biologische Prozesse“. Dem Thema widmen wir einen zweiten Artikel, der in Kürze erscheint.
Zur Person:
Karl Hecht, Jahrgang 1924, ist Professor für Neurophysiologie und emeritierter Professor für experimentelle und klinische pathologische Physiologie der Humboldt-Universität zu Berlin (Charité). Die Schwerpunkte seiner Forschungsarbeiten: Stress-, Schlaf-, Chrono-, Umwelt-, Weltraummedizin, Neuropsychobiologie und Neurowissenschaften. Karl Hecht ist Mitglied der Russischen Akademie der Wissenschaften in Moskau, der International Academy of Astronautics in Paris und hat in zahlreichen wissenschaftlich-medizinischen Organisationen, insbesondere in der DDR, mitgewirkt. Der in Sachsen-Anhalt geborene Wissenschaftler ist 97 Jahre alt und lebt in Berlin-Köpernick.
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