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 - SNA, 1920
Afghanistan
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Afghanistan-Experte: „Kein einziger Talib war an islamistischen Anschlägen im Ausland beteiligt“

© Foto : Reinhard ErösAfghanistan-Experte Reinhard Erös
Afghanistan-Experte Reinhard Erös - SNA, 1920, 11.09.2021
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Kaum ein Deutscher kennt Afghanistan so gut wie Reinhard Erös. Der Oberstarzt a.D. der Bundeswehr war schon vor 35 Jahren als Arzt während des sowjetisch-afghanischen Krieg am Hindukusch. Heute betreibt er dort mit seiner Stiftung Schulen und Universitäten. Erös sagt, mit den Taliban* kann und muss man zusammenarbeiten.
Herr Erös, ist es so, wie in der westlichen Welt vermutet wird, dass die Taliban Afghanistan wieder zurück in die Steinzeit führen werden?
Steinzeit – das ist ein journalistischer Begriff, der natürlich von der Sache her Unsinn ist. Da ist keine Steinzeit. Bei den Taliban sind inzwischen junge, moderne Leute dabei, die mit Smartphones, Tablets und Social Media gut umgehen können. Und weil sie ins Internet kommen, haben sie ein anderes Wissen über die Welt. Als sie vor 25 Jahren erstmals an die Macht kamen, hat es das noch nicht gegeben.
Jetzt wissen sie, dass zumindest in der westlichen Welt ihr Image – und das ist ja auch sehr begründet – absolut im Keller ist. Das wollen sie ändern. Deshalb legen sie jetzt Wert auf Kontakte zu den Medien, treten im Fernsehen auf, geben Interviews. Die Politik, die sie vorhaben – nennen wir das mal Politik in Anführungszeichen – soll ein anderes Image verbreiten. Mädchen sollen zur Schule gehen, Frauen sollen weiterarbeiten und so weiter. Ob das dann alles so zutrifft, das weiß keiner.
Meinen die Taliban das ernst? Was denken Sie?
Ich bin praktisch seit 35 Jahren in Afghanistan zu Hause. Ich war damals einer der ganz wenigen Westler während des sowjetisch-afghanischen Krieges. Ich habe dort als Arzt erfolgreich über dreieinhalb Jahre in den Bergdörfern im Osten Afghanistans gearbeitet, auch im berühmt-berüchtigten Tora Bora. Zumindest ist mir nichts Ernsthaftes passiert. Ich habe dort die Zivilbevölkerung ärztlich versorgt. Das wissen die Afghanen jetzt noch, die noch leben. So etwas wird weitererzählt, dass es da einen deutschen Arzt gab und so weiter. So hatte ich auch, als ich nach dem Sturz der Taliban 2002 mit meiner Frau wieder nach Afghanistan gegangen bin, um dort mit meiner Stiftung „Kinderhilfe Afghanistan“ zu arbeiten, von Anfang an keine Probleme.
Wir haben 30 Schulen gegründet, an denen inzwischen schon 70.000 Schüler beziehungsweise Schülerinnen waren, da das vorwiegend Mädchenschulen sind. Wir haben vor sieben bis acht Jahren auch eine Universität in der Provinz aufgebaut. Daran hat sich in den letzten zwei, drei Wochen nichts geändert. Wir haben mit den neuen politischen Machthabern, also den Taliban, sofort das Gespräch aufgenommen. Ich bin fast jeden zweiten Tag im Gespräch mit dem neuen Gouverneur unserer Provinz. Ich habe auch schon mit neuen Taliban-Ministern gesprochen. Die haben mir wiederholt bestätigt, dass unsere Einrichtungen normal weiterarbeiten können.
Meinen Sie, die Taliban werden in der Lage sein, ein funktionierendes Staatswesen aufzubauen oder weiterzuführen?
Kein Staatswesen wie bei uns, also mit einer Bundesregierung und einem Parlament, das wir wählen. Das widerspricht der Islam-Vorstellung der Taliban. Da gibt es keine Wahlen. Zumindest nicht das, was wir unter Wahlen verstehen. So einfach ist das alles nicht. Darum ist es immer so schwer, das in einem halbseitigen Bericht in der Zeitung zu beschreiben, wenn man nicht wenigsten die Grundbegriffe kennt. Was ist Deobandi-Islam? Ich weiß nicht, ob Sie das wissen. Das ist aber ein wesentliches Merkmal der Taliban. Oder der Ehren- und Wertekodex der Paschtunen, den es seit über tausend Jahren gibt. Das muss man einfach kennen, wenn man die Region und die Menschen dort verstehen will.
Das Unwissen fängt schon beim Begriff „Taliban“ an. Wenn man mal eine Umfrage machen würde in Deutschland, wer die Taliban sind, da kommt dann so etwas, wie man es im Fernsehen sieht: junge, ungepflegte Männer mit langen Bärten, mit einem komischen Turban auf dem Kopf, einem Umhang, barfuß in Sandalen und mit Kalaschnikow. Das ist auch nicht ganz falsch, die laufen ja so rum. Aber das ist nicht das Wesentliche, was einen Talib ausmacht. Dazu muss man in die Koranschulen vor Ort gehen, was ich als einer der ganz wenigen Deutschen in den letzten Jahren regelmäßig gemacht habe. Die sind vorwiegend auf pakistanischem Gebiet.
Ich war auch öfter in der Hochschule der Taliban, wenn man so will, der Darul Uloom Haqqania in Pakistan, wo die Taliban ihre Eliten heranzüchten und ausbilden. Da war ich vom Direktor der Haqqania als Gast eingeladen, weil ich auch die Sprache verstehe. Ich spreche Paschtu fast fließend. Ohne das zu wissen, kann man den Islam, die Taliban, die afghanische Kultur nicht verstehen. Das betrifft sowohl jemanden, der dort arbeiten oder kämpfen will, wie die westlichen Soldaten, oder jemand, der einen Zeitungsartikel schreibt. Deshalb habe ich zwei Bücher über meine Zeit in Afghanistan geschrieben, die beide Bestseller wurden. In der Zeitung kommt so etwas natürlich zu kurz.
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Bei uns oder auch in Russland gelten die Taliban als Terroristen. Wertet man die Taliban nicht auf, indem man mit ihnen redet und verhandelt?
Was ist ein Terrorist? Die Zeiten können sich ändern. Ich habe das schon erlebt, als in den 1970er Jahren die PLO, die palästinensische Bewegung damals unter Jassir Arafat als Terroristen bezeichnet wurden. Das war ja auch nicht falsch. Ich habe 1972 miterlebt, als PLO-Leute bei mir hier in München bei der Olympiade Sportler erschossen haben und sich in die Luft sprengen wollten. Aber acht Jahre später ist der Führer dieser Truppe, nämlich Arafat, mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet worden. Also, die Entfernung zwischen Terrorist und Friedensnobelpreisträger ist manchmal gar nicht so groß. Und das gilt auch für die Taliban. Wenn man sagt, in Afghanistan waren die Taliban Terroristen, weil sie furchtbare Sachen angestellt haben, auch gerade gegenüber Frauen, kann man das Wort benutzen. Aber wenn man unter Terrorist versteht, dass das Leute sind, die in die Welt hinausgehen und überall islamischen Terrorismus ausüben, indem sie Anschläge durchführen, wie den vom 11. September 2001, also 9/11, dann ist das schlicht falsch.
Kein einziger Afghane, auch kein einziger Talib war in den letzten 20 Jahren an islamistischen Anschlägen im Ausland beteiligt. Bei 9/11 – das waren alles Araber. Selbst die Taliban-Führer wussten, soweit sie mir das erzählt haben, vorher nichts von dem Anschlag. Bei den ganzen folgenden islamistischen Anschlägen waren ebenfalls keine Afghanen beteiligt – in Madrid, wo es 200 Tote gab, in London 160 Tote in der U-Bahn, in Paris, in Nizza, in Bali, selbst beim Anschlag auf dem Berliner Breitscheidplatz – das waren alles Araber oder Nordafrikaner, nie ein Afghane. Und auch die Taliban waren nicht involviert.
Die Taliban haben kein Interesse daran, außerhalb ihrer „Heimat“ in irgendeiner Form militant zu wirken. Ihr Ziel ist es, in ihrem Gebiet, in Paschtunistan, da, wo Paschtunen leben, in Afghanistan und West-Pakistan – zusammen sind das etwa 30-40 Millionen Paschtunen – dort ein Staatsgebilde aufzubauen und wirtschaftlich erfolgreich zu führen. Wobei sie das nicht Staat, sondern Emirat nennen, in dem Gottes Gesetz gilt und nicht irgendein von Menschen, schon gar nicht von westlichen Menschen gemachtes Gesetz.
Aber nun gibt es auch den Islamischen Staat**(IS) und andere radikalere Gruppierungen als die Taliban in Afghanistan. Werden die Taliban die in Schach halten können?
Die Taliban sind eine Bewegung der Paschtunen. Und da der Großteil der afghanischen Bevölkerung Paschtunen sind, bekämpft die Bevölkerung die Taliban nicht. Die sind zwar nicht gerade begeistert von diesen ungepflegten bärtigen Männern, sage ich mal. Aber es sind ihre Landsleute, unterm Strich Brüder vom gleichen Blute. Bei den IS-Leuten oder bei Al-Qaida ist das anders. Das sind fast alles Araber beziehungsweise inzwischen eine gemischte Truppe, die es dort noch nicht so lange gibt. Da sind auch Turkmenen und Usbeken dabei, Syrer auch, glaube ich. Vielleicht sind auch wieder Deutsche dazu gestoßen.
Und die sind bei den Afghanen eher verhasst und werden bekämpft. Die benehmen sich dort auch ganz anders. Wobei das Wort Benehmen zu hoch gegriffen ist. Die lassen wahllos Leute umbringen, aufhängen, Frauen vergewaltigen, Kinder töten. Das machen die Taliban nicht. Das ist alles IS und Al-Qaida. Alles Fremde im Land.
Und die Afghanen mögen keine Fremden in ihrem eigenen Land, außer als Gast oder zu Besuch. Aber keine Fremden, die auf ihrem Gebiet bestimmen, was zu tun ist und was zu lassen ist. Allerdings sind IS und Al-Qaida in Afghanistan nicht allzu stark. Das sind zusammen vielleicht 2000 Kämpfer. Die Taliban haben 60.000 bis 80.000, wie zuverlässige Quellen angeben. Rein militärisch sollte es für die Taliban also kein großes Problem sein, mit denen fertigzuwerden.
Also werden die Taliban in Afghanistan an der Macht bleiben?
Wie gesagt, die Taliban haben auch dazugelernt. Damals, als sie an die Macht kamen, hatten sie keine Erfahrung. Nachdem die Sowjets weg waren, war fünf Jahre furchtbarer Bürgerkrieg. Dann haben sich in Pakistan die Taliban gebildet und in ein bis zwei Jahren geschafft, was dem Westen in zwanzig Jahren nicht gelungen ist: das gesamte Land militärisch zu erobern und zwar ohne Drohnen, Kampfhubschrauber und dergleichen.
Sie haben das Land befreit von diesen marodierenden Warlords und wurden dafür von der Bevölkerung fast mit Applaus begrüßt. Ich war damals mit dabei. Ich war einer der wenigen, der auch während der Taliban-Zeit regelmäßig dort war. Die wurden dort so begrüßt, wie es mir mein Vater erzählt hat, der im Zweiten Weltkrieg als Wehrmachtssoldat in die Ukraine einmarschiert ist. Dort wurden sie von den Ukrainern mit Blumensträußen begrüßt, weil sie der Überzeugung waren, die Deutschen befreien sie jetzt vom Joch Stalins.
Das sind alles so Dinge, die wurden bei uns nie wahrgenommen, als die Taliban in Kabul einmarschierten. Journalisten sind damals nicht reingegangen. Und wenn sich mal Journalisten nach Afghanistan trauen, dann sprechen sie meist die Sprache nicht. Da gehen sie dann als Blinder, Tauber und Stummer dahin und schreiben oder filmen irgendwas, was ihnen irgendein Afghane erzählt, den sie gut bezahlen, weil er für sie da arbeitet. So entsteht dann unser Bild von Afghanistan.
Widerstandskämpfer in der afghanischen Provinz Pandschir - SNA, 1920, 10.09.2021
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Sie sind Oberstarzt a.D. der Bundeswehr. Wie bewerten Sie den Einsatz der Bundeswehr in Afghanistan und wie ist Ihr Fazit des zwanzigjährigen US-amerikanischen Krieges in Afghanistan?
Als das Ganze 2001 losging, war ich bei der Bundeswehr. Und dann wurde von einem Kanzler Schröder von der SPD und dem Grünen Joschka Fischer als Außenminister angeordnet, dass wir dahin reingehen sollen, aufgrund von 9/11, an dem kein Afghane beteiligt war und als Hilfstruppe der US-Amerikaner. Man wusste damals schon seit dem Vietnamkrieg, wie das abläuft, wenn der US-Amerikaner irgendwo reingeht. Da sollten wir nun mitmachen.
Das war für mich der Grund, mich dagegen zu äußern. Der „Spiegel“ hat daraufhin einen dreiseitigen Artikel über mich geschrieben. Aufgrund meiner Erfahrung in Afghanistan habe ich dann gesagt, dass dies ein Einsatz ist, der nicht funktionieren wird. Das wird viele Opfer auf beiden Seiten geben. Und man wird zwar Al-Qaida vertreiben können – die waren dann auch nach drei Wochen fort –, aber die Taliban werden wir nie besiegen können, weil sie einen massiven Rückhalt in der Bevölkerung haben.
Und wenn sie einen asymmetrischen Krieg führen, war mir gleich klar, dass es sich auch in Afghanistan, ähnlich wie in Vietnam um einen asymmetrischen Krieg handeln wird. Das wird nicht funktionieren. Ich habe zu dem Thema an der Deutschen Generalstabsakademie doziert, weil ich ja schon in Ruanda und Osttimor und vielen anderen Krisengebieten war, ich kenn mich damit also ein bisschen aus.
Also moderne Armeen kämpfen gegen Barfuß-Soldaten, die aber die Unterstützung der Bevölkerung haben. In einem solchen Krieg geht es darum „to win hearts and minds“ („Herzen und Köpfe zu gewinnen“). Da hast du als ausländischer Soldat in Afghanistan keine Chance, erst recht, wenn man ab und zu mal die Falschen trifft, die sogenannten Kollateralschäden, was bei den US-amerikanischen Bombardements häufig vorkam.
Das habe ich öffentlich gesagt. Daraufhin wurde mir vonseiten des Verteidigungsministers angeraten, die Armee zu verlassen. Eigentlich war ich da noch auf dem Karrieretrip, aber ich habe dann zwölf Jahre vor der eigentlichen Pensionierung die Armee verlassen und führe seit 2002 meinen eigenen Krieg in Afghanistan – aber nicht mit Waffen, sondern mit Medizin und Bildung.
Wie konnte es sein, dass der beste Geheimdienst und die größte Militärmacht der Welt in ihrer Einschätzung der Lage so falsch lagen?
Können Sie mir aus den letzten vierzig Jahren irgendein Beispiel geben, wo die CIA richtig lag? Oder der BND? Schon der Irakkrieg ist mit falschen Informationen gestartet, die der damalige US-Außenminister Colin Powell bei den Vereinten Nationen (UNO) vorgetragen hat, nämlich dass Saddam Hussein über Massenvernichtungswaffen verfügt und die demnächst einsetzen wird. Da war nichts wahr dran. Das hat dazu geführt, dass die US-Amerikaner in einen Krieg mit Hunderttausenden von Toten marschiert sind, was erst zu der starken Verbreitung der islamistischen Idee führte. Kein BND hat 1989 vorausgesehen, dass die DDR implodieren würde.
So wundert es mich auch jetzt nicht, dass keiner vorausgesehen oder es zumindest nicht kommuniziert hat, was in den letzten vier Wochen in Afghanistan passiert ist. Hätten Sie vor einem halben Jahr als deutscher Politiker geäußert, dass Barfuß-Soldaten quasi kampflos, ohne einen Schuss die Hauptstadt Kabul erobern würden, da hätte man Sie vermutlich einem Psychiater vorgestellt.
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Was wird die Zukunft bringen? Welche ausländischen Kräfte werden nun in Afghanistan vor allem eine Rolle spielen? Hat das Land eine Chance, sich zu einem normalen Handelspartner zu entwickeln?
Afghanistan ist ja angeblich gut ausgestattet mit Bodenschätzen. Das macht es für das eine oder andere Land schon interessant, sich da wirtschaftlich zu engagieren. Das Hauptproblem sehe ich eher in der fehlenden intellektuellen oder fachlichen Kompetenz der jetzigen Taliban-Führung. Die haben so gut wie keinen, der was von Finanzen versteht. Sie haben keinen, der was von Wirtschaft versteht. Die haben keinen, der was von Bodenschätzen versteht. Ich könnte jetzt weiter fortfahren.
Den Taliban ging es bisher in erster Linie um ideologische Dinge, darum, einen Gottesstaat in ihrem Sinne aufzubauen. Alles andere wird der liebe Gott schon richten. Also, wenn sie es jetzt nicht schaffen, im eigenen Land dafür zu sorgen, dass Fachleute, die Afghanistan ja hat oder hatte, für sich zu gewinnen, dass sie da bleiben oder zurückkehren, dann muss der Westen oder Russland oder China Afghanistan dermaßen subventionieren zum Überleben, also mit Geld, Lebensmitteln und Medizin, das kann man sich gar nicht vorstellen.
Wir haben schon jetzt eine Situation, dass im Osten des Landes über die Hälfte der Bevölkerung an der Schwelle zum Hunger ist. Über ein Drittel der Kleinkinder unter fünf Jahren werden im nächsten halben Jahr vermutlich an Mangel und Unterernährung sterben, wenn sich da in Sachen Ernährung nichts tut. Also für die Afghanen gilt im Moment der Brecht'sche Satz: „Erst kommt das Fressen und dann die Moral.“ Wenn das die Politik nicht hinbekommt, sowohl von Kabul, als auch durch Unterstützung von außen, von der UN, dann kommt es zu einer menschlichen Katastrophe und nicht wegen Krieg und angeblicher Terroristen, den Taliban, in Afghanistan.
Wenn wir das nicht hinkriegen, brauchen wir gar nicht erst darüber nachdenken, wer in Zukunft Wirtschaftspartner des Landes sein wird. Das sind auch wieder so westliche Denkweisen: Machen jetzt die Türken den Flugplatz, machen die Katarer irgendetwas, mischen sich die Russen jetzt mehr ein oder die Chinesen? Die Chinesen sind eh schon seit Jahren in Afghanistan aktiv und haben dort die größte Kupfermine gekauft. Aber da passiert noch nicht so wahnsinnig viel.
Was weiterläuft und worüber man sich mehr Gedanken machen sollte, ist das ganze Business mit dem Opium. Das wird zurzeit überhaupt nicht thematisiert. Afghanistan, das weiß jeder, ist der größte Produzent und Verkäufer von Heroin weltweit. Der Schlafmohn wird angebaut und daraus wird Opium gewonnen. Nun kann man aus diesem Opium Heroin machen, also eine weltweit verbotene Substanz, oder man kann aus Opium auch Medikamente machen: Morphine, Kodeine, was ich und andere seit Jahren vorschlagen. Sorgt doch dafür, dass die afghanischen Bauern ihr Opium nicht an irgendwelche Heroin-Händler verkaufen, sondern dass in den Städten Medikamentenfabriken gebaut werden, dass Bayer aus Leverkusen oder wer auch immer dort Medikamente produziert. Das war früher schon mal der Fall, zumal es dort vor Ort kaum Schmerzmittel gibt. In Afghanistan möchte man keinen Unfall haben. Das Land hat also ganz andere Sorgen und Nöte, als das, was bei uns in den Medien steht.
*Unter anderem von der Organisation des Vertrags über kollektive Sicherheit (Armenien, Kasachstan, Kirgisistan, Russland, Tadschikistan, Belarus) als Terrororganisation eingestuft, deren Tätigkeit in diesen Ländern verboten ist.
** Terrororganisation, in Deutschland und Russland verboten.
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