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Kein Tabu mehr? Bei „Markus Lanz“ bahnt sich Rot-Rot-Liaison an

CC BY-SA 3.0 / Kurt Kulac / Wikimedia CommonsMarkus Lanz (Archivbild)
Markus Lanz (Archivbild) - SNA, 1920, 09.09.2021
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Über die Partei Die Linke wird bei der Wahlkampagne derart oft geredet, dass der Eindruck entstehen könnte, die Linken wären der Favorit und nicht das Schlusslicht des Wahlrennens. Bei „Markus Lanz“ ging es am Mittwoch im ZDF um das „Schreckgespenst“ Rot-Rot-Grün. Ist diese Option bloß ein Bluff der SPD oder womöglich doch Deutschlands Zukunft?
Gleich zu Beginn der Sendung plauderte Markus Lanz ein „Firmengeheimnis“ aus. „Wissen Sie, warum Sie heute da sind?“, fragte der Moderator den ehemaligen SPD-Vizechef Ralf Stegner. „Uns hat Ihr Parteivorsitzender, Norbert Walter-Borjans, spontan abgesagt, nach dem Vorgespräch, als er das Gefühl hatte, es geht zu viel um die Linkspartei.“
Stegner gab gleich zu verstehen, für ihn sei dies kein Tabu-Thema. Und schickte voraus: „Rot-Grün wäre unsere Präferenz.“
Katja Kipping, die frühere Linke-Chefin, äußerte ihrerseits, der neuerliche Höhenflug der Sozialdemokraten sei in erster Linie durch die Misere und die Patzer der SPD-Rivalen zu erklären. „Dass Scholz vorne steht, liegt weniger an seiner Brillanz als an den Fehlern, die die anderen Kandidaten gemacht haben.“
Dann kam aber von ihr eine klare und eindeutige Zielsetzung ihrer Partei:

„Wir sind bereit, alles zu tun, um mit Olaf Scholz eine Koalition zu machen.“

Deutschlands Nato-Mitgliedschaft kein Problem für die Linke

Quasi im Vorbeigehen schob Kipping gleich den wohl größten ideologischen Stolperstein weg, der einer Koalition mit der „werteorientierten“ Volkspartei SPD im Wege liegen könnte: Deutschlands Nato-Mitgliedschaft sei kein Problem für ihre Partei. „Die Linke hat zu keinem Zeitpunkt gesagt, dass ein Nato-Austritt Voraussetzung für Koalitionsverhandlungen ist“, versicherte sie. Sehr wohl ein Problem seien aber die Interventionskriege wie jüngst in Afghanistan. Mittlerweile sei selbst USA-Präsident Joe Biden der gleichen Meinung wie sie, fügte die Linke-Politikerin hinzu.
Stegner, der zum linken SPD-Flügel zugerechnet wird, nahm diese Vorlage bereitwillig an:

„Natürlich muss es eine Nato-Reform geben und natürlich muss man mit den Russen als Nachbarn in Frieden leben.“

Das wurde wiederum dem Publizisten und Verleger Wolfram Weimer, einem weiteren „Markus Lanz“-Gast, viel zu steil. Er sah in einer rot-roten Liaison eine Gefahr für die „moralische Integrität“ der SPD. Prompt holte er die üblichen Klischees hervor: Die zur Linkspartei umbenannte SED sei „die Partei der Mauerbauer, die Partei, die Menschen von hinten erschossen und gefoltert hat“.

„Die Menschen spüren: Da klebt Blut“, behauptete der frühere „Welt“- und „Focus“-Chefredakteur.

Kipping wunderte sich darüber, dass der renommierte Journalist immer noch von diesem alten Hut Gebrauch macht: „Die Zeiten des Kalten Krieges sind lange vorbei, und als die Mauer fiel, war ich gerade einmal elf Jahre alt.“
Auch in dem Punkt zeigte sich Stegner mit Kipping solidarisch: Die CDU habe das Schreckgespenst wiederbelebt, weil ihr sonst andere Argumente in dem so gut wie verlorenen Wahlkampf fehlen: „Diese Rote-Socken-Kampagne erschreckt doch nicht mal mehr Kinder.“
Mikrofon (Symbolbild) - SNA, 1920, 06.09.2021
„Linkskanzler“ Scholz und „Trotzkistin“ Wissler: Bei „Anne Will“ ging es wieder um „rote Socken“

Lobbyistin gegen Rot-Rot-Grün

Da war aber im ZDF-Studio noch eine Teilnehmerin, die „eine klare Absage“ an eine Regierungskoalition mit den Linken forderte und überhaupt Angst vor Rot-Rot-Grün habe: Unternehmerin Sarna Röser, Bundesvorsitzende des Wirtschaftsverbandes „Die Jungen Unternehmer“. „Wenn man sich die Programme anschaut, dann sind die durchzogen von sozialistischen Ideen“, sagte sie. Ihre Umsetzung würde Arbeitsplätze gefährden.
Natürlich fühlte sich SPD-Politiker Stegner durch diese Behauptung herausgefordert. Immerhin sei es seine Partei gewesen, die das Kurzarbeitergeld-Schema vorgeschlagen und dadurch in der Krisenzeit unzählige Arbeitsplätze gerettet habe. Und überhaupt verfolge das SPD-Programm das Ziel – im Unterschied zu den Unionsparteien – kleine und mittlere Einkommen zu entlasten.
Kipping wiederum „entlarvte“ die Unternehmerin Röser als eine Lobbyistin, die mit ihrem Verband nicht „den netten Becker von nebenan“, sondern die reichsten Familien Deutschlands vertrete und eine „ziemlich harte Lobby-Politik“ betreibe.
Mit anderen Worten: Nicht wenige „Markus Lanz“-Zuschauer dürften am späten Mittwochabend ihre Glotze mit der Vorstellung ausgeschaltet haben, eine Rot-Rot-Kombination in der künftigen Bundesregierung sei gar nicht so unrealistisch.
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