Registrierung erfolgreich abgeschlossen!
Klicken Sie bitte den Link aus der E-Mail, die an geschickt wurde

Dieser Covid-19-Impfstoff muss nicht gekühlt werden

© CC0 / Paul_McManus / PixabayAstrazeneca (Symbolbild)
Astrazeneca (Symbolbild) - SNA, 1920, 08.09.2021
Abonnieren
Pflanzen und Bakterien werden in Kalifornien von Viren gekapert und zu Impfstoff-Fabriken umprogrammiert. Der Impfstoff, der auf diesem Weg entsteht, soll laut den Forschern gar nicht gekühlt werden müssen. Das würde ganz neue logistische Möglichkeiten eröffnen, denn nicht überall auf der Welt ist es so leicht, die Kühlketten einzuhalten.
Bei der globalen Verteilung von Impfstoffen gibt es neben dem ewigen Streit um die Freigabe von Produktionslizenzen auch eine andere Einschränkung: die Temperatur. Denn die gängigen Impfstoffe müssen vom Herstellungsort bis zum Impfzentrum oder bis zur Arztpraxis bei einer tiefen Temperatur gelagert werden. Nach anfänglichen Unterschieden mit Blick auf die Lagerung vor allem von mRNA-Impfstoffen haben sich alle Impfstoffe bei einer gängigen Kühlschranktemperatur von zwei bis acht Grad Celsius eingependelt. Das gilt unter anderem für den russischen Vektor-Impfstoff „Sputnik V“, den mRNA-Impfstoff von Biontech „Comirnaty“, den Vektor-Impfstoff „Vaxzervria“ von Astrazeneca und den chinesischen Tot-Impfstoff „Coronavac“.
Verzehrbare Corona-Impfung - SNA, 1920, 17.05.2021
Wie Joghurt mit Erdbeergeschmack: Russische Forscher entwickeln Impfung zum Trinken
Solche Temperaturen nützen natürlich nichts, wenn etwa beim Transport das Kühlsystem ausfällt. Dann wandert der gesamte transportierte Impfstoff in die Tonne. Vor allem in Entwicklungsländern könnten bei der oftmals schlechten Infrastruktur solche Probleme künftig gehäuft auftreten. Industriestaaten bemühen sich darum, entsprechende Länder mit Kühlungstechnologien zu unterstützen.
Forscher der University of California San Diego (UCSD) arbeiten an zwei Impfstoffkandidaten, die auf Kühlung komplett verzichten sollen. An Mäusen getestet ist er bereits und konnte dort laut den Forschern „eine hohe Produktion neutralisierender Antikörper gegen Sars-Cov-2“ bewirken. Die Studie ist am Dienstag im Journal of the American Chemical Society erschienen.
Corona-Impfstoff - SNA, 1920, 06.06.2021
Virusähnliche Partikel: Neuer Impfstoff als Mittel gegen Covid-19
Als Produktionsstätten für die beiden Impfstoffe werden Pflanzen und Bakterien gebraucht. Im ersten Fall kommt das Cowpea-Mosaik-Virus zum Einsatz, ein Virus, das eine Pflanze namens Kuhbohne befällt. Im zweiten Fall befällt ein Bakterien-Virus namens Qbeta das Bakterium Escherichia Coli. In beiden Fällen dienen Pflanzenzellen und Bakterien als Produktionsstätten für sogenannte „virusähnliche Partikel“.
Im Klartext: Es werden von der Kuhbohne oder von den Bakterien weitere Cowpea-Mosaik-Viren oder Qbeta-Viren produziert, die allerdings im Inneren leer sind und sich deswegen auch nicht weiter fortpflanzen können. Diese werden von den Forschern aus dem Pflanzenmaterial oder der Bakterienmasse herausgesondert. Im letzten Schritt kommt auf die Oberfläche der Nanokugeln außerdem ein Teil des Spike-Proteins. Werden die Kügelchen nun verimpft, dann reagiert das Immunsystem auf diese Stelle des Spike-Proteins und es kommt zur Immunität gegen Sars-Cov-2.
Was ist ein Spike-Protein?

Das Coronavirus besteht grob aus RNA, einem Proteingerüst und einer Fettschicht, die das Virus nach außen abgrenzt. Die RNA ist das Erbgut des Virus, das die gesamte Information zu seinem Bau trägt, die Einheit aus RNA und Proteinen nennt sich wegen seiner oft kapselförmigen Form Nukleokapsid und die Fettschicht ist die Außenhülle des Virus. In dieser Außenhülle sind eine Reihe von Proteinen verankert (S-, M- und E-Protein). Dem Spike-Protein kommt dabei eine zentrale Rolle zu, denn mit diesem dockt das Virus an die menschliche Zelle an, genauer an sogenannte ACE-2-Rezeptoren an der Zelloberfläche. Daraufhin verschmilzt die Virushülle mit der Zellmembran und das Nukleokapsid gelangt ins Zellinnere, wo die Vermehrung der viralen RNA und der Bausteine des Virus, darunter auch des Spike-Proteins, abläuft. Das Spike-Protein (Englisch für Stachel) hat seinen Namen wegen seiner stachelähnlichen Form erhalten. Viele Impfstoffe konzentrieren sich darauf, Menschen gegen das Spike-Protein beziehungsweise den Abschnitt des Spike-Proteins, der für die Bindung zuständig ist, zu immunisieren.

ExpandierenMinimieren
Die Vorteile einer solchen Impfstoff-Produktion wären laut den Forschern: 1) Günstige und einfache Produktion. Pflanzenzucht kann leicht in großem Maßstab durchgeführt werden und auch die Fermentation von Bakterien in großen Bioreaktoren ist ein gängiges Verfahren in der Pharmaindustrie. 2) Hohe Temperaturbeständigkeit der Impfstoffe. Da die Nanopartikel nicht hitzeempfindlich sind, können sie ohne Kühltechnik gelagert und transportiert werden.
Die Forscher arbeiten außerdem an einer Anwendung in Form eines Pflasters mit Mikronadeln. Der Vorteil: Die Pflaster könnten bequem per Post zugesendet werden, was vor allem gefährdeten Gruppen zugute kommt. Und es bräuchte keinen Arzt, der die Impfung verabreicht, sondern man könnte das Pflaster selbstständig am Arm anbringen. Daneben wird auch an Implantaten geforscht, die unter die Haut gepflanzt werden und über den Zeitraum eines Monats Impfstoff abgeben. Mit diesem Verfahren soll die einmalige Impfung ausreichen.
Auch das wurde bereits an Mäusen getestet. Das Ergebnis: Sowohl die klassische Nadel als auch Pflaster und Implantat sollen zu hohen Antikörper-Konzentration im Blut der Nager geführt haben.
Interessant ist, dass die Antikörper auch gegen das frühere Sars-Virus aus den Jahren 2002-2003 wirken. Der ausgewählte Teil des Spike-Proteins scheint also für Mutationen kaum empfänglich zu sein, womit er ein Mittel gegen aufkommende Varianten sein könnte. Bei den gängigen Spike-basierten Impfstoffen dagegen hat sich die Forschung auf die Bindestelle des Spike-Proteins konzentriert. Die hat sich aber einige Male schon verändert – und das Virus ansteckender gemacht.
Das Potential dieser neuen Impfstoffe wird sich aus Sicht der Forscher nicht auf das aktuelle Coronavirus beschränken. Die Nanopartikel aus Pflanzen und Bakterien können mit beliebigen Proteinen nachgerüstet werden.
Newsticker
0
Neueste obenÄlteste oben
loader
Live
Заголовок открываемого материала
Um an der Diskussion teilzunehmen,
loggen Sie sich ein oder registrieren Sie sich
loader
Chats
Заголовок открываемого материала