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Mitarbeiterverlust „kann man nicht mehr ausgleichen“ – Warum „Impf-Fanatiker“ in die Gastro sollten

© SNA / Alexander BoosAfD-Veranstaltung zur Rettung der Gastronomie im Bundestag
AfD-Veranstaltung zur Rettung der Gastronomie im Bundestag - SNA, 1920, 07.09.2021
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Im Briefkasten sogenannter „2G-Fanatiker“ – wie SPD-Gesundheitsexperten und Virologen – kann bald „ein kritisches Schreiben liegen“. Das kündigten Unternehmer der Gastronomie-Branche am Montag im Bundestag an. „Wir fordern das Ende aller Corona-Maßnahmen“, sagte Steffen Kotré (AfD) als Gastgeber der Veranstaltung. SNA war vor Ort.
Die Tourismus- und Gastronomie-Branche in Deutschland stehe finanziell vor dem Kollaps. Nach 18 Monaten Lockdown und politisch verordneter Corona-Maßnahmen sehe sich das Gewerbe „kurz vor dem Ruin“. Dieser Wirtschaftsbereich habe darüber hinaus mit starkem Fachkräfte-Mangel zu kämpfen.
Außerdem wurden die Konzepte 2G bzw. „eventuell bald“ 1G stark kritisiert. Wenn tatsächlich nur noch eine geimpfte Kundschaft bewirtet werden darf, würden für Hotels, Clubs und Restaurants bald 20 bis 30 Prozent der Stammgäste wegbrechen, so die Warnungen.
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Solche Erkenntnisse und Problemlagen wurden am Montagabend bei einer Veranstaltung im Bundestag deutlich. Konkret warnten dort mehrere Unternehmer. Darunter Hoteliers, Veranstalter und Betreiber von Tanzlokalen und Gaststätten, Weinhändler, Soloselbständige, DJs sowie Musiker.

„Viele Gastronomen verlieren durch Corona alles“

Sie alle sprachen auf der Veranstaltung „Die vergessenen Branchen: Das Aussterben der Gastronomie und anderer wichtiger Bereiche der Wirtschaft“, auf Einladung des AfD-Abgeordneten Steffen Kotré im Berliner Parlamentsgebäude.
„Es kann nicht sein, dass man durch eine Pandemie alles verliert: Eigenkapital, Eigentum – alles“, kritisierte Sven Jäger zugespitzt politisch Verantwortliche in Bundesregierung und Verwaltung. Er vertrat die Gastronomie „Lichtenrader Eck“, ein Familien-Unternehmen in Berlin und kennt die Probleme der Branche seit Beginn der Corona-Krise nur zu gut aus der täglichen Arbeit.
AfD-Politiker Kotré erklärte im SNA-Interview vor Ort:

Im Grunde genommen steckt in all unseren Handlungen Wahlkampf. Wir haben versucht, jetzt noch vor der Bundestagswahl so ein Treffen zu machen. Insofern hat sich das angeboten, um wachzurütteln und natürlich, um auf die Programmatik der anderen Parteien hinzuweisen. Insofern steckt also auch hier Wahlkampf dahinter, aber für einen guten Zweck. Denn wir sehen Dinge, die völlig aus dem Ruder gelaufen sind. Um diese wieder richtig zu rücken.

© SNA / Alexander Boos

AfD-Politiker Steffen Kotré (mi.) im Gespräch mit Gastronom Sven Jäger (re.)

AfD-Politiker Steffen Kotré (mi.) im Gespräch mit Gastronom Sven Jäger (re.) - SNA
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AfD-Politiker Steffen Kotré (mi.) im Gespräch mit Gastronom Sven Jäger (re.)

© SNA / Alexander Boos

Die AfD-Politiker Alice Weidel und Steffen Kotré (mi.) im Gespräch mit Gastronom Sven Jäger (re.)

Die AfD-Politiker Alice Weidel und Steffen Kotré (mi.) im Gespräch mit Gastronom Sven Jäger (re.) - SNA
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Die AfD-Politiker Alice Weidel und Steffen Kotré (mi.) im Gespräch mit Gastronom Sven Jäger (re.)

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AfD-Politiker Steffen Kotré (mi.) im Gespräch mit Gastronom Sven Jäger (re.)

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Die AfD-Politiker Alice Weidel und Steffen Kotré (mi.) im Gespräch mit Gastronom Sven Jäger (re.)

„2G-Regel für Verluste verantwortlich“

„Durch 2G/1G verliert die Gastronomie etwa 20 bis 30 Prozent der Gäste (die nicht-geimpft sind, Anm. d. Red.). Zum Vergleich: In Frankreich sind es schon 50 Prozent.“ Davor warnte der Unternehmer Bernd Muckenschnabel.
„Die Lage wird erst nach der Wahl ernst“, sagt er auf die Bundestagswahl Ende September blickend. Bis dahin versuche die amtierende Bundesregierung noch, die dramatische Lage im Gastro-Gewerbe unter Verschluss zu halten, schätzte er ein. Es seien „skandalöse Verhältnisse, die wir in Deutschland haben.“
Die Tourismus-Branche allein bringe circa 1,5 Millionen Angestellte auf die Beine. „Das ist mehr als die Auto-Industrie. Wir und unser Eigentum sind durch die Corona-Maßnahmen über Monate hinweg geschädigt worden. Im Prinzip sind das Berufsverbote. Viele Unternehmen sind am Ende bzw. liegen kurz vor dem Ruin. Allein der Bus-Tourismus hat über 80 Prozent Verluste an Einnahmen zu beklagen. Die Flughäfen sind alle bankrott. Was wir aufgebaut haben über Jahre, ist nun völlig zerstört. Das traut sich nur keiner, Ihnen in der Öffentlichkeit zu sagen.“ Er hoffe, künftig über weitere parlamentarische Initiativen und einer Experten-Gruppe Regierung und Branchenverbänden „ordentlich Dampf zu machen“.

Gastro-Branche verliert Kunden und gutes Personal

„Wir sind zu Handlangern der Politik gemacht worden“, kritisierte Gastronom Jäger scharf. Eben weil die Gastro-Branche die staatlichen 2G-Regeln durchsetzen müsse.
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„Obwohl die Impfung eine freiwillige Entscheidung ist. Es ist in der Gastro gar kein Personal dafür da, um diese Restriktionen durchzusetzen. Wir haben gar nicht die Zeit, zu fragen: Sind Sie geimpft oder ungeimpft? Außerdem ist das datenschutzrechtlich bedenklich.“ Hinzu kämen „Diskussionen an der Tür“ bis hin zu Beleidigungen.
Dazu komme das Problem der Wettbewerbsverzerrung und Fragen von Doppelmoral: „Die dürfen öffnen, aber wir nicht?“ Aufgrund der „restriktiven Maßnahmen der Bundesrepublik sind mittlerweile 368.000 Menschen aus der Gastronomie abgewandert“, beklagte er.
Darunter Kellnerinnen und Kellner, Köche und ähnliche Service-Kräfte. Viele würden sich angesichts einer ungewissen Zukunft beruflich umorientieren, berichtete er:

„Sie kommen in diese jetzt unsichere Branche nicht mehr zurück.“

Ende der Maßnahmen? „Dänemark macht es vor“

Diesen Mitarbeiterschwund „kann man nicht mehr ausgleichen“, mahnte Kotré in drastischen Worten.
Er sehe eine „Zerstörung der Gastronomie, der Kulturbetriebe. Das kann man gar nicht genug anprangern, wie hier die Weichen falsch gestellt werden und wir vorsätzlich geschädigt wird. Ich sage bewusst ‚vorsätzlich‘. Denn es gibt keine epidemische Lage nationaler Tragweite. Es ist gelogen worden bei der Sterblichkeit, die es 2020 so nicht gab. Es ist gelogen worden bei der Belegung der Intensiv-Betten. Kinder sind auch keine Viren-Schleudern. Daran kann man erkennen, dass wir keine Maßnahmen brauchen. Jetzt kann man eigentlich wieder zur Normalität zurück.“
Seine Partei habe im Parlament seit Beginn der Corona-Maßnahmen „denen wir sehr skeptisch gegenübertreten und die wir jetzt auch in Gänze ablehnen, über 200 Anfragen und Anträge eingebracht. Um die Bundesregierung darauf hinzuweisen, was hier alles schiefläuft. Hier finden faktische Gewerbeverbote statt, das wollen wir nicht. Auch nicht die freiheitlichen Einschränkungen der Bürger. Wir haben Schäden in der Wirtschaft. Wir sehen in Ländern wie Dänemark, dass es auch anders geht.“ Kopenhagen hebt in den nächsten Tagen alle Restriktionen wie die Maskenpflicht komplett auf.
Menschen im Kopenhagener Café - SNA, 1920, 16.08.2021
Dänemark hebt Maskenpflicht komplett auf
Der Diskussionsabend „war als interfraktionelle Veranstaltung geplant“, betonte der AfD-Abgeordnete mehrfach. Seine Fraktion hatte nicht nur die Wirtschaftsvertreter, sondern ebenso alle anderen Parteien im Bundestag dazu eingeladen. Doch von diesen Fraktionen sei nur die AfD gekommen, bedauerte er.
Selbst namhafte Branchen-Verbände seien der Einladung aus politischen Gründen nicht nachgekommen, eben, weil die AfD eingeladen hatte, hieß es auf der Veranstaltung. Diese Entscheidung konnte Gastronom Jäger nicht nachvollziehen. „Es geht um unsere Branche“, sagte er und stellte klar:

„Das hier ist keine Parteiveranstaltung. Dass man sich in dieser Art distanziert, obwohl es für die Branche um entscheidende Dinge geht, macht mich traurig.“

„Schreiben an 2G-Fanatiker“ geplant

Die Tagung versuchte, Lösungen zu finden. Die Gründung einer Initiativ-Gruppe aus Gastro und Abgeordneten sei geplant, um parlamentarisch aktiv zu bleiben. Auch Flugblätter mit kritischen Informationen seien geplant, kündigte Kotré an.
Aktuell werde ein „Schreiben an 2G-Fanatiker“ formuliert. Dieses gehe dann beispielsweise an SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach, RKI-Chef Lothar Wieler und Chef-Virologe Christian Drosten. „Wir laden diese gerne einmal ein, zwei Wochen in der Gastronomie zu arbeiten. Um hautnah mitzuerleben, was sie da eigentlich für ein schändliches Werk machen.“ Dann bekämen diese Experten eine Vorstellung, wie es sei, beispielsweise ungeimpften Gästen an der Tür zu erklären, warum sie nun nicht mehr willkommen wären.
„Wir haben als AfD-Fraktion erkannt, dass sie völlig alleingelassen und betrogen werden durch die Regierungspolitik“, sagte AfD-Spitzenkandidatin und Fraktions-Chefin Alice Weidel, die trotz heißer Wahlkampf-Phase die Veranstaltung kurz besuchte. „Hier kippt eine gesamte Branche ab und läuft Gefahr, in Insolvenz zu laufen: Und niemand nimmt sich dieser Probleme an.“ Das Infektionsschutzgesetz sei nach wie vor „hoch verfassungswidrig“, erinnerte sie. Am Dienstagvormittag hielt sie eine Rede zum Thema im Plenum des Bundestags.
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„Der Tourismus ist die meist unterschätzte Branche in ganz Deutschland“, erklärte Sebastian Münzenmaier, Tourismus-politischer Sprecher der AfD-Fraktion und Vorsitzender des gleichnamigen Ausschusses im Bundestag. „Im April 2020, direkt im ersten Lockdown, hatten wir gesehen: Das Beherbergungsgewerbe verzeichnete damals schon 86 Prozent Verluste, das Gaststättengewerbe über 70 Prozent Verluste. Wir hatten damals bereits die sofortige Öffnung der gastronomischen Einrichtungen, von Hotels und Pensionen sowie für Kultureinrichtungen gefordert.“

Das Radio-Interview mit Steffen Kotré (AfD) zum Nachhören:

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