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 - SNA, 1920
Afghanistan
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Pandschir endgültig gefallen? Massud ruft zu nationalem Aufstand gegen Taliban auf

Ahmad Massoud - SNA, 1920, 06.09.2021
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Nachdem die militant-islamistischen Taliban* am Freitag die vermeintliche Eroberung der afghanischen Provinz Pandschir verkündet hatten, rief der Anführer der Nationalen Widerstandsfront (NRF) in der Region Achmad Massud am Montag auf seiner Facebook-Seite zu einem nationalen Aufstand gegen die Taliban auf.
„Wir rufen Sie auf, einen allgemeinen Aufstand zu beginnen, um der Ehre, Freiheit und dem Stolz unserer Heimat willen“, hob Massud in einer am Montag veröffentlichten Audiobotschaft hervor.
Der Anführer äußerte sich nicht zur aktuellen Situation in der Provinz. Er fuhr lediglich fort, dass die Menschen in jeder möglichen Form kämpfen könnten, sei es durch bewaffneten Kampf oder durch Proteste. Die Nationale Widerstandsfront stünde bis zum letzten Moment an ihrer Seite.
Wenige Stunden davor hatten die Taliban erklärt, die Provinz Pandschir, die als einzige noch nicht unter ihre Kontrolle gebracht worden war, eingenommen zu haben. Videos und Bilder in sozialen Medien zeigten Taliban-Kämpfer im Gouverneursgebäude der Provinzhauptstadt Basarak.

Verhandlungen abgelehnt

Die Taliban haben ihrerseits nun die gewaltsame Eroberung der afghanischen Provinz Pandschir gerechtfertigt: Nachdem Verhandlungen gescheitert seien, weil zwei Personen die Gespräche verweigerten, seien die Taliban gezwungen gewesen, Streitkräfte zu entsenden und eine Operation zu starten. Das geht aus der Erklärung des Sprechers der Islamisten, Sabiullah Mudschahid, während einer Pressekonferenz am Montag in Kabul hervor.
Es ist davon auszugehen, dass er damit die zwei Anführer des Widerstands, den bisherigen Vizepräsidenten Amrullah Saleh und Achmad Massud, Sohn des legendären Nordallianz-Führers Achmad Schah Massud, meinte. Pandschir sei nun vollständig unter Kontrolle der Taliban, der Krieg sei vorbei und das Land aus der Krise gerettet, sagte Mudschahid weiter.
Über das Schicksal von Pandschir als einziger Provinz im Land, die noch nicht unter Kontrolle der Taliban gestanden hatte, sollte ursprünglich im Zuge der Verhandlungen entschieden werden. Am Dienstag aber begannen Gefechte, als nach Angaben von Widerstandskämpfern die Taliban Kontrollpunkte am Taleingang angriffen. Am Sonntagmorgen (Ortszeit) erklärten die Taliban, sie hätten die Provinz erobert.
Ganz eindeutig dementierte die Nationale Widerstandsfront (NRF) die Einnahme nicht, kündigten aber an, der Kampf werde fortgesetzt, bis die Aggressoren aus dem Land geschafft seien.
Ein Bewohner des Bezirks Schutul am Talanfang sagte, die Taliban seien in seinem Dorf und durchsuchten die Häuser nach Waffen. Die allermeisten Menschen seien weiter in den Bergen. Taliban-Sprecher Mudschahid fügte demnach hinzu, Pandschir sei ein „Teil unseres Körpers“ und die Pandschiris „unsere Brüder“.
Auch Telefon- und Internetverbindungen in der Provinz wolle man wieder herstellen sowie wieder Nahrungsmittellieferungen in das Tal erlauben, sagte Mudschahid weiter. Über die Anführer des Widerstands Saleh und Massud sagte er, diese würden vermisst. Es gebe Gerüchte, dass Saleh aus dem Land geflohen sei.

Widerstandshochburg unter Kontrolle der Taliban?

Anfang August hatten die Taliban vor dem Hintergrund des internationalen Truppenabzugs aus Afghanistan eine großangelegte Offensive gegen die Regierungstruppen gestartet. Am 15. August drangen sie in Kabul ein und übernahmen die Kontrolle über den Präsidentenpalast. Die einzige von der Taliban nicht kontrollierte Provinz war Pandschir.
Zuvor hatte Taliban-Sprecher Bilal Karimi erklärt, die Region sei unter die Kontrolle der Bewegung gebracht worden. Einige Aufständische hätten bei den Kämpfen eine Niederlage erlitten, während andere geflohen seien, hieß es. Die Taliban hatten den Einwohnern von Pandschir versprochen, die Bevölkerung der Provinz nicht zu unterdrücken.
Eine Quelle von SNA in den Polizeikreisen in Kabul hatte mitgeteilt, dass der afghanische Vizepräsident Amrullah Saleh und der Anführer der Widerstandskämpfer, Ahmad Massoud, die Provinz verlassen haben sollen. Später hatte Saleh diese Berichte dementiert.
Massoud zeigte sich am Sonntag zu Verhandlungen bereit, um die Kämpfe mit den militanten Islamisten zu beenden. Die NRF sei bereit für ein sofortiges Ende des Krieges, falls die Taliban ihre Angriffe in Pandschir beenden, schrieb er auf Facebook. Man strebe eine politische Einigung an, bei der alle sozialen Gruppen vertreten seien.
Taliban-Kämpfer - SNA, 1920, 06.09.2021
Afghanistan
Taliban wollen Provinz Pandschir eingenommen haben
*Unter anderem von der Organisation des Vertrags über kollektive Sicherheit (Armenien, Kasachstan, Kirgistan, Russland, Tadschikistan, Belarus) als Terrororganisation eingestuft, deren Tätigkeit in diesen Ländern verboten ist.
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