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Montenegro in Identitätsfrage gespalten: Proteste gegen Amtseinführung von Kirchenführer

© AFP 2021 / SAVO PRELEVICEin Mann geht an einer Barrikade vorbei, die während eines Protests gegen die Amtseinführung des neuen Oberhaupts der serbisch-orthodoxen Kirche in Montenegro errichtet wurde. 5.09.2021
Ein Mann geht an einer Barrikade vorbei, die während eines Protests gegen die Amtseinführung des neuen Oberhaupts der serbisch-orthodoxen Kirche in Montenegro errichtet wurde. 5.09.2021 - SNA, 1920, 05.09.2021
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Der serbische Patriarch Porfirije hat am Sontag den neuen serbisch-orthodoxen Kirchenführer in Montenegro ins Amt eingeführt. Zuvor kam es zu Protesten und Straßenkämpfen, bei denen die Polizei Tränengas einsetzte.
Den Metropoliten Joanikije hat das Oberhaupt der serbisch-orthodoxen Kirche, Patriarch Porfirije, im Kloster von Cetinje in sein Amt eineingeführt, wie dieser auf Instagram mitteilte.
Zuvor hatte die Polizei Proteste und Straßenblockaden der Gegner der Amtseinführung gewaltsam aufgelöst. Ein Reporter der Deutschen Presse-Agentur beobachtete, wie Jugendliche in der Nähe des Klosters Steine auf Polizisten warfen. Diese feuerten Tränengaskartuschen ab. Bei der Auflösung der Straßenblockaden leisteten die Demonstranten keine nennenswerte Gegenwehr. Porfirije, Joanikije und ihr Gefolge flogen in Hubschraubern zum Kloster. Vor den Außenmauern des Anwesens standen Panzerfahrzeuge der Polizei.
16 Menschen wurden festgenommen oder verhaftet, sieben Polizisten verletzt, berichtete das Nachrichtenportal „vijesti.me“. Über die Zahl der verletzten Protestteilnehmer lagen zunächst keine Angaben vor. Der unabhängige Rat für die zivile Kontrolle der Polizei stellte fest, dass die Sicherheitskräfte auch Gummigeschosse eingesetzt und damit Menschen verletzt hatten.
Die massive Ablehnung der Zeremonie durch die örtliche Bevölkerung ist darauf zurückzuführen, dass die historische Hauptstadt Cetinje als Wiege der montenegrinischen Unabhängigkeitsidee gilt. Die serbisch-orthodoxe Kirche mit Sitz in Belgrad erkennt wiederum die staatliche Identität Montenegros nicht an.
Das kleine Balkanland war bis 1918 unabhängig und ist es seit 2006 wieder. Rund 30 Prozent der Bürger des Landes sind ethnische Serben. Weit mehr Menschen bekennen sich zur serbisch-orthodoxen Kirche. Die Durchsetzung der Amtseinführung Joanikijes mit Polizeigewalt dürfte die Spaltung des Landes nach Ansicht von Beobachtern vertiefen.
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Staatspräsident Milo Djukanovic, der das Land 2006 über ein Referendum in die Unabhängigkeit geführt hatte, hielt sich nach eigenen Angaben zum Zeitpunkt der Unruhen in Cetinje auf.
„Heute haben wir eine in der Geschichte unseres Landes beispiellose Schande seitens der serbisch-orthodoxen Kirche und der Regierung erlebt“, sagte er in einem YouTube-Video. Die Amtseinführung des neuen Metropoliten sei durch „völlig unangemessene Gewaltanwendung gegen friedlich versammelte Bürger“ erzwungen worden.
Djukanovic' Partei DPS verlor im Vorjahr die Parlamentswahl. Der Präsident steht seitdem einer heterogenen Koalitionsregierung gegenüber, die hauptsächlich – aber nicht nur – von proserbischen Parteien und dem Umfeld der serbisch-orthodoxen Kirche getragen wird. Sie beschuldigt Djukanovic, die Demonstranten zu den Unruhen angestiftet zu haben.
Auf Anordnung von Ministerpräsident Zdravko Krivokapic nahm die Polizei am Sonntag einen Berater von Djukanovic fest. Veselin Veljovic, der unter der DPS-Regierung Landespolizeichef war, wird beschuldigt, die Unruhen inszeniert zu haben. Beweise wurden bislang keine vorgelegt.
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