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Bundestagswahl 2021: SPD sollte den Tag nicht vor dem Abend loben – Sozialforscher zu Wahlumfragen

SPD Logo - SNA, 1920, 04.09.2021
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Laut den neuesten Umfragen rund drei Wochen vor der Bundestagswahl überholt die SPD die Union, und die Grünen fallen weiter zurück. Umfragen sind jedoch Momentaufnahmen, die sich von einem Ereignis zum anderen signifikant ändern können und daher äußerst volatil sind, sagt der Wiener Sozialforscher Daniel Witzeling im SNA-Interview.
Außerdem sei es heute zusehends schwieriger verschiedene Zielgruppen für eine repräsentative Befragung zu erreichen, so der Leiter des Humaninstituts Vienna.
„Die Unterschiede zwischen SPD und CDU spielen sich weiter bei ein paar Prozentpunkten ab. Es ist nicht so, dass die Sozialdemokraten uneinholbar vorne wären. Ein Kopf-an-Kopf-Rennen wird oft gerne von den Medien inszeniert. Die SPD sollte den Tag nicht vor dem Abend loben. Es ist für Olaf Scholz strategisch nicht wirklich vorteilhaft, dass man seine Partei auf Platz 1 sieht. Dies kann einen Mobilisierungseffekt für Armin Laschet und die Konservativen zur Folge haben, die man nicht unterschätzen sollte.“
„Verfolgt man die Umfragen über einen längeren Zeitraum, so scheint sich ein gewisser Trend in Richtung Olaf Scholz abzuzeichnen“, so Witzeling weiter.
„Dies mag auch zentral mit dem Prozess der Desillusionierung rund um die am Anfang des Wahlkampfes sehr stark gehypte Grünen-Spitzenkandidatin Annalena Baerbock zusammenhängen. Diese Stimmen dürften in Richtung der SPD wandern. Ein anderer Faktor in Bezug auf die Stabilität der empirischen Erhebungen sind die kleineren Parteien von der FDP über die AfD bis hin zur der Partei ,Die Linke‘.“
Das Corona-Frust-Potenzial sei aktuell schwer einzuschätzen und könnte der AfD sowie der Linken noch Stimmen bringen, urteilt der Psychologe.
„Auch die FDP als Lobby der Wirtschaft könnte neben der AfD und der Linken als lachender Dritter profitieren. Mit Oskar Lafontaine sowie Sahra Wagenknecht und deren differenzierten bis kritischen Haltung zu den Corona-Maßnahmen hätte die Partei noch größere Chancen als unter den realen Spitzenkandidaten Janine Wissler und Dietmar Bartsch, die nicht über die mentale und mediale Bandbreite von Lafontaine und Wagenknecht verfügen. Das manifestiert sich elementar in den eher schwachen Umfragewerten für die Wertegemeinschaft am linken Rand der Parteienlandschaft. Die Wahrheit werden wir erst am Wahlabend erfahren. Bis dahin ist wirklich noch alles offen, von einem respektablen Ergebnis für Olaf Scholz bis hin zu einem Überraschungserfolg für Armin Laschet.“
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Wird es am Ende doch Rot-Rot-Grün?

„Hier dürfte es sich eher um mediales Wunschdenken handeln“, antwortet der Sozialforscher. „Fakt ist, dass alle drei Parteien, SPD, Grüne und die Linke, mehr oder weniger im gleichen Wählersegment fischen. Daher kommt es eher zu einem Kannibalisierungseffekt. Dies bedeutet, dass man sich die drei politischen Bewegungen als kommunizierende Gefäße vorstellen sollte. Man kann das Phänomen ganz deutlich an der Stärkung der SPD durch die simultane Schwächung der Grünen beobachten. Wähler aller drei Parteien haben untereinander größere Schnittmengen als beispielsweise mit Wählern der CDU oder der FDP. Die Regierungsbildung dürfte diesmal nicht einfach sein, denn die Zeit der Großparteien ist, so wie es aussieht, vorbei“, resümiert Daniel Witzeling.
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