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Ex-Chef nicht überzeugt: Bäckermeister aus Hannover äußert sich zu Baerbocks Mindestlohn

© AFP 2021 / MICHAEL KAPPELERAnnalena Baerbock, Co-Vorsitzende der Grünen und Kanzlerkandidatin ihrer Partei, stößt nach einer TV-Wahldebatte in Berlin am 29. August 2021 vor den Bundestagswahlen am 26. September 2021 mit ihren Parteikollegen an.
Annalena Baerbock, Co-Vorsitzende der Grünen und Kanzlerkandidatin ihrer Partei, stößt nach einer TV-Wahldebatte in Berlin am 29. August 2021 vor den Bundestagswahlen am 26. September 2021 mit ihren Parteikollegen an. - SNA, 1920, 02.09.2021
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In ihrer Wahlkampagne werben die Grünen nicht nur für die Klimapolitik, sondern auch für die soziale Gerechtigkeit. Und vor allem bei sozialen Fragen versucht Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock nun die Menschen zu überzeugen - auch im Fernsehen. Ihr ehemaliger Chef wirkt wenig beeindruckt.
Am Mittwochabend war Baerbock in der „Die Pro-Sieben-Bundestagswahl-Show“ zu Gast und wurde neben dem Moderator Louis Klamroth auch von Studiogästen aus verschiedenen Berufen befragt. Die Grünen-Politikerin stellte drei Ziele ihrer Politik in den Vordergrund: Klima schützen, „die soziale Spaltung angehen“ und eine aktive Außenpolitik. Was die soziale Politik angeht, da hat sie bei ihren früheren Auftritten schon öfter betont, das eine, der Klimaschutz, schließe das andere, die soziale Gerechtigkeit, nicht aus. In ihrem Programm festgeschrieben heißt es: zwölf Euro Mindestlohn, mindestens 600 Euro Hartz-IV ohne Überprüfung der Arbeitswilligkeit der Empfänger und 75 Euro Klimaprämie pro Jahr.
Aber 75 Euro jährlich würden nicht ausreichen, um die höheren Benzinkosten für den Weg von einem Dorf bei Hannover bis zur Uni in der Stadt auszugleichen, merkte darauf eine Studentin im Saal an. Darauf antwortete Baerbock, 75 Euro seien nur der eine Vorschlag. In den nächsten Jahren sollen weitere kommen, so Baerbock.

Wir werden dann schauen, wie Menschen auf ein E-Auto umsteigen können, weil deutlich günstiger ist, weil der Strom deutlich günstiger ist.

Annalena Baerbock
Kanzlerkandidatin der Grünen
Dazu wolle man noch gebrauchte E-Autos bei den Menschen mit geringerem Einkommen, anders als jetzt nicht nur mit 6000 Euro, sondern mit 9000 Euro fördern und diesen Menschen dazu noch einen zinslosen Kredit geben, falls ihnen immer noch Geld für ein E-Auto fehlen würde.

Bäckermeister begegnet Baerbock

Ein weiterer Studiogast zeigte sich bei Baerbocks Vorschlägen kritisch – der Bäckermeister Axel Oppenborn, bei dem sie als Schülerin gejobbt hatte. Inzwischen ist Oppenborn nach Angaben des Moderatoren Unternehmer mit mehreren Filialen und etwa 200 Mitarbeitern. Er lobte zwar Baerbock als seine ehemalige Aushilfe auch für ihre Pünktlichkeit, auch wenn sie manchmal „mit angeschlagener Stimme" im Frühdienst Brötchen verkauft habe, wenn nachts noch eine Party war.
Mit den Vorschlägen der Kanzlerkandidatin zeigte sich der Mann jedoch unzufrieden, nämlich mit einer Anhebung des Mindestlohns. Er rechnete ihr vor:

„Du sprichst von einer Mindestlohnerhöhung auf zwölf Euro. Jetzt haben wir 9,60 Euro. Das sind 25 Prozent!“

Es sei ja für die Mitarbeiter zwar grundsätzlich gut und richtig, aber wie löst das Bäckerhandwerk das Problem bei einem Lohnkostenanteil von 50 Prozent, wollte der Mann wissen. Das werde zu Preissteigerungen führen müssen. Das wiederum würde die kleineren Betriebe im Wettbewerb gegenüber den Supermärkten in die noch nachteiligere Lage versetzen.
Darauf demonstrierte Baerbock zwar Verständnis in der Art, ja, der „Kampf mit den Discountern“ sei eine Herausforderung für die Bäcker. Jedoch erinnerte sie sich an die Erfahrung mit dem Mindestlohn 2015. Damals hätten die Friseure zwar befürchtet, dass die Kunden ihnen weggehen, aber diese hätten sich weiterhin die Haare schneiden lassen, auch wenn die Preise erhöht wurden. Oppenborns Vorteil sei doch, dass er regional verankert sei und den Preis-Nachteil durch Qualität wegmachen könne.
Die Billigprodukte will sie dafür noch in der Bundesregierung mit einer transparenteren Kennzeichnung vorsehen, damit der Kunde direkt sehen könne, dass die verarbeiteten Eier bei der Discounter-Backware etwa nicht aus der Region kommen, sondern „aus Polen“.
Auf die weitere Anmerkung von Oppenborn, er finde wegen des Arbeitskräftemangels auch nur sehr wenige Mitarbeiter und brauche Lösungen, sprach sich Baerbock für eine verstärkte Zuwanderung von Arbeitskräften und ein funktionierendes Zuwanderungsgesetz aus. Die Antworten hat der Bäckermeister mit nur sehr wenig Begeisterung entgegengenommen – und als er dann vom Moderatoren noch gefragt wurde, ob er Baerbock wählen würde, sagte er lediglich: „Ich glaube, ich entscheide das, wenn ich vor dem Wahlzettel stehe.“
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