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Afghanistan
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„Luftbrücke Kabul“ wirft der Bundesregierung Multiorganversagen vor: BMI „Mutter aller Probleme“

© SNA / Paul LinkeOpen Air Pressekonferenz der Initiative "Luftbrücke Kabul" am 01. September 2021 vor dem Bundesinnenministerium in Berlin (von links nach rechts: Mattea Weihe - auch aktiv bei Seawatch; Thomas Hoffmann; Theresa Breuer - online zugeschaltet; Ruben Neugebauer)
Open Air Pressekonferenz der Initiative Luftbrücke Kabul am 01. September 2021 vor dem Bundesinnenministerium in Berlin (von links nach rechts: Mattea Weihe - auch aktiv bei Seawatch; Thomas Hoffmann; Theresa Breuer - online zugeschaltet; Ruben Neugebauer) - SNA, 1920, 01.09.2021
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Die Initiative „Luftbrücke Kabul“ hat die Rettung von über 200 Menschen aus Kabul organisiert, die aber zum größten Teil mit US-Militärflugzeugen gerettet worden seien. Nun wirft sie der Bundesregierung ein „Multiorganversagen“ vor. Das machten die Organisatoren am Mittwoch in einer Pressekonferenz vor dem Innenministerium in Berlin deutlich.
Einer der Initiatoren der „Luftbrücke Kabul“, Ruben Neugebauer, bezeichnete das Bundesinnenministerium (BMI) als „die Mutter aller Probleme im Zusammenhang mit der Evakuierungsmission“. Das Ministerium habe nicht die nötigen Papiere bereitgestellt, um die Menschen aus Kabul herauszuholen. Dies habe die Evakuierung bürokratisch verzögert, „mit dem Ergebnis, dass jetzt sehr viele Menschen nach wie vor in Afghanistan festsitzen“, sagte Neugebauer gegenüber SNA am Mittwoch in Berlin.
Im BMI habe der politische Wille gefehlt, die Menschen aus Kabul herauszuholen: Das Ministerium habe sich völlig darauf konzentriert, „nur eine ganz kleine Personengruppe da rauszuholen und eben wirklich nur nicht zu viele aus Afghanistan zu evakuieren“, moniert Neugebauer.
Der Aktivist fordert, dass die Fehler aus den letzten Wochen und Monaten wiedergutgemacht werden müssen, dass Listen unbürokratisch weitergeführt werden und dass weiter Menschen aus der Zivilgesellschaft ausreisen können - „unabhängig davon, ob sie für die Bundesregierung gearbeitet haben oder aus anderen Gründen gefährdet sind“.
Andere Nationen hätten sehr viel früher mit der Evakuierung angefangen, sagte er gegenüber den Journalisten vor dem Innenministerium. „Es entsteht der Eindruck, dass man hier die Debatte nicht mehr vor der Bundestagswahl haben wollte, und dafür ist man am Ende wahrscheinlich über Leichen gegangen, weil es so ist, dass sehr wahrscheinlich nicht mehr alle lebend aus Afghanistan rauskommen, die dort schutzbedürftig sind“, so Neugebauer.

Rettung auf eigene Faust

Mit einem immensen Aufwand und Kosten von etwa 350.000 Euro haben es die Aktivisten nach eigenen Angaben zunächst geschafft, 18 gefährdete Ortskräfte aus Kabul in Sicherheit zu bringen. „Dabei hätten es hunderte mehr sein können, wenn unsere Rettungsaktion nicht aktiv vom Auswärtigen Amt blockiert worden wäre“, heißt es in einer Pressemitteilung der Initiative vom Samstag. Für diese Evakuierungsmission der Luftbrücke wurde eigens ein Flugzeug für bis zu 180 Personen gechartert.
Die Regierung habe sich geweigert, eine E-Mail zu schreiben, um den Transport freizugeben. Die Maschine habe bereitgestanden, „doch niemand sollte evakuiert werden“, so die Aktivisten. „Öffentlich wurde behauptet, dass das Flugzeug erwünscht sei, doch nach der Landung vor Ort war klar: Unser Flugzeug sollte keine Menschen evakuieren. Als Portugal unser Evakuierungsangebot für ihre afghanischen Ortskräfte dankend annahm, versuchten deutsche Diplomaten offenbar zu erzwingen, dass das Flugzeug niemanden evakuiert. Das wurde von deutschen Diplomaten offenbar klar an die US-Behörden kommuniziert. Wir sollten nicht erfolgreicher sein, als die Bundesregierung. Wir sollten scheitern, damit das Kartenhaus der Evakuierungsaktion der Bundesregierung nicht in sich zusammenfällt“, heißt es weiter.
Am Ende kam es aber doch noch zu einem Erfolg. In der Nacht zum Sonntag konnten laut den Helfern 189 Menschen in Bussen mit US-amerikanischer Unterstützung über zahlreiche Check-Points in den Kabuler Flughafen gebracht werden. Von dort seien sie mit einer US-Militärmaschine nach Doha ausgeflogen worden.
Das Vorhaben sei deshalb geglückt, weil die Initiative massive Unterstützung von der britischen und der US-amerikanischen Seite erhalten habe, sagte Theresa Breuer, die vor Ort die Luftbrücke in Kabul koordiniert hatte und aus Doha zu der Pressekonferenz zugeschaltet war. Die gleiche Unterstützung habe sie sich von der deutschen Seite gewünscht, betonte sie.
Interview mit Ruben Neugebauer zum Nachhören:
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