Registrierung erfolgreich abgeschlossen!
Klicken Sie bitte den Link aus der E-Mail, die an geschickt wurde
 - SNA, 1920
Afghanistan
Aktuelle Nachrichten aus Afghanistan

Drogen, Steuern und geheimnisvolle Sponsoren: Woher kommen die Milliarden der Taliban?

© SNA / Stringer / Zur BilddatenbankTaliban-Kämpfer in Kabul, Afghanistan
Taliban-Kämpfer in Kabul, Afghanistan - SNA, 1920, 31.08.2021
Abonnieren
Die Taliban*, die in Afghanistan die Macht ergriffen haben, kontrollieren auch die Wirtschaft am Hindukusch. Trotz des florierenden Drogenhandels haben sie in den zurückliegenden Jahrzehnten gelernt, wie nicht nur mit dem Handel von Opium und Heroin Geld in die Kassen gespült werden kann.
Die Taliban führten Steuern für die unter ihre Kontrolle stehenden Gebiete ein, forderten Abgaben von Transportunternehmen und Mobilfunkbetreibern. Zudem floss Geld aus Pakistan und einigen Golfstaaten. Die Einnahmen belaufen sich auf 1,5 Milliarden US-Dollar pro Jahr. Reicht diese Summe aus, um die Staatskasse zu füllen? Das erfahren Sie in diesem Artikel.

Nicht nur Drogen

„Es wird weder Drogenproduktion noch Schmuggel geben. Afghanistan ist nicht mehr das Land, in dem Opium angebaut wird“, sagte Taliban-Vertreter Zabiullah Mujahid. Man werde Unterstützung aus dem Ausland brauchen, fügte er hinzu.
Solche Versprechungen waren in der Vergangenheit schon häufig zu hören. Die Islamisten strebten im Jahr 2000 nach internationaler Anerkennung und verboten damals den Anbau von Schlafmohn. Die Opiumfelder wurden vernichtet und der Drogenhandel ging tatsächlich stark zurück. Doch mit dem Einmarsch der USA in Afghanistan verloren die Extremisten die Macht, und der Handel mit Opium, Heroin und Methamphetamin blühte wieder auf.
Laut dem Büro der Vereinten Nationen für Drogen- und Verbrechensbekämpfung (UNODC) ist Afghanistan der größte Opium-Produzent der Welt. Im vergangenen Jahr nahm die Schlafmohn-Ernte am Hindukusch um 37 Prozent zu. Die Opiumfelder erstrecken sich auf eine Gesamtfläche von 263.000 Hektar – ein absoluter Rekordwert.
Mit dem Drogengeschäft machen die Taliban laut UNODC-Angaben 400 Millionen US-Dollar pro Jahr.
Lange Zeit war das Drogengeschäft ihre größte Einnahmequelle. Doch die Situation änderte sich in den vergangenen Jahren – die Islamisten diversifizierten ihre Wirtschaft.

Viele verschiedene Einnahmequellen

Einer der Taliban-Anführer, der Sohn des Taliban-Gründers Mullah Omar, Mullah Mohammad Yaqoob, hatte dazu aufgerufen, andere Einnahmequellen aufzutun. Die Extremisten begannen damit, gezielt Regionen mit großen Mineralvorkommen zu erobern. Afghanistan ist reich an Bodenschätzen – Kupfer, Bauxite, Eisenerz, Marmor, Lithium. Es gibt auch Goldvorkommen. Der Wert all dieser Ressourcen wird auf mehrere Billionen US-Dollar geschätzt. Viele Vorkommen sind noch unberührt. Bodenschätze unter ihrem Zugriff bringen den Extremisten mehr als 460 Millionen Dollar pro Jahr. Nach „Financial Times“-Angaben sind die Abnehmer vorwiegend Privatunternehmen aus China, Pakistan und den Vereinigten Arabischen Emiraten.
Afghanistans Vize-Präsident Amrullah Saleh - SNA, 1920, 31.08.2021
Afghanistan
Nach US-Truppenabzug: Afghanistans Vize-Präsident Saleh nennt die USA „Minimacht“
UN-Informationen vom Mai dieses Jahres zufolge belaufen sich die jährlichen Einnahmen der Taliban auf 300 Millionen bis 1,6 Milliarden US-Dollar. Allein die Steuereinkünfte lagen im vergangenen Jahr bei 160 Millionen Dollar. Mit der Ergreifung der Provinzen übernahmen die Islamisten die regionalen Haushaltskassen, Waffen und Panzer und holten sich Geld bei Unternehmen sowie der Bevölkerung.
Zudem wurden eine zehnprozentige Steuerabgabe und Gebühren für kommunale Dienstleistungen (allein die Stromversorgung brachte zwei Millionen Dollar pro Jahr ein) eingeführt. Außerdem musste eine Art Transitgebühr für Güter an die Taliban abgeführt werden. Die Taliban versuchten, in jedem Wirtschaftsbereich mitzumischen. Ein wichtiges Geschäftssegment war die Lieferung von Kraftstoff, Zigaretten, Lebensmitteln, Medikamenten und Bedarfsgütern.
Darüber hinaus erhalten die Taliban Finanzhilfen aus dem Ausland. Wie BBC-Journalisten herausfanden, handelt es sich dabei um eine Gesamtsumme von 500 Millionen Dollar im Jahr von privaten Sponsoren aus drei Golfstaaten – aus Saudi-Arabien, den Vereinigten Arabischen Emiraten und Katar.

Erste Schwierigkeiten

„Die Taliban errichteten ein Finanzimperium, doch alles wird ins Wanken geraten, sobald sie die Leitung der Regierung übernehmen“, prognostizierten westliche Medien. Dazu ist es gerade gekommen. Die Islamisten, die zuvor nur im „grauen“ Wirtschaftssektor herrschten, stießen bereits auf erste Schwierigkeiten.
Die Afghanen glaubten nicht an die Versprechen der neuen Machthaber und liefen eilig in die Banken, um ihr Geld abzuheben, wie Bloomberg-Korrespondenten in Kabul berichteten. Ein schwerer Schlag für die Wirtschaft. Den Geldautomaten geht das Bargeld aus, die Preise schießen in die Höhe. Die Preise für Mehl und Butter stiegen um ein Drittel. Die Straßen sind wie leergefegt, die meisten Apotheken geschlossen.
„Das Bankensystem ist lahmgelegt. Afghanistan ist ein Land, das auf Importe angewiesen ist. Es werden Produkte im Wert von 870 Millionen US-Dollar exportiert und im Wert von 8,6 Milliarden US-Dollar importiert. Nun müssen die Taliban das Volk mit Lebensmitteln versorgen, den Staatsapparat unterhalten“, so der Orientalist und Afghanistan-Kenner Omar Nessar.
75 Prozent der Staatsausgaben Afghanistans wurden durch internationale Hilfen gedeckt. Kabul bekam jedes Jahr mehr als vier Milliarden Dollar. Damit kann nun nicht mehr gerechnet werden.
Der Chef der Zentralbank Afghanistans, Ajmal Ahmady, sagte kurz nach seiner Flucht aus dem Land, dass sich der Großteil der Gelder der früheren Regierung im Ausland befänden: Sieben der insgesamt neun Milliarden Dollar Währungsreserven würden in den USA aufbewahrt. Bidens Administration wolle dieses Geld einfrieren lassen.
Afghanistan drohen ein rasanter Anstieg der Inflationsrate, eine Abwertung der Nationalwährung und zunehmende Armut. Wenn die neuen Regierenden ihre Anerkennung durch die Weltgemeinschaft nicht erreichen, rutscht das Land in die Isolation. Allerdings würden die regionalen Länder bald einen Dialog mit den Taliban beginnen, meint Nessar. Das heißt, dass das Regime neue Einnahmequellen bekommen könnte.
*Unter anderem von der Organisation des Vertrags über kollektive Sicherheit (Armenien, Kasachstan, Kirgistan, Russland, Tadschikistan, Belarus) als Terrororganisation eingestuft, deren Tätigkeit in diesen Ländern verboten ist.
Kabul - SNA, 1920, 31.08.2021
Afghanistan
Lage in afghanischer Hauptstadt Kabul nach Abzug der USA ruhig
Newsticker
0
Neueste obenÄlteste oben
loader
Live
Заголовок открываемого материала
Um an der Diskussion teilzunehmen,
loggen Sie sich ein oder registrieren Sie sich
loader
Chats
Заголовок открываемого материала