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Arbeitsagentur will indonesische Pflegekräfte nach Deutschland holen – SNA erfährt Details

© CC0 / succo / PixabayArbeitsagentur (Symbolbild)
Arbeitsagentur (Symbolbild) - SNA, 1920, 31.08.2021
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Pflegekräfte wurden in der Pandemie als Helden bezeichnet. Trotzdem will etwa ein Drittel von ihnen wegen Arbeitsüberlastung kündigen, besonders auf den Intensivstationen. Um dem Personalmangel zu begegnen, verhandelt die Bundesagentur für Arbeit jetzt sogar mit Indonesien - aber worüber genau? SNA hat nachgehakt.
Eine entsprechende Vereinbarung mit dem asiatischen Land hat die Bundesagentur für Arbeit nach eigenen Angaben bereits getroffen, damit indonesische Pflegekräfte schon in diesem Jahr leichter angeworben werden könnten. So soll offenbar der Personalmangel in deutschen Pflegeeinrichtungen bekämpft werden.
Es geht um eine „Vermittlungsabsprache“ mit dem staatlichen Indonesian Migrant Workers Protection Board, die dann auch die Einreise teilnehmender Pflegekräfte erleichtern würde. Ihr ausländischer Berufsabschluss müsste erst nach der Ankunft in Deutschland anerkannt werden, zuvor aber soll den Auserwählten auch beim Lernen der Sprache, Visum und bei der Integration in Deutschland geholfen werden. Nach ihrer Auswahl sollen sie zunächst mehrere Monate lang in Indonesien sprachlich auf ihre Arbeit vorbereitet werden, hieß es dazu weiter von der Bundesagentur für Arbeit. Mit den ersten Einreisen rechne die Behörde aber frühestens im zweiten Halbjahr 2022.

Wer zahlt?

Es bleiben allerdings ein paar Fragen: Wer trägt die Kosten für die Ausbildung und die Integration der indonesischen Fachkräfte? Wie viele müssen nach Deutschland kommen, und warum werden mit diesen Geldern nicht lieber inländische Fachkräfte unterstützt? Denn schon öfter haben die Kritiker der staatlichen Gesundheitspolitik geargwöhnt, dass es nicht so sehr um vermeintlichen oder tatsächlichen Fachkräftemangel gehe, sondern dass es in Wahrheit an Fachkräften mangele, die zu teilweise schlimmen Arbeitsbedingungen in der Pflege arbeiten möchten.
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„Die Kosten für die Sprachkurse im Heimatland der künftigen Pflegekräfte wird durch eine Gebühr, die der zukünftige Arbeitgeber zahlt, finanziert“, teilt die Sprecherin der Nürnberger Behörde, Susanne Eikemeier, auf eine entsprechende SNA-Anfrage mit. Konkret heißt es, die Arbeitgeber würden die Unkosten für die sprachliche Vorbereitung der indonesischen Gastarbeiter im Heimatland mittels einer Dienstleistungsgebühr an die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) überweisen. Dann müssten nach der Einreise in Deutschland noch die Anpassungsqualifizierungen für die Anerkennung der Fachkräfte und weitere Sprachkurse bis Niveau B2 stattfinden, alles von den deutschen Arbeitgebern organisiert und finanziert, so Eikemeier.
Doch wirklich viele Indonesier werden offenbar nicht nach Deutschland kommen. Laut Eikemeier werden nur bis zu 150 Pflegekräfte in der ersten Rekrutierung geplant - „sofern die Pandemie dies zulässt“. Auf die Frage, ob diese Fachkräfte dann genauso entlohnt werden wie die inländischen, gab die Sprecherin jedoch keine Antwort. Die Entlohnung sei genau wie die restlichen arbeitsvertraglichen Vereinbarungen eine privatrechtliche Angelegenheit zwischen Arbeitgeber und –nehmer, ließ sie lediglich wissen, versicherte jedoch, dass „wir von der Bundesagentur für Arbeit darauf schauen, dass alle rechtlichen Voraussetzungen schon beim Stellenangebot eingehalten werden“. Auch die Arbeitgeber werden dann verpflichtet, sich daran zu halten.

Anreize für inländische Fachkräfte?

Der SNA-Frage, ob die Bundesagentur für Arbeit vielleicht auch Stimuli und Anreize für die Wiederanwerbung der unter schlechten Arbeitsbedingungen leidenden inländischen Pflegekräfte habe, ist die Sprecherin der Agentur ebenfalls ausgewichen. Man dürfe sich aus Neutralitätsgründen nicht in arbeitsvertragliche Angelegenheiten zwischen Arbeitgeber und –nehmer einmischen, weil beide Beiträge zahlen würden, erklärte Eikemeier. „Aus diesem Grund dürfen wir nicht Position beziehen, was die Arbeitsbedingungen angeht.“
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Trotzdem arbeite die Agentur schon seit Jahren daran, den Pflegeberuf bekannter zu machen, sagte sie weiter und ergänzte, die Agentur weise jugendliche Ausbildungssuchende und auch umschulungswillige Erwachsene auf „diesen zukunftssicheren Beruf“ hin. „Außerdem zahlen wir – wo immer es das Gesetz zulässt – Umschulungen zur examinierten Pflegekraft, wenn der Bewerber dieses Berufsziel anstrebt“, so die Sprecherin zum Schluss.
Und trotzdem hatte wegen der Corona-Pandemie und ihrer Folgen mindestens ein Drittel der (Intensiv)-Pflegenden noch Ende April geplant, den Beruf aufzugeben oder den eigenen Stellenanteil zu reduzieren, wie eine Befragung der Deutschen Gesellschaft für Internistische Intensivmedizin und Notfallmedizin zeigte. Viele ehemalige Fachkräfte indes können sich aber eine Rückkehr vorstellen – wenn die Voraussetzungen dafür stimmen. Als solche Voraussetzungen wurden unter anderem Wertschätzung durch Vorgesetzte, Zeit für qualitativ hochwertige Pflege, Tarifbindung und Höheres Grundgehalt genannt.
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