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„Mein Russisch ist verrostet, Sprachpraxis ist notwendig“: Neuer Präsident in Estland gewählt

© REUTERS / INTS KALNINSDer designierte estnische Präsident Alar Karis
Der designierte estnische Präsident Alar Karis - SNA, 1920, 31.08.2021
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Das estnische Parlament hat im zweiten Wahlgang den ehemaligen Direktor des Nationalmuseums Alar Karis zum Staatspräsidenten gewählt.
Karis war der einzige Präsidentschaftskandidat aller im Parlament vertretenen Parteien. Im ersten Wahlgang am Montag verfehlte er jedoch die erforderliche Zweidrittelmehrheit. Seine Vorgängerin Kersti Kaljulaid hatte nach einer Amtszeit beschlossen, nicht erneut für das Amt des Staatsüberhaupts zu kandidieren.
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Diplomierter Tierarzt und Museumsdirektor

Karis wurde am 26. März 1958 in der zweitgrößten estnischen Stadt Tartu geboren. Im Jahr 1981 absolvierte er die veterinärmedizinische Fakultät einer Hochschule für Landwirtschaft. Später studierte er an der Universität Hamburg, dem National Institute for Medical Research in London sowie an der Erasmus-Universität Rotterdam. 1999 wurde er Professor an der Universität Tartu. Von 2003 bis 2007 leitete er die Estnische Universität für Naturwissenschaften und von 2007 bis 2012 die Universität Tartu. Seine Ehefrau, Sirje Karis, leitet seit 2018 das Stadtmuseum von Tartu. Das Ehepaar hat zwei Söhne, eine Tochter und fünf Enkelkinder.

Russischkenntnisse „verrostet“, Sprachpraxis notwendig

Karis hat bereits erwähnt, dass er seine Russischkenntnisse verbessern möchte. „Ich glaube tatsächlich, dass man sich dafür ein wenig anstrengen muss, man muss ein wenig in einem entsprechenden Umfeld verweilen“, äußerte er gegenüber dem estnischen Sender ERR. Schließlich habe er einmal viel mit Russisch zu tun gehabt: Er habe sich auf Russisch unterhalten, studiert und seine Forschungsarbeit auf Russisch geschrieben, sagte der 63-Jährige.
„Aber im Laufe der Jahre ist diese Sprache, wie ich schon gesagt habe, aufgrund mangelnder Praxis verrostet. Eine Sprachpraxis ist notwendig.“

Treffen mit Putin möglich?

Der designierte Staatschef wies zwar auf die Schwierigkeiten in den Beziehungen zu Russland hin, zeigte sich jedoch davon überzeugt, dass es möglich ist, auf verschiedenen Ebenen im Rahmen der Kulturdiplomatie zu kommunizieren.
„Was die Beziehungen anbetrifft, so haben wir eine sehr gute Ausstellung mit dem Russischen Nationalen Ethnographischen Museum in Sankt Petersburg. Und wir haben eine sehr gute Beziehung. Diese Schausammlung wurde hierher gebracht und wird derzeit ausgestellt. Das sind seltene Zeichnungen und Fotos von dem russischen Ethnographischen Museum“, sagte Karis.
Er habe ein aus der russischen Neuen Tretjakow-Galerie stammendes Bildwerk, das einen russischen Bären mit einem Goldfisch darstelle, in einer Ausstellungshalle des Estnischen Nationalmuseums aufstellen lassen, erinnerte sich Karis. „Man kann also im Rahmen der Kulturdiplomatie auf verschiedenen Ebenen kommunizieren. Wir dürfen diese nicht unterschätzen“, fügte er hinzu.
Hinsichtlich eines möglichen russisch-estnischen Gipfeltreffens sagte Karis, er halte ein Treffen mit dem russischen Präsidenten für möglich. Eine solche Veranstaltung setzt seiner Ansicht nach eine gute Vorbereitung voraus:
„Für ein so wichtiges Treffen muss es zunächst einen klaren Grund geben, man muss das Ergebnis kennen und sich sehr gut darauf vorbereiten. Wenn diese Kriterien erfüllt sind, kann man das natürlich besprechen“, sagte er und betonte, jede Beziehung sei wichtig.
„Und wir sollten nicht vergessen, dass es auch während der Kriege (internationale – Anm. d . Red.) Treffen gab und diplomatische Fragen gelöst wurden“, so Karis weiter.
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Russisch-estnisches Verhältnis

Die Beziehungen zwischen Russland und Estland waren in den letzten Jahren angespannt, es gab praktisch keine Kontakte in politischen, wirtschaftlichen und anderen Bereichen. Trotzdem besuchte die amtierende Präsidentin Kaljulaid im April 2019 Russland. Es war das erste Gipfeltreffen seit zehn Jahren.
Die Amtszeit des Staatsoberhaupts in Estland beträgt fünf Jahre. Mehr als zwei Amtszeiten in Folge sind untersagt. Das Amt des Präsidenten hat vor allem repräsentative Aufgaben. Voraussetzungen für die Kandidatur sind ein Alter von mindestens 40 Jahren und eine durch die Geburt erworbene estnische Staatsangehörigkeit.
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