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Das TV-Triell: Der Dreikampf mit vorprogrammiertem Ergebnis

© REUTERS / MICHAEL KAPPELERDie TV-Debatte der Kanzlerkandidaten von der Union der SPD und den Grünen bei RTL und ntv am 29.08.21
Die TV-Debatte der Kanzlerkandidaten von der Union der SPD und den Grünen bei RTL und ntv am 29.08.21 - SNA, 1920, 30.08.2021
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Vier Wochen vor dem Wahltermin hat der bis dahin eher lauwarme Wahlkampf in Deutschland mit dem „TV-Triell“ im RTL einen Ansporn bekommen. Damit sollte bei den Bundesbürgern, die am liebsten „keinen der Kandidaten“ wählen würden, Interesse an den angebotenen Bewerbern erweckt werden. An dem zu erwartenden Wahlergebnis änderte die Talk-Runde wenig.
Die RTL-Moderatoren wollten gleich mit der ersten Frage Armin Laschet (CDU/CSU), Annalena Baerbock (Die Grünen) und Olaf Scholz (SPD) aus der Reserve locken. „Frau Baerbock, warum glauben Sie, kann Olaf Scholz nicht Kanzler?“, wurde die Grünen-Kandidatin gefragt.
Scholz wurde wiederum gefragt, warum Laschet der Falsche für das Amt wäre. Der SPD-Kandidat wies die Moderation gleich in die Schranken:

Ich glaube, dass das nicht der Stil ist, den wir pflegen sollten. Das gehört sich nicht.

Ist auch verständlich: Scholz will seine Ruhe haben. Viele werfen ihm vor, er wolle die Wahlkampagne „aussitzen“, während die beiden Konkurrenten reihenweise Fehler begehen. Bis heute scheint diese Rechnung des SPD-Kandidaten aufzugehen: Vor einigen Monaten lag seine Partei weit abgeschlagen, heute liegt sie bei allen Fragen an der Spitze.
Es ist der Unionskandidat Armin Laschet, der in die Offensive gehen musste, weil seine Chancen auf einen Wahlerfolg innerhalb der Sommermonate dramatisch zusammengeschmolzen waren. Mehrfach musste er vom CSU-Chef Markus Söder hören, die Wahlkampagne „im Schlafwagen“ zu betreiben. Das Absinken der Union in den Umfragen wurde konkret mit der Person Laschet in Verbindung gebracht. Immer lauter wurde sogar über einen Wechsel des Spitzenkandidaten diskutiert.
Am Sonntagabend hat sich Laschet auch sichtlich bemüht, vor den Kameras ein anderes Bild von sich zu liefern. Er gab zwar Fehler der Regierung (etwa in Afghanistan) reumütig zu, griff aber die Konkurrenz energisch an: Die Grünen etwa, weil sie mit ihren rigorosen Klimaschutz-Forderungen die Entwicklung der Industrie behinderten, und die SPD, weil sich diese hartnäckig weigere, sich endgültig von der Linkspartei abzgrenzen.
Armin Laschet - SNA, 1920, 29.08.2021
Neuer Plan: Laschet will mit Kernthemen Wahlkampf retten
Richtig überzeugend wirkte Laschet in dieser neuen Rolle nicht unbedingt. „Bitte nicht nur Sprechzettel lesen“, stichelte Baerbock gegen ihn, als sich der Unionskandidat ein weiteres Mal im Angriffsmodus zeigen wollte.
Dennoch konnte Laschet zumindest zeigen, dass es ihn noch gibt. Seine Mitstreiter haben das jedenfalls registriert. „Armin Laschet ist richtig gut heute Abend“, twitterte etwa Friedrich Merz.
„Starker Auftritt und klarer Sieg von Armin Laschet“, hieß es in Söders Twitter. Ob er das wirklich ernst oder eher ironisch meinte, blieb allerdings für so manche Leser dieses Twitters laut ihren Reaktionen nicht ganz klar.

Olaf Scholz macht die „Merkel-Raute“

Annalena Baerbock musste – nach dem anfänglichen Höhenflug als Kanzlerkandidatin und dem anschließenden Absturz infolge eigener Fehltritte – ebenfalls punkten. Begünstigt war ihre Position in der TV-Runde dadurch, dass sie als einzige Oppositionspolitikerin gegen zwei Vertreter der Regierungsparteien antrat. Kennzeichnenderweise griff sie dabei vorwiegend Laschet an – ob bei der Corona-, der Sozial- oder der Steuer-Politik.
Und damit spielte sie Olaf Scholz in die Hand, der als Favorit in den Dreikampf ging. Auch beim TV-Triell wirkte der SPD-Kandidat souverän, unnahbar und nahezu gelangweilt. „Die Vorschläge, die ich zu machen habe, sind alle bekannt“, hieß es bei ihm. Und:

Je stärker das Votum der sozialdemokratischen Partei ausfällt, umso eher kann ich das durchsetzen, was ich mir vorgenommen habe.

Als Scholz darauf gefragt wurde, wie es aussehen würde, wenn die SPD nur auf Platz zwei lande, antwortete er mit einem überlegenen Lächeln: Danach sehe es derzeit weniger aus als noch vor vier Wochen.

Das gewinnende Lächeln des SPD-„Buddhas“

Nicht Armin Laschet, sondern Olaf Scholz präsentiert sich als der natürliche Nachfolger von Angela Merkel. Für diejenigen, die das noch nicht erkannt haben, faltet er die Hände für Fotografen zur Merkel-Raute. Und als es in der TV-Runde darum ging, ob für die Bahnreisenden die „3G-Regel“ eingeführt werden soll, äußerte Scholz wie folgt:

Der Wunsch von mir und der Kanzlerin ist, dass es klappen soll.

Wie eine Forsa-Blitzumfrage unmittelbar nach der Sendung ergab, kommt der SPD-Kandidat gerade mit diesem „Nach-Mutti-kommt-Vati“-Gehabe gut an. Für 36 Prozent der insgesamt 2500 Befragten habe Scholz den Dreikampf „alles in allem gewonnen“, gefolgt von Baerbock mit immerhin beachtlichen 30 Prozent. Laschet blieb mit 25 Prozent Letzter.
Auf die Frage „Wem trauen Sie am ehesten zu, das Land zu führen?“ votierten 47 Prozent für Scholz, 24 Prozent für Laschet und 20 Prozent für Baerbock. Auch bei der Frage „Wen fanden Sie am sachkundigsten und kompetentesten?“ lag Scholz mit 46 Prozent deutlich vor Laschet mit 26 Prozent und Baerbock mit 24 Prozent.
Als Talkmaster Günther Jauch nach seinen Eindrücken vom Triell gefragt wurde, äußerte er: „So richtig gut gefallen hat mir keiner.“ Zum Auftreten von Olaf Scholz meinte Jauch:

Ich habe manchmal den Eindruck gehabt, der saß da wie ein Buddha und wartete auf die Fehler der anderen.

Naja, „sitzen“ tat Olaf Scholz nicht – alle Teilnehmer mussten zwei Stunden lang stehen. Der Rest mag stimmen.
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